Selbs Stadtgeschichte lässt sich an Straßen und Häusern lesen: an den schlichten Fassaden des Wiederaufbaus nach 1856, an Ladengeschäften unter Mietwohnungen, an Fabrikmauern und Villen, an Schulhäusern und Bahnanlagen. Die Porzellanindustrie veränderte nicht nur den Erwerb der Bevölkerung. Sie vergrößerte den Ort, schuf neue Wege und Wohnbereiche und brachte Bauaufgaben hervor, die das ältere Marktstädtchen kaum gekannt hatte.
Dieser Artikel erschließt historische Postkarten, Stadtansichten und Bauunterlagen aus der Sammlung Stefan Strößenreuther. Einzelne Straßenporträts verbinden den sichtbaren Bildbefund mit nachgewiesenen Bau- und Nutzungsgeschichten. Einen Schwerpunkt bildet die Friedrich-Ebert-Straße mit den Häusern 29, 31, 33 und 35, darunter das frühere Jugendheim. Die ausgewählten Ansichten ergänzen den Überblick zur Selber Stadtgeschichte, ohne eine vollständige Häuserchronik sämtlicher Straßen zu ersetzen. Redaktionsstand: 17. Oktober 2026.
SG01 · Ludwigstraße in Selb. Rathaus, ehemaliges Amtsgericht, Straßenbäume und Pflaster in historischer Ansicht. Bildnachweise.
| Straße oder Bereich | Was hier besonders sichtbar wird | Vertiefung |
|---|---|---|
| Ludwigstraße | Wiederaufbau, Verwaltung und schlichte Wohn- und Geschäftshäuser | Straßenporträt |
| Marktplatz und Kirchplatz | Handel, Blickbeziehungen und die Stadtkirche | Straßenporträt |
| Pfarrstraße, Badershof und Talstraße | Ältere Bauteile, Hofräume und wiederverwendete Werksteine | Quartiersporträt |
| Bahnhofstraße und Bahnhofsumfeld | Verwaltung, Verkehr und die unterschiedlichen Selber Bahnhöfe | Straßenporträt |
| Friedrich-Ebert-Straße | Mietshausbau 1913/14, Geschäfte und politische Nutzungsgeschichte | Vier Hausporträts |
| Wittelsbacherstraße | Rentamt, Fachschule, Rosenthal und Künstlerfassaden | Straßenporträt |
| Lorenz-Hutschenreuther-Straße und Ludwigsmühle | Schulbau, ältere Wohnhäuser und Fabrikentwicklung | Straßenporträt |
| Franz-Heinrich-Straße sowie Jahn-/Sand-/Schützenstraße | Unterschiedliche Formen des Wohnens in der Industriestadt | Wohnquartiere |
| Historische Ascherstraße | Aussagekraft und Grenzen einer alten Kartenbeschriftung | Bildporträt |
| Erkersreuth und Selb-Plößberg | Eigenständige Ortskerne, Fabriken und spätere Umnutzung | Ortsteile |
Der Stadtbrand vom 18. März 1856 ist der Schlüssel zum Verständnis vieler Selber Straßenbilder. Er zerstörte große Teile des älteren Ortskerns. Hermann Bohrer beschreibt in seiner Chronik, dass für den Wiederaufbau zunächst ein neuer Bebauungsplan genehmigt werden musste. Er sah die Erweiterung zuvor enger Straßen und Gassen vor. Der rasche Wiederaufbau sollte vor allem Unterkunft und Arbeitsraum schaffen. Bereits im Herbst konnten nach seinem Bericht viele Häuser wieder bezogen werden; größere öffentliche Bauvorhaben dauerten länger. (SGQ01, S. 202–212; ergänzend SGQ08, S. 15–19)
Deshalb ist die heutige Vorstellung einer „alten Innenstadt“ zu differenzieren. Viele historisch wirkende Häuser gehören zur Wiederaufbauphase des 19. Jahrhunderts. Andere besitzen ältere Keller, Portale oder Bauteile, die in veränderte Gebäude übernommen wurden. Wieder andere entstanden erst im Zuge des industriellen Wachstums nach 1900. Historische Architektur ist in Selb keine einheitliche Zeitschicht.
Das Kurzinventar von Michael Brix und Karl-Ludwig Lippert aus dem Jahr 1974 hilft, diese Unterschiede an einzelnen Adressen zu erkennen. Es beschreibt unter anderem die einfachen Häuser der Ludwigstraße, ältere Höfe, Granitrahmungen und die großen öffentlichen Gebäude. Es ist zugleich eine historische Bestandsaufnahme: Ein dort geschilderter Zustand darf nicht ohne weitere Prüfung als Zustand von 2026 bezeichnet werden. (SGQ02, S. 79–90)
Der westliche Abschnitt der Ludwigstraße verbindet mehrere öffentliche Bauten zu einer zusammenhängenden Straßenfront. Nach dem Brand wurde das beschädigte markgräfliche Schloss abgetragen. 1860 entstand das ehemalige Amtsgericht an der Ludwigstraße 4; 1861–1862 folgte das Rathaus an der Ludwigstraße 6. Bohrer nennt den 1. Oktober 1862 für den Einzug der Behörden. Damit erhielt der frühere Herrschafts- und Verwaltungsbereich eine neue bauliche Gestalt. (SGQ01, S. 208–212; SGQ02, S. 85–87)
Die Gebäude zeigen, dass der Wiederaufbau nicht ausschließlich aus schmucklosen Zweckbauten bestand. Am ehemaligen Amtsgericht betonen Seitenflügel mit Treppengiebeln, Granitgliederungen und neugotische Formen die öffentliche Funktion. Beim Rathaus markieren der vorspringende Mittelteil und der Turm den Haupteingang und den Rang des Gebäudes. Das Inventar von 1974 verzeichnet außerdem eine rückwärtige Erweiterung des Rathauses 1898. (SGQ02, S. 85–86)
Das Haus Ludwigstraße 2 bildet mit seinem Zinnengiebel einen auffälligen Auftakt. Es steht schräg zur Flucht der Straße und vermittelt zum anschließenden Straßenraum. Bei der Betrachtung von SG01 sind deshalb nicht allein die einzelnen Fassaden interessant. Entscheidend ist ihre Abfolge: das Eck- beziehungsweise Giebelhaus, das Amtsgericht und das Rathaus mit seinem Turm. So wird die Straße selbst zu einer gestalteten Folge von Baukörpern. (SGQ02, S. 89)
Die kolorierte Karte SG02 trägt die eindeutige Aufschrift „Obere Ludwig-Straße“. Sie zeigt eine weniger monumentale Bebauung: überwiegend niedrigere Häuser, kleine Läden, Personen auf der Straße und ein Fuhrwerk im Straßenraum. Die Architektur bildet eine zusammenhängende Häuserkante, obwohl die einzelnen Fassaden unterschiedlich gegliedert sind. Die aufgetragene Farbe ist Bestandteil der historischen Kartenfassung; sie ist kein verlässlicher Nachweis sämtlicher damaliger Fassadenfarben.
