Das Selber Heimat- und Wiesenfest verbindet Schulgeschichte, Musik, Kinderspiele und das Wiedersehen auf dem Goldberg. Sein Ursprung liegt in einem Lehr- und Obstgarten, dessen Einweihung am 10. Mai 1807 gefeiert wurde. Aus dieser schulischen und kirchlichen Feier entwickelte sich über viele Veränderungen das große Stadtfest am zweiten Juli-Wochenende. Bis heute stehen die Schulkinder und ihre Festzüge im Mittelpunkt. (WFQ01, WFQ07)
Zur Geschichte gehören Unterbrechungen, wirtschaftliche Schwierigkeiten und veränderte Festformen. Der Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg 1949, die Weitergabe von Bräuchen und die Aufnahme der regionalen Wiesenfeste in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes 2026 sind wichtige Stationen. Der Artikel verbindet Chroniken und Fotografien aus dem Download-Fundus mit offiziellen Festunterlagen und Berichten der Beteiligten. Recherchestand: 16. Oktober 2026. (WFQ03, WFQ14)

WF01 · Selber Wiesenfestzug um 1910. Musikanten, Festteilnehmer und Zuschauer vor geschmückten Häusern. Datierung nach der FGV-Chronik, S. 126. Bildnachweise.
Am Anfang stand ein pädagogisches Vorhaben. Der Selber Diakon Friedrich Wilhelm Hagen wollte Kindern und Erwachsenen Kenntnisse über Natur, Pflanzenwachstum und Obstbaumzucht vermitteln. Der städtische Rundgang Roter Faden datiert die Anlage des Lehr-Obstgartens auf 1806 und verortet ihn im Bereich der heutigen Friedrich-Ebert-Straße. Selb gehörte damals noch nicht zu Bayern; der Übergang erfolgte erst 1810. (WFQ07)
Hermann Bohrer stellt das Vorhaben in den Zusammenhang der Schulverbesserungen unter der preußischen Verwaltung. Er beschreibt die Hinwendung zur unmittelbaren Anschauung der Natur und verbindet sie mit der Aufnahme pädagogischer Anregungen Pestalozzis. Im Garten sollten Kinder das Wachstum und die Entwicklung von Pflanzen beobachten. Lernen bestand damit nicht allein im Lesen und Auswendiglernen, sondern auch im Sehen und im Umgang mit der natürlichen Umgebung. (WFQ01, S. 193–194)
Bohrer hebt Hagens Förderung der Obstbaumzucht hervor. Nach seiner Darstellung gab es zuvor nur vereinzelte Obstbäume; durch die Bemühungen Hagens verbreitete sich der Anbau in den Gärten. Die Tätigkeit sollte über den Unterricht hinaus den Haushalten und der Stadt zugutekommen. Damit erklärt sich, weshalb die Einweihung des Gartens öffentliche Bedeutung gewinnen konnte: Sie zeigte eine als nützlich verstandene Verbesserung des örtlichen Lebens. (WFQ01, S. 194)
Der Rote Faden nennt für die Einweihung einen musikalisch begleiteten Zug mit mehr als 1.000 Menschen, darunter rund 200 Schulkinder. Bohrer beschreibt die Form der Feier: vormittags eine Predigt über Obstbaumzucht, nachmittags ein feierlicher Zug zum Schulgarten und dort ein Kinderfest. In diesem Fest sieht er den Anfang des späteren Wiesenfestes. (WFQ07; WFQ01, S. 194)
Die Verbindung aus Schule, Kirche, öffentlichem Zug und gemeinsamer Feier bildet den historischen Kern. Ein Kinderfest war zugleich ein Ereignis für die Erwachsenen, die den Unterricht ermöglichten, die Kinder begleiteten oder selbst von den neuen Kenntnissen profitieren sollten. Der heutige Festbetrieb entstand erst in weiteren Entwicklungsschritten. Die Feier von 1807 war noch kein Volksfest mit dem gegenwärtigen Programm.