SG02 · Obere Ludwigstraße. Historische Straßenansicht mit Häuserfronten, Menschen und Fuhrwerken. SGQ04.
Für die Häuser 20, 21, 22, 23, 24 und 29 beschreibt das Inventar von 1974 eine Gruppe einfacher zweigeschossiger Häuser, die für den raschen Wiederaufbau nach 1856 kennzeichnend sei. Es nennt Schieferdächer, kleine Dachgauben und Werksteindetails aus Granit; bei Nummer 20 wird die Jahreszahl 1856 an der Türrahmung festgehalten. Solche Details sind genauer als ein pauschales Etikett „Altstadt“. Sie verorten die Gebäude in der konkreten Erholungsphase nach der Katastrophe. (SGQ02, S. 89)
Nachvollziehbare Veränderung: Auf die Zerstörung von 1856 folgten neue beziehungsweise veränderte Baufluchten und Häuser. Spätere Ladeneinbauten und wechselnde Geschäfte veränderten vor allem die Erdgeschosse. Die beiden Ludwigstraßenbilder zeigen unterschiedliche Abschnitte; sie werden deshalb nicht als identische Vorher-Nachher-Perspektive ausgegeben.
Der Marktplatz ist in den Postkarten zugleich Handelsraum und Durchgang. Die schwarzweiße Ansicht SG03 zeigt Geschäftsaufschriften, Schaufenster und die evangelische Stadtkirche im Hintergrund. Sie macht erkennbar, wie Einzelhandel und Stadtbild miteinander verbunden waren: Die Nutzung lag im Erdgeschoss, während die oberen Geschosse dem Gebäude einen ruhigeren, regelmäßig gegliederten Abschluss gaben.
SG03 · Marktplatz mit Geschäftsfassaden. Historische Ansicht mit lesbaren Geschäftsaufschriften. SGQ04.
Das Inventar beschreibt Marktplatz 1 als einen um 1860 entstandenen Kopfbau, der zwei Hausgrundstücke zusammenfasst. Seine sieben marktseitigen Fensterachsen, die beiden Vollgeschosse und das zusätzliche Halbgeschoss unterscheiden ihn von kleineren Häusern. Schon 1974 wurden moderne Ladeneinbauten vermerkt. Für Marktplatz 12 nennt dieselbe Quelle dagegen eine ältere, hofseitig wiederverwendete beziehungsweise zugesetzte Granitrahmung mit der Jahreszahl 1774 an einem später umgebauten Haus. Der Blick auf die Straßenseite allein würde diese ältere Schicht übersehen. (SGQ02, S. 89)
Die evangelische Stadtkirche St. Andreas prägt zahlreiche Blickrichtungen. Der heutige Kirchenbau entstand nach dem Brand in den Jahren 1859–1863 nach Plänen August von Voits, wobei die ursprüngliche Planung vereinfacht ausgeführt wurde. Das Inventar nennt beispielsweise eine Flachdecke im Langhaus anstelle der vorgesehenen Wölbung. Der hohe Turm und die erhöhte Lage machen die Kirche zum Orientierungspunkt über den unmittelbaren Kirchplatz hinaus. (SGQ02, S. 79–81)
SE03 · Kirchplatz mit evangelischer Kirche. Historische Ansicht des wiederaufgebauten Selber Stadtraums. Ursprünglicher Bildnachweis.
Nachvollziehbare Veränderung: Die Kirche wurde vollständig neu errichtet; das Umfeld besteht aus unterschiedlich alten und teilweise wiederaufgebauten Häusern. Spätere Nutzungsänderungen, Schaufenster und die Gestaltung der Verkehrsflächen bilden weitere Schichten. Eine historische Karte ohne Datierung belegt jedoch keinen exakten Zeitpunkt einer Verkehrsberuhigung. Die Rolle der Innenstadt als Veranstaltungsraum vertiefen die Artikel zum Porzellanflohmarkt und zum Heimat- und Wiesenfest.
Abseits der großen Straßenfronten werden ältere Hofräume und Bauteile wichtig. Das Inventar von 1974 deutet die Raumform des Badershofes als Hinweis auf eine ältere Anlage; die Verbindung mit einem früheren Sitz der Forster wird ausdrücklich als Vermutung behandelt. Für Badershof 1 werden ältere Bauteile im Kern sowie ein gewölbter Wirtschaftsraum beschrieben. An den Häusern 3 und 4 verzeichnet es Türrahmungen mit der Jahreszahl 1832. Eine solche Inschrift datiert zunächst das bezeichnete Bauteil und nicht automatisch das ganze, später veränderte Haus. (SGQ02, S. 87–88)
Die Pfarrstraße zeigt besonders anschaulich, wie der Wiederaufbau mit älteren Resten umging. Das erste evangelische Pfarrhaus, Pfarrstraße 4, wurde 1857–1858 nach einem Entwurf des Kreisbauinspektors Tanera errichtet. Beim zweiten Pfarrhaus, Nummer 13, erfolgte 1856–1857 ein Wiederaufbau unter Einbeziehung vorhandener Teile. Das Inventar beschreibt dort unter anderem einen älteren gewölbten Raum. Zwischen Pfarrstraße 9 und 11 wurde ein Wappenstein mit der Jahreszahl 1615 festgehalten, der als wiederverwendetes Stück aus dem Brandschutt eingeordnet wird. (SGQ02, S. 86–87, 90)
Auch die Talstraße bewahrt Hinweise auf vorindustrielles Wohnen. Bei Nummer 8 nennt das Inventar ein Haus des späten 18. Jahrhunderts mit Granitportal, datiert 1794, und gewölbten Innenräumen. Für Nummer 31/33 beschreibt es zwei zusammengefasste Häuser mit älteren Jahreszahlen; Nummer 35 trägt nach dieser Aufnahme die Bezeichnung 1834. Die Abfolge solcher Adressen ergänzt das Bild der nach 1856 erneuerten Hauptstraßen um kleinere, ältere Strukturen. (SGQ02, S. 90)
Nachvollziehbare Veränderung: In diesen Bereichen bedeutet Wandel häufig Umbau, Zusammenlegung und das Überdauern einzelner Keller, Portale oder Gewölbe. Ein Straßenzug kann außen jünger erscheinen als Teile seines Inneren. Die genannten Innenraumbefunde stammen aus dem Inventar von 1974; eine heutige Zugänglichkeit oder unveränderte Erhaltung wird daraus nicht abgeleitet.
Die Postkarte SG04 ist mit „Bahnhofstrasse u. kgl. Rentamt“ beschriftet. Sie verbindet einen Verkehrsweg mit einem Verwaltungsbau. Dieser Quellenwortlaut ist wichtig: Das bezeichnete Gebäude wird hier nicht mit dem Postamt verwechselt. Die Karte zeigt Menschen im Straßenraum, eine zusammenhängende Bebauung und den Verwaltungsbau als markanten Blickpunkt. Als Verlag ist Franz Dietrich, Selb genannt. (SGQ04)
SG04 · Bahnhofstraße mit königlichem Rentamt. Historische Ansichtskarte mit gedrucktem Titel und Verlagsvermerk. SGQ04.
Als ältere Schicht an dieser Verkehrsachse nennt das Inventar von 1974 bei Bahnhofstraße 9 eine Granit-Türrahmung mit der Jahreszahl 1796. Das Haus selbst war damals bereits modernisiert. Damit steht neben dem Bild einer gewachsenen Verkehrsstraße ein kleiner materieller Beleg aus der Zeit vor dem Stadtbrand. (SGQ02, S. 88)
Für die räumliche Einordnung müssen mehrere Entwicklungsstufen getrennt werden. 1865 erhielt das Selber Umland mit der Hof-Egerer Bahn und der Station Selb-Plößberg einen überregionalen Anschluss. 1894 folgte die Stichbahn nach Selb Untere Stadt. Der später eröffnete Bahnhof Selb Stadt mit dem jüngeren Lokschuppen gehört dagegen zum Ausbau von 1914. Sein Empfangsgebäude am Goetheplatz ist mit Fritz Klee verbunden. Die ausführlichen Quellen und die Unterscheidung der Standorte stehen im Eisenbahnartikel. (SGQ09)
Der Ausbau veränderte die Wege der Industriestadt. Waren und Brennstoffe mussten nicht mehr ausschließlich vom weiter entfernten Bahnhof herangefahren werden. Anschlussgleise und neue Bahnanlagen verbanden Fabriken, Lager und Versand. Mit dem späteren Rückgang des Güterverkehrs verschwanden wiederum Teile dieses Netzes. Der erhaltene Lokschuppen wurde zum Ort der Sammlung und Vermittlung. Verkehrsflächen können deshalb ebenso historische Zeugnisse sein wie eine Hausfassade.
Nachvollziehbare Veränderung: Von der Straßenanbindung an einen außerhalb des Kerns gelegenen Bahnhof führte die Entwicklung zu innerstädtischen Bahn- und Industrieanlagen und später zu deren teilweiser Aufgabe und musealer Erhaltung. Eine Ortsangabe „Bahnhofstraße“ wird deshalb immer mit dem jeweiligen Motiv und Ortsteil abgeglichen.
Die wichtigste Bauquelle dieses Artikels ist eine Begründung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege vom 26. Juli 2012. Sie untersucht die Wohnhausgruppe Friedrich-Ebert-Straße 29–35. Der Ordner beziehungsweise eine PDF-Datei im Fundus nennt abweichend „26–36“; maßgeblich sind hier der Inhalt des Schreibens und die tatsächlich behandelten Häuser 29, 31, 33 und 35. Die beiden PDF-Fassungen werden nicht als zwei voneinander unabhängige Gutachten gezählt. (SGQ03, PDF-S. 2–6)
Nach dieser Quelle führte die damalige Gartenstraße vom Zentrum nach Nordwesten und wurde im Zuge des Stadtwachstums verlängert. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstand hier eine geschlossene Reihe dreigeschossiger Häuser mit ausgebauten Mansarddächern, Erkern und unterschiedlich gestalteten Putzfassaden. Die Planung von Nummer 29 wird August Hofmann, diejenige von 31 bis 35 Georg Grethlein d. Ä. zugeordnet. Die gemeinsame Entstehungsphase 1913/14 erklärt die formale Verwandtschaft. (SGQ03, PDF-S. 2–6)
SG07 · Häuserzeile an der Friedrich-Ebert-Straße. Foto aus der Denkmalbegründung von 2012, gedruckte S. 2 beziehungsweise PDF-S. 3. SGQ03.