Bei den Einzelheiten unterscheiden sich spätere Darstellungen. Die FGV-Chronik nennt für die Obstbaumzuchtanlage bereits 1805, während die städtische Darstellung 1806 ansetzt. Auch Garten, Gartenschule und späterer Festplatz werden in den Rückblicken nicht immer räumlich genau getrennt. Als gemeinsamer Bezugspunkt bleibt die Einweihung am 10. Mai 1807. Der historische Lehrgarten und der heutige Goldberg-Festplatz sollten deshalb nicht ohne Weiteres als unveränderter Standort behandelt werden. (WFQ04, S. 127–128; WFQ07)
Nach der FGV-Chronik ist der Name „Wiesenfest“ seit etwa 1830 gebräuchlich. Bohrer erwähnt für das spätere 19. und frühe 20. Jahrhundert Feiern in losen Abständen von zwei bis fünf Jahren. Die heutige jährliche Wiederkehr lässt sich daher nicht auf alle früheren Jahrzehnte übertragen. (WFQ04, S. 128; WFQ02, S. 225)
Das Fest musste jeweils organisiert und finanziert werden. Schulen, Geistliche, Stadt und weitere Beteiligte handelten seinen Ablauf unter den Bedingungen ihrer Zeit aus. Bohrer behandelt das Wiesenfest sowohl unter den öffentlichen Feiern als auch in seiner Schulgeschichte. Dort beschreibt er, wie sich das frühere Obstbaumfest zum aufwendig gefeierten und über Selb hinaus bekannten Schulfest entwickelt habe. (WFQ02, S. 225 und 246–247)
Die Zeittafel des Sondermagazins Selber Wiesenfest 2025 erschließt weitere Stationen, darunter die Erweiterung des Festbetriebs und neue Angebote für die Schulkinder. Ausgewählte Daten stehen in der Zeitleiste. (WFQ08)
Der große Selber Brand vom 18. März 1856 veränderte die Voraussetzungen des städtischen Lebens. Wohnhäuser, Arbeitsmittel und öffentliche Gebäude gingen verloren; Wiederaufbau und Versorgung der Betroffenen hatten Vorrang. Die Festzeittafel beschreibt für die folgenden Jahre Ausfälle und Schwierigkeiten der Wiederbelebung. Die Erinnerung an den Brand und die Entwicklung des Wiesenfestes gehören deshalb zusammen. (WFQ08; Stadtgeschichte Selbs)
Die Industrialisierung brachte später neue Arbeitsplätze, Zuwanderung und ein verändertes Vereins- und Schulwesen. Das Wiesenfest wurde zu einem gemeinsamen Termin einer wachsenden Stadtgesellschaft. Seine ältere Verbindung zum Obstbau blieb als Herkunftserzählung erhalten, während Kleidung, Musik, Festplatzbetrieb und Freizeitangebote neue Formen annahmen. Den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmen behandelt der Artikel zur Stadt Selb.
Der Goldberg gibt dem Fest einen unverwechselbaren Ort. Bäume, Wege und Grünflächen bilden einen anderen Rahmen als ein ausschließlich asphaltierter Veranstaltungsplatz. Die archivierte Goldberg-Galerie von porzellan-selb.de zeigt die Anlage auch außerhalb des Festbetriebs. Diese Bilder machen sichtbar, dass der Goldberg zugleich ein Raum für Spaziergänge und Erholung ist. (WFQ05)

WF05 · Goldberg außerhalb der Festtage. Grünanlage aus der archivierten Galerie „Goldberg Selb“, aufgenommen auf Nikon F6 und Kodak Ektar 100 laut Galerieangabe. Bildnachweise.