Friedrich-Ebert-Straße 29 entstand für den Kaufmann Fritz Friedrich. August Hofmann war zur Planungszeit Mitarbeiter des Bauunternehmens der Gebrüder N. und M. Baumann und wurde später Selber Stadtbaumeister. Die Quelle beschreibt das Haus als von Anfang an auf die Verbindung von Geschäft und Wohnen ausgelegt: Im Erdgeschoss war eine Ladennutzung vorgesehen, darüber lagen Wohnungen. (SGQ03, PDF-S. 4)
Die Fassade ist durch senkrechte Putzgliederungen, gestaltete Fensterbrüstungen und einen großen mittleren Fenstererker aufgebaut. Dieser reicht bis in das Mansardgeschoss. Seine eng aneinandergereihten Fenster bringen viel Licht in die dahinterliegenden Räume. Die Denkmalbegründung vergleicht den Typ mit dem englischsprachigen „bay window“ und ordnet ihn der gehobenen Wohnkultur der Zeit um 1910 zu. So zeigt sich das industrielle Stadtwachstum auch als Veränderung von Wohnansprüchen: Die Wohnungen sollten mehr sein als eine möglichst knapp bemessene Unterkunft. (SGQ03, PDF-S. 4)
Bemerkenswert ist die geschilderte Bauweise des Treppenhauses. Bis zum ersten Obergeschoss führte eine massive Treppe mit Eisengeländer, darüber eine Holztreppe mit Holzgeländer. Für die Wohngeschosse werden Vierzimmerwohnungen genannt. 2012 hob der Bearbeiter erhaltene Türen, Beschläge und straßenseitige Fenster hervor. Das ist ein damaliger Befund, keine aktuelle Innenraumbesichtigung. Die im Schreiben widersprüchlichen Tagesangaben zu Baugesuch und Fertigstellung werden nicht zu einem scheinbar genauen Bauablauf zusammengezogen. (SGQ03, PDF-S. 4)
Für Nummer 31 reichte Artur Ahlendorf, für Nummer 33 Ekard Netsch im Januar 1914 ein Baugesuch ein. Planung und Ausführung übernahm Georg Grethlein d. Ä. Beide Häuser orientierten sich am benachbarten Nummer 29: drei Geschosse, ausgebautes Mansarddach und eine hervorgehobene Fassadenmitte. Dennoch entstand keine bloße Wiederholung derselben Schauseite. (SGQ03, PDF-S. 4–5)
Bei Haus 31 endet der wenig vorspringende Mittelteil unter dem Dachgesims. Darüber setzt ein Zwerchhaus, also ein quer zum Hauptdach gerichteter Aufbau, die Mittelachse mit einem geschweiften Giebel fort. Haus 33 besitzt dagegen einen polygonal gebrochenen Erker, der bis in das Dachgeschoss geführt wird. Die ähnliche Grundform erhielt damit unterschiedliche obere Abschlüsse. Gerade diese Unterschiede machen die Häuserzeile als zusammengehörige, aber nicht völlig gleichförmige Architektur lesbar. (SGQ03, PDF-S. 4–5)
Auch die beschriebene Treppenkonstruktion verbindet die Gebäude: auf massive untere Läufe folgen hölzerne obere Treppen. Nach dem Befund von 2012 war die einfache bauzeitliche Ausstattung durch Modernisierungen bereits reduziert, in wesentlichen Teilen aber noch vorhanden. Die soziale Geschichte solcher Mietshäuser liegt daher sowohl in den Straßenfassaden als auch in Erschließung, Wohnungszuschnitt und alltäglicher Nutzung. (SGQ03, PDF-S. 5)
Das Eckhaus Friedrich-Ebert-Straße 35 entstand 1914 für den Verein Jugendheim e. V. im Umfeld der SPD, ebenfalls nach Plänen Georg Grethleins. Es schließt die Reihe an der Einmündung der Martin-Pöhlmann-Straße ab. Zwei Schauseiten und der turmartig hervorgehobene, mit einem Zwiebeldach abgeschlossene Eckerker geben dem Haus eine andere Wirkung als den schmaleren mittleren Gebäuden. Die historische Ansicht trägt die Bezeichnung „Jugendheim Selb i. Bay.“. (SGQ03, PDF-S. 5–6)
SG08 · Früheres Jugendheim an der Friedrich-Ebert-Straße. Foto: Stefan Strößenreuther, aus der Denkmalbegründung von 2012, gedruckte S. 4 beziehungsweise PDF-S. 5. SGQ03.
1933 wurde das Haus nach der Denkmalbegründung durch die Nationalsozialisten enteignet. Bis 1945 diente es der NSDAP-Kreisleitung Selb; daher stammt die historische Bezeichnung „Braunes Haus“. Diese Nutzung wird als Teil der Verfolgungs- und Herrschaftsgeschichte benannt. Sie darf die ursprüngliche Funktion als Jugendheim nicht aus der Erinnerung verdrängen. (SGQ03, PDF-S. 6)
Ein durchgreifender Umbau 1958 veränderte die Raumaufteilung. Die Quelle berichtet für ihren damaligen Untersuchungsstand von drei Wohnungen je Geschoss. Bei einer weiteren Modernisierung 1993 ging nach ihrem Befund ein großer Teil der wandfesten Ausstattung aus der Bauzeit verloren. Das Treppenhaus blieb als ein mit den Nachbarhäusern vergleichbares Bauteil erhalten. Gerade hier lässt sich Veränderung konkret verfolgen: öffentliche beziehungsweise vereinsbezogene Nutzung, erzwungene politische Aneignung, spätere Wohnnutzung und Verlust historischer Innenausstattung. (SGQ03, PDF-S. 6)
Die Denkmalliste mit Stand 6. März 2026 führt die Häuser 29, 31, 33 und 35 gemeinsam als Wohnhausgruppe D-4-79-152-158. Das ist von einer pauschalen Aussage über den Denkmalstatus der gesamten Straße zu unterscheiden. (SGQ05, S. 4)
Der dokumentierte Wandel betrifft nicht nur Abriss oder Neubau. Ladenfronten, Fenster, Treppen, Wohnungsteilungen und die Entfernung von Innenausstattung können die Aussage eines Hauses erheblich verändern. Die Quelle von 2012 begründet die Bedeutung der Gruppe gerade mit der gemeinsamen Grundstruktur und den variierenden Fassaden. Aus dem Schreiben wird keine vollständige Chronik sämtlicher späteren Baumaßnahmen abgeleitet.
Die Karte SG05 nennt „Wittelsbacher Straße mit Rentamt“. Sie zeigt Wohn- und Geschäftshäuser, den markanten Verwaltungsbau und den eingefassten tiefer liegenden Bereich im Vordergrund. Auch hier ist die Straßenfront kein ausschließliches Fabrikmotiv. Verwaltung, Wohnen und Verkehr gehören zum Stadtbild einer Industriestadt ebenso wie die Produktionshallen.
SG05 · Wittelsbacher Straße mit Rentamt. Historisch getönte Ansichtskarte. SGQ04.
Das Inventar nennt entlang der Straße verschiedene Bauaufgaben: das ehemalige katholische Schulhaus Nummer 13 von 1884, das katholische Pfarrhaus Nummer 15 von 1891 und weitere Wohnhäuser mit Granitgliederungen. Solche Bauten verweisen auf den Ausbau von Bildungs- und Gemeindeeinrichtungen während des Bevölkerungswachstums. Sie ergänzen die bekannten Unternehmensgeschichten um die Infrastruktur des städtischen Alltags. (SGQ02, S. 87, 90–91)
SG06 · Staatliche Fachschule für Porzellanindustrie. Gerundete Gebäudeecke, Dachaufbau und gegliederte Fassaden prägen den Selber Schulbau.
SG06 · Staatliche Fachschule für Porzellanindustrie. Historische Ansichtskarte des Selber Schulgebäudes. SGQ04 · Fritz Klee und die Fachschule.
Die Schulgeschichte verbindet 1908 begonnenen vorbereitenden Unterricht mit der offiziellen Eröffnung 1909. Unter Fritz Klee entstand eine Verbindung von Entwurfsunterricht, Industrie und angewandter Kunst. Für den Stadtraum bedeutete das: Selb war nicht allein Ort der Herstellung, sondern auch ein Ort der Ausbildung und Gestaltung. Die Gründung der Institution, die Entstehung eines Schulbaus und das Datum einer einzelnen Postkarte sind dabei unterschiedliche Vorgänge. (SGQ10)
Zum selben größeren Stadtraum gehört das alte Rosenthal-Werk. Seit dem Regenbogenfest 1973 wurde die Verbindung von industrieller Architektur und Kunst öffentlich inszeniert. Otto Pienes Regenbogenfassade, später Friedensreich Hundertwassers begrünte „Dritte Haut“ und Marcello Morandinis Spiegelhaus machten Gebäude selbst zu Trägern gestalterischer Aussagen. Die Datierungen der einzelnen Projekte und die Unterschiede zwischen Entwurf, Fest und späteren Ergänzungen sind im Artikel zur Regenbogenstadt belegt. (SGQ11)
RB01 · Regenbogenfassade in Selb. Farbgestaltung von Otto Piene. Fotovermerk: © Stefan Stroessenreuther 2017. Ursprünglicher Bild- und Quellennachweis.
Nachvollziehbare Veränderung: Aus Produktionsgebäuden wurden zugleich weithin erkennbare Kunst- und Erinnerungsorte. Damit änderte sich die öffentliche Wahrnehmung der Fabrik. Eine bemalte oder begrünte Fassade beweist allerdings für sich allein weder einen bestimmten Produktionsstand noch eine vollständige Umnutzung des gesamten Areals.
Die Lorenz-Hutschenreuther-Straße verbindet im Namen die Stadt mit einem zentralen Unternehmer ihrer Industriegeschichte. Baulich gehört sie aber mehreren Zeiten an. Das Inventar von 1974 nennt bei Nummer 2 ein älteres Wohnhaus mit einer hofseitigen Türrahmung von 1799 und bei Nummer 33 ein mit 1827 bezeichnetes Haus. Diese Belege erinnern daran, dass nicht jede Bebauung dieser Straße erst mit der Porzellanindustrie begann. (SGQ02, S. 89)
Der große Schulbau ist die Luitpoldschule, 1907–1908 nach Plänen John H. Rosenthals errichtet. Das Inventar hebt die weithin sichtbare Hanglage, den dreigeschossigen Hauptbau, gerundete Ecken, Erker und die angeschlossene Turnhalle hervor. Der Aufwand zeigt, welche Bedeutung eine wachsende Stadt der öffentlichen Schulversorgung geben konnte. Dieser Bau ist von der zuvor abgebildeten Fachschule für Porzellanindustrie zu unterscheiden. (SGQ02, S. 87)
Die Ludwigsmühle bezeichnet dagegen den industriellen Entstehungsraum von Lorenz Hutschenreuthers Selber Betrieb. Aus dem Mühlenstandort entwickelte sich seit 1857 die Fabrik. Die überlieferte Werksansicht H01 veranschaulicht den später ausgebauten Komplex; sie ist kein Foto des Gründungszustands. (SGQ12)
H01 · Hutschenreuther Werk A. Gesamtansicht mit Fabrikgebäuden und angrenzender Bebauung. Ursprünglicher Bildnachweis.
Nachvollziehbare Veränderung: Ältere Wohnhäuser, repräsentativer Schulbau und Fabrikanlage stehen für unterschiedliche Bauphasen und Funktionen. Die Entwicklung vom Mühlenstandort zum Industriekomplex wird im Hutschenreuther-Artikel und bei Gründung und Stadtentwicklung ausführlicher behandelt. Der Umbau der früheren Paul-Müller-Fabrik an der Hartmannstraße bietet ein weiteres Beispiel für den Weg vom Produktionsgebäude zur späteren Wohnnutzung. Deren eigenständige Geschichte bleibt im Paul-Müller-Artikel nachvollziehbar.
Die unterschiedlichen Wohnformen dürfen nicht zu einem einheitlichen „Porzellinerviertel“ zusammengefasst werden. Die Friedrich-Ebert-Straße zeigt mehrgeschossigen Mietshausbau mit Läden und unterschiedlichen Bauherren. Andere Bereiche entstanden in engerer Verbindung mit einem einzelnen Unternehmen. Wieder andere Baugruppen stehen für kommunale beziehungsweise städtisch geprägte Wohnungsbauaufgaben. Fassaden können auf solche Unterschiede hinweisen; die soziale Zusammensetzung jedes Hauses erfordert zusätzliche Miet- und Melderegister.
Das Ensemble Franz-Heinrich-Straße umfasst Villa, Park, Nebengebäude und Beamtenwohnhäuser, auch am Papiermühlenweg. Wohl ab 1910 geplant und 1920–1927 ausgebaut, zeigt es Wohnen abseits der Fabrik. (SGQ05, S. 1)
Der Heinrich-Artikel ergänzt die Entwicklung des Unternehmens und seines Werks. Ein Wohnhaus für leitende Beschäftigte ist dabei nicht mit einer Arbeiterunterkunft gleichzusetzen. Auch der Begriff „Beamtenwohnhaus“ stammt hier aus der Beschreibung der Fabrik- und Denkmalgeschichte; er wird nicht pauschal auf alle Bewohner des weiteren Viertels übertragen.
Für die Zwischenkriegszeit nennt die Denkmalliste den Wohnblock Jahnstraße 37–49, 1929–1930, Konrad Kühnlein, sowie den Baukomplex Jahn-/Sand-/Schützenstraße um 1930, Stadtarchitekt Linhardt. Hinzu kommt das Schulhaus Lessingstraße 8 von 1928/29, ebenfalls Kühnlein. Diese Beispiele erweitern die Wohnstadt um größere zusammenhängende Bauaufgaben. (SGQ05, S. 6 und 8)
Nachvollziehbare Veränderung: Die Bebauung wuchs über einzelne Wohn- und Geschäftshäuser hinaus zu geplanten Gruppen und größeren Blöcken. Um deren tatsächliche Belegung, Eigentümerfolge oder konkrete Wohnungsausstattung zu schildern, wären zusätzliche Bauakten und Wohnungsunterlagen erforderlich. Die hier ausgewerteten Denkmaleinträge belegen Bauformen, Adressen, Entwerfer und Entstehungszeiten.
Eine weitere Karte nennt ausdrücklich „Selb (Bayern). Ascherstraße.“ Sie zeigt einen breiten gepflasterten Straßenraum, niedrigere Traufhäuser und dazwischen eine deutlich aufwendiger gestaltete Fassade. Menschen nutzen die Fahrbahn und die Randbereiche. Das Bild erweitert die oft auf Rathaus und Kirche konzentrierte Stadtansicht um eine Straße des Wohnens und Gewerbes. (SGQ04)
SG09 · Historische Ascherstraße. Straßenansicht mit gedruckter Orts- und Straßenbezeichnung. SGQ04.