Schon Bohrer erwähnt die politische Benennung des Goldbergs als „Luitpoldhöhe“ und deren späteres Ende nach dem Umbruch von 1918. Der Ort war somit auch Träger öffentlicher Erinnerungszeichen und wechselnder politischer Deutungen. Das Wiesenfest ist Teil dieser Stadtgeschichte, obwohl seine vertraute Atmosphäre vor allem mit Musik, Begegnung und Kindheitserinnerungen verbunden wird. (WFQ02, S. 223–224)
Für das Fest verwandelt sich die Anlage in einen Raum mit unterschiedlichen Aufgaben: Schulvorführungen und Spiele benötigen Flächen, Musik und Bewirtung bringen Besucher zusammen, und die Wege verbinden die einzelnen Bereiche. Der Charakter des Parks bleibt dabei ein wichtiger Teil des Erlebnisses. Er erklärt mit, warum in den Rückblicken neben dem eigentlichen Programm immer wieder die Atmosphäre des Goldbergs hervorgehoben wird. (WFQ04, S. 128; WFQ12)
Auf WF01 wird der öffentliche Zug durch seine Umgebung verständlich. Zuschauer stehen am Straßenrand, Häuser sind geschmückt, die Musikkapelle bildet einen deutlich erkennbaren Teil des Geschehens. Der Festzug beansprucht die Straße als gemeinsamen Raum. Personen im Vordergrund, geöffnete Fenster und die eng stehenden Häuser geben dem Bild zugleich den Charakter einer Alltagsszene, die durch den Festtag verändert wird. (WFQ04, S. 126)
Die Bildlegende datiert nur ungefähr. Weder das genaue Aufnahmejahr noch alle abgebildeten Personen sind damit bestimmt. Die Aufnahme ist besonders wertvoll, weil sie die Verbindung von Fest und Innenstadt zeigt: Das Wiesenfest spielte sich nicht allein auf dem Goldberg ab, sondern bezog die Wege dorthin und die zuschauende Stadtbevölkerung ein.

WF02 · Wiesenfestzug 1928. Musikanten und Festteilnehmer im geschmückten Straßenraum. Datierung nach der FGV-Chronik, S. 127. Bildnachweise.
Im Vergleich mit der Aufnahme um 1910 fällt die ähnliche Verbindung von Zug, Musik und Zuschauern auf. Die Bilder belegen eine wiedererkennbare Festform über politische Umbrüche hinweg. Sie belegen für sich genommen weder identische Zugordnungen noch unveränderte Kleidungsvorschriften. Gerade der Vergleich datierter Aufnahmen hilft, Beständigkeit und Wandel voneinander zu unterscheiden.
Bohrer vermerkt, dass das Wiesenfest am 12. und 13. Juli 1914 noch gefeiert wurde. Er stellt diese Tage an den Anfang seiner Schilderung des Ersten Weltkriegs. Aus dem späteren Wissen um den Kriegsausbruch erscheint die Feier bei ihm als letzter Moment des gewohnten städtischen Lebens. (WFQ02, S. 262)
Die Festgeschichte verlief danach nicht lückenlos. Der Überblick von 2025 nennt 1921 als Wiederbeginn nach den Ausfällen des Ersten Weltkriegs. Für die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg erlauben die hier ausgewerteten Bild- und Textstellen keine vollständige Folge aller Festprogramme. Eine solche Jahreschronik würde zusätzliche Programme, Verwaltungsakten und Zeitungen benötigen. (WFQ08)
Die FGV-Chronik hält ausdrücklich fest, dass 1949 das erste Selber Wiesenfest nach dem Zweiten Weltkrieg stattfand. Der Hinweis steht im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme des örtlichen Vereinslebens, neuen Kontakten und gemeinsamen Veranstaltungen. Er macht den Neuanfang zu einem Teil des gesellschaftlichen Wiederaufbaus. (WFQ03, S. 41–42)

WF03 · Schulkinder beim Wiesenfest 1949. Historische Aufnahme aus der FGV-Chronik, S. 42. Bildnachweise.
Das Foto stellt die Kinder in den Vordergrund. Festliche Kleidung, Blumenschmuck und die geschmückte Umgebung zeigen den Aufwand, mit dem wieder öffentlich gefeiert wurde. Im Hintergrund ist die zuschauende Bevölkerung zu erkennen. Die Aufnahme vermittelt die Bedeutung