Das Motiv zeigt zugleich, warum die historische Benennung Bestandteil des Bildnachweises bleiben muss. Straßen wurden erweitert, umbenannt oder anders unterteilt. Eine Karte kann einen älteren Namen überliefern, während heutige Karten einen anderen Ordnungsstand zeigen. Für eine belastbare Zuordnung wären ein datierter Stadtplan und ein zeitnahes Adressbuch gemeinsam heranzuziehen. Aus der sichtbaren Fassadenform allein entsteht keine sichere Hausnummer. Dieser offen benannte Abgleich schützt die spätere Häusergeschichte vor einer falsch fortgeschriebenen Ortsangabe.
Erkersreuth besitzt eine eigene Orts- und Unternehmensgeschichte. Das Schloss verbindet den älteren Ort mit den Anfängen Rosenthals und der späteren Wohn- und Begegnungswelt Philip Rosenthals. Die hier verwendete Aufnahme zeigt das Schloss in einem späteren Zustand; sie ist kein Bild des Gründungsbetriebs von 1879.
PR04 · Schloss Erkersreuth. Außenansicht aus dem Ordner „Schloss-Erkersreuth“. Original: museum073.JPG. Ursprünglicher Bildnachweis.
Das Schloss Erkersreuth besitzt einen eigenen Stellenwert in der Rosenthal-Geschichte. 1879 begann hier der mit Philipp Rosenthal verbundene Unternehmensaufbau. Die spätere Nutzung als Wohn- und Begegnungsort ist mit Philip Rosenthal verbunden. Vater und Sohn sowie Gründungszeit und spätere Schlossgeschichte bleiben zu unterscheiden. Die Details stehen in der Rosenthal-Unternehmensgeschichte und im Artikel zu Philip Rosenthal und Schloss Erkersreuth. Die Erkersreuther Kirchweih ergänzt Schul-, Kirchen- und Vereinsleben. (SGQ12)
Selb-Plößberg entwickelte sich mit Bahnhof, Fabrik und Wohnbebauung zu einem eigenen Industrie- und Siedlungsraum. Die bereits erschlossene Aufnahme LS03 zeigt die enge Nachbarschaft dieser Funktionen. Anders als eine Nahaufnahme einer Fassade macht sie den Zusammenhang von Produktionsflächen, Gleisen und Wohnhäusern sichtbar. (SGQ09)
LS03 · Selb-Plößberg als Industrie- und Siedlungsraum. Historische Luftaufnahme von Fabrik, Bahn und Wohnbebauung. Ursprünglicher Bildnachweis.
Die spätere museale Nutzung im Porzellanikon veränderte den Zugang zum früheren Produktionsort. Gebäudeteile und technische Anlagen wurden zu Zeugnissen und Ausstellungsräumen der Industriegeschichte. Der Porzellanikon-Artikel behandelt die Museumsgeschichte und unterscheidet den Fabrikstandort Selb-Plößberg von der Villa in Hohenberg. Diese Trennung ist auch für die Bildzuordnung wichtig: Eine Aufnahme aus dem Hohenberger Museum ist keine Ansicht eines Selber Stadtviertels. (SGQ12)
Die amtlichen Planungsunterlagen ergänzen die historischen Bilder um heutige Fragestellungen. Die Begründung zum Bebauungsplan 170, Fassung 10. Dezember 2025, behandelt den Bereich Schillerstraße/Poststraße. Sie beschreibt ein innerstädtisches Gebiet mit unterschiedlichen Nutzungen und bezieht die benachbarten historischen Gebäude Ludwigstraße 29 und Poststraße 3 ein. Die Verbindung von Bestand, Erreichbarkeit und neuer Nutzung ist damit ausdrücklich Teil der Planung. Eine Planbegründung ist jedoch kein Beleg dafür, dass sämtliche vorgesehenen Maßnahmen bereits gebaut wurden. (SGQ07)
Zur Poststraße 3 liefert schon das Inventar von 1974 einen älteren Bezug: Es beschreibt ein um 1800 errichtetes Wohnhaus mit abgewalmtem Dach und gestalteter Granit-Türrahmung. Für Poststraße 1 nennt es ein Portal mit der Jahreszahl 1804. An solchen Adressen treffen der historische Einzelbefund und die heutige Betrachtung eines größeren innerstädtischen Bereichs aufeinander. (SGQ02, S. 90)
Die Stadt stellt für den Umbau der Innenstadt mehrere Varianten gegenüber: eine stärker am vorhandenen Verkehr orientierte Lösung, mehr Aufenthaltsqualität und Grün bei veränderter Parkierung sowie eine weitgehend dem Fuß- und Radverkehr vorbehaltene Variante mit Ausnahmen für notwendige Fahrten. Diese Varianten werden hier als veröffentlichte Planungsalternativen bezeichnet, nicht als vollständig umgesetzter Zustand. (SGQ06)
Die historischen Ansichten helfen, solche Debatten einzuordnen. Schon früher teilten sich Fußgänger, Fuhrwerke, Lieferverkehr und Geschäfte denselben Raum. Daraus folgt keine unmittelbare Empfehlung für eine heutige Verkehrsregelung. Es zeigt aber, dass Straßen ihre Nutzung über die Zeit verändern und dass Aufenthaltsraum, Zugang zu Geschäften, Grün und Verkehr stets miteinander verbunden waren.
| Zeit | Belegter Vorgang | Räumlicher Bezug und Quelle |
|---|---|---|
| 1774–1839 | Datierte Portale und andere ältere Bauteile dokumentieren die vorindustrielle Bebauung. | Marktplatz, Bahnhof-, Tal-, Pfarr- und Friedrich-Ebert-Straße; SGQ02 |
| 18. März 1856 | Stadtbrand; anschließend Wiederaufbau mit geänderten beziehungsweise verbreiterten Straßen. | Zentrum; SGQ01, S. 202–212 |
| 1856–1858 | Wiederaufbau beziehungsweise Neubau der evangelischen Pfarrhäuser. | Pfarrstraße 4 und 13; SGQ02, S. 86–87 |
| 1859–1863 | Neubau der evangelischen Stadtkirche. | Kirchplatz; SGQ02, S. 79–81 |
| 1860 | Neubau des ehemaligen Amtsgerichts. | Ludwigstraße 4; SGQ02, S. 86 |
| 1861–1862 | Rathausneubau; Behördeneinzug am 1. Oktober 1862. | Ludwigstraße 6; SGQ01, S. 208–212 |
| 1865 / 1894 / 1914 | Überregionaler Bahnanschluss, erster innerstädtischer Endbahnhof und später neuer Bahnhof Selb Stadt. | Unterschiedliche Standorte; SGQ09 |
| 1884 / 1891 | Katholisches Schulhaus und Pfarrhaus. | Wittelsbacherstraße 13 und 15; SGQ02, S. 87 |
| 1898 | Rückwärtige Rathauserweiterung. | Ludwigstraße; SGQ02, S. 85 |
| 1907–1908 | Luitpoldschulbau nach John H. Rosenthal. | Lorenz-Hutschenreuther-Straße; SGQ02, S. 87 |
| 1908 / 1909 | Vorbereitender Unterricht und offizielle Eröffnung der Fachschule. | Ausbildungsstadt Selb; SGQ10 |
| 1913/14 | Bau der Häusergruppe einschließlich Jugendheim. | Friedrich-Ebert-Straße 29–35; SGQ03 |
| 1920er Jahre | Ausbau des Heinrich-Wohnbereichs und größere Schul- und Wohnungsbauaufgaben. | SGQ05 |
| 1933–1945 | Enteignung des Jugendheims und Nutzung durch die NSDAP-Kreisleitung. | Friedrich-Ebert-Straße 35; SGQ03, PDF-S. 6 |
| 1958 / 1993 | Umbau und weitere Modernisierung des früheren Jugendheims. | Friedrich-Ebert-Straße 35; SGQ03, PDF-S. 6 |
| Seit 1973 | Kunst wird Bestandteil der öffentlich wahrgenommenen Fabrikfassaden. | Rosenthal/Wittelsbacherstraße; SGQ11 |
| 2012 | Denkmalfachliche Untersuchung der Häusergruppe. | Friedrich-Ebert-Straße; SGQ03 |
| 2025/2026 | Planungsunterlagen und Varianten beschreiben den weiteren Innenstadtumbau. | Schiller-/Poststraße und Innenstadt; SGQ06, SGQ07 |
Die Postkarten dokumentieren ausgewählte Blickrichtungen. Sie können Gebäude, Hauskanten, Pflaster, Bäume, Schaufenster und Verkehrsformen zeigen. Ein fehlendes Aufnahmejahr wird nicht durch eine aus dem Bild geschätzte Jahreszahl ersetzt. Auch das Jahr einer Schulgründung oder einer Bahneröffnung datiert eine spätere Karte nicht automatisch. Kolorierung und Druckretusche begrenzen zudem die Aussage über ursprüngliche Farben.
Eine konkrete Veränderung wird hier deshalb entweder mit einer datierten Bauquelle belegt oder als sichtbarer Unterschied zwischen Motiven beschrieben. Ein durch Umbau verschwundener Innenraum ist ein anderer Befund als ein abgerissenes Haus. Eine erhaltene Granitrahmung beweist nicht, dass das gesamte Gebäude seit der eingemeißelten Jahreszahl unverändert steht. Das Inventar von 1974, die Untersuchung von 2012 und die aktuellen Planungsunterlagen bleiben jeweils mit ihrem Erhebungsstand erkennbar.
Für weitere Straßenporträts sind besonders datierte Stadtpläne, Adressbücher, Baugesuche, Geschäftsanzeigen und zusätzliche Aufnahmen derselben Blickrichtung geeignet. Die historische Ascherstraße und noch nicht sicher lokalisierte Fundusbilder bleiben Anknüpfungspunkte. Neue Erkenntnisse können in diesen bestehenden Artikel und seine Quellenregister eingearbeitet werden, ohne konkurrierende Fassungen anzulegen.
Hermann Bohrer: Selber Chronik, 1930, Abschnitt zum Stadtbrand und Wiederaufbau, gedruckte S. 202–212, Fundus-PDF 15_bis_Seite_219 (Bohrer Chronik Selb).pdf, PDF-S. 4–14. Ausgewertet für Brand, Bebauungsplan, Wiederaufbau und Behördeneinzug. Einordnung der Selber Chroniken.
Michael Brix / Karl-Ludwig Lippert: Ehemaliger Landkreis Rehau und Stadt Selb, Bayerische Kunstdenkmale, Kurzinventar XXXIV, Deutscher Kunstverlag, München 1974. Gedruckte S. 79–91, im Fundus Rehau_Selb_Kunstdenkmale_111.pdf, PDF-S. 23–36; Titel und Erscheinungsjahr im Teil Rehau_Selb_Kunstdenkmale_055.pdf, PDF-S. 3–4. Herangezogen werden die adressbezogenen Bauaufnahmen, nicht sämtliche historischen Angaben der Einleitung. Die Zustandsbeschreibungen beziehen sich auf die damalige Inventarisierung.
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Christian Dümler: Bayerische Denkmalliste – Wohnhausgruppe Friedrich-Ebert-Straße 29–35, Schreiben mit Begründung vom 26. Juli 2012. Fundus Friedrich-Ebertstrasse.pdf und zweite Fassung Friedrich-Ebertstrasse-26-36.pdf, jeweils acht PDF-Seiten. Sachliche Baugeschichte auf PDF-S. 2–6, entsprechend Schreiben und gedruckten S. 2–5; Listenblatt auf PDF-S. 8. Fotografien SG07/SG08 aus PDF-S. 3 und 5. Persönliche Anschreiben und Kontaktangaben werden nicht veröffentlicht. Das Schreiben enthält bei Haus 29 unvereinbare Angaben zu Antrag und Fertigstellung; deshalb keine tagesgenaue Bauchronologie. Seine abweichende Bahn-Jahreszahl 1864 wird nicht übernommen; zur Bahneröffnung 1865 siehe SGQ09. Öffentliches Archivangebot zur Straße als ergänzender Zugang, nicht als unabhängige zweite Bauquelle.
Historische Ansichtskarten und Stadtansichten, Sammlung Stefan Strößenreuther, Fundusgruppe „Porzellanstadt Selb / selb-Bilder“. Neue Auswahl: selb0072.jpg, selb0086.jpg, selb0036.jpg, selb0090.jpg, selb0087.jpg, selb0082.jpg, selb0048.jpg. Motivtitel nach sichtbarer Beschriftung; SG01 und SG03 zusätzlich anhand der erkennbaren öffentlichen Bauten zugeordnet. Aufnahme- und Ausgabejahre im ausgewerteten Bestand nicht gesichert. Verlag Franz Dietrich auf SG04 genannt.
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Denkmalliste Selb, Stand 6. März 2026, insbesondere S. 1, 4, 6 und 8. Für die aktuelle Listenführung der Häusergruppe und die Wohnquartiere. Amtliche Denkmalliste als PDF. Abruf 17. Oktober 2026.
Stadt Selb: Stadtumbau, veröffentlichte Varianten für die Umgestaltung der Innenstadt. Als Planungsalternativen ausgewertet. Stadtumbau. Abruf 17. Oktober 2026.
Stadt Selb: Begründung zur Änderung des Bebauungsplans Nr. 170, Bereich Schillerstraße/Poststraße, Fassung 10. Dezember 2025, insbesondere Abschnitt zu Bestand und Umgebung. Planbegründung als PDF. Ergänzend Städtische Planungsübersicht. Die Begründung ist kein Nachweis abgeschlossener Bauarbeiten. Abruf 17. Oktober 2026.
Fichtelgebirgsverein Selb: Erinnerungen – Die etwas andere Chronik, 2000, insbesondere S. 15–19 zur Entwicklung nach 1856; Fundus Selb_FGV_Chronik_051.pdf. Ergänzende Gegenüberlieferung zur Stadtentwicklung, bereits im Stadtgeschichtsartikel erschlossen. Zahlen und Erzählperspektiven unterschiedlicher Chroniken werden nicht unbesehen vereinheitlicht.
Eisenbahn- und Industriequellen des Download-Fundus, erschlossen im Artikel Lokschuppen und Eisenbahn in Selb, insbesondere LSQ01–LSQ05 sowie LSQ08. Grundlage für die getrennten Standorte Selb-Plößberg, Selb Untere Stadt und Selb Stadt sowie Ausbau und Rückbau der Industrieanschlüsse.
Unterlagen zur Selber Fachschule und Fritz Klee, im Fritz-Klee-Artikel mit KLQ01, KLQ02, KLQ04 und KLQ13 einzeln erschlossen. Hier verwendet für vorbereitenden Unterricht 1908, formale Eröffnung 1909 und die Verbindung von Schule, Entwurf und Industrie. Die Postkarte SG06 ist eine zusätzliche Ansicht; sie datiert nicht automatisch die Bau- oder Schulgründung.
Archiv- und Projektquellen zur Regenbogenstadt, erschlossen im Artikel Regenbogenstadt und Dritte Haut. Dort stehen die Nachweise zu Regenbogenfest 1973, Piene, Hundertwasser und Morandini sowie zur Aufnahme RB01. Die unterschiedlichen Projekte werden nicht auf ein gemeinsames Entstehungsjahr verkürzt.
Bereits erschlossene Orts- und Unternehmensquellen des Wikis: Hutschenreuther, Paul Müller, Rosenthal, Philip Rosenthal und Schloss Erkersreuth, Porzellanikon sowie Erkersreuther Kirchweih. Die jeweiligen Quellen- und Bildnachweise bleiben für ergänzende Standortgeschichten maßgeblich. Diese Querverweise sind als redaktionelle Zusammenführung ausgewiesen, nicht als neue unabhängige Primärquellen.
SG01–SG06 und SG09: Historische Ansichtskarten beziehungsweise Stadtansichten aus der Sammlung Stefan Strößenreuther, SGQ04. Vollständige Bildflächen einschließlich vorhandener Kartenlegenden, verlustfrei in WebP umgewandelt. Keine künstliche Schwarzweißumwandlung; historisch kolorierte oder getönte Fassungen bleiben erhalten. Fotografen beziehungsweise ursprüngliche Urheber sind im ausgewerteten Einzelbestand nicht verlässlich ausgewiesen; auf SG04 Verlag Franz Dietrich, Selb. Die Sammlungseigenschaft ersetzt keinen gesonderten Nachweis etwaiger Rechte Dritter.
| Kennung | Motiv | Fundusdatei |
|---|---|---|
| SG01 | Ludwigstraße mit Rathaus und Amtsgericht | selb0072.jpg |
| SG02 | Obere Ludwigstraße | selb0086.jpg |
| SG03 | Marktplatz mit Geschäftsfassaden | selb0036.jpg |
| SG04 | Bahnhofstraße und königliches Rentamt | selb0090.jpg |
| SG05 | Wittelsbacher Straße mit Rentamt | selb0087.jpg |
| SG06 | Staatliche Fachschule für Porzellanindustrie | selb0082.jpg |
| SG07 | Friedrich-Ebert-Straße 29–35 | SGQ03, PDF-S. 3, gedruckte S. 2 |
| SG08 | Jugendheim, Friedrich-Ebert-Straße 35 | SGQ03, PDF-S. 5, gedruckte S. 4 |
| SG09 | Historische Ascherstraße | selb0048.jpg |
SG07: Fotografie aus der Denkmalbegründung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, 2012. Fotograf im ausgewerteten Blatt nicht gesondert genannt. SG08: Historische Fotografie aus derselben Quelle, dort ausdrücklich „© by Stefan Strössenreuther“. Beide Fotos wurden einzeln aus der gescannten Seite extrahiert; umliegender Brieftext und Kontaktangaben sind nicht Bestandteil der Bilddateien. Keine Rekonstruktion fehlender Bildteile und keine zusätzliche Datierung.
Wiederverwendete Bilder: PR04 aus Philip Rosenthal und Schloss Erkersreuth, SE03 aus der Selber Stadtgeschichte, RB01 aus Regenbogenstadt und Dritte Haut, H01 aus Dorschner LHS, LS03 aus Lokschuppen und Eisenbahn. Kennungen und ursprüngliche Nachweise bleiben erhalten. Der gemeinsame Bild- und Nutzungshinweis gilt ergänzend; abweichende Rechte Dritter bleiben unberührt.
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Das Kirchen- und Friedhofsensemble im ausführlichen Porträt verbindet die Bauinschrift von 1607 mit Gewölbe, Emporen, Kanzelaltar und Grabdenkmälern. Das Kunstdenkmalinventar erschließt außerdem die alte Mauer und die Felsenkeller unterhalb der Kirche. Archivbilder und Quellen dokumentieren die Veränderungen über mehrere Jahrhunderte.
Selbs Mühlen – Arbeit und Leben am Wasser ergänzt die Straßen- und Gebäudeansichten um sieben alte Gewerbeplätze. Besonders anschaulich sind die Bauphasen der Grafenmühle und der Wandel der Ludwigsmühle zur Porzellanfabrik. Auch Hammergut, Papiermühle, Sommermühle und die beiden Steinmühlen erhalten eigene Porträts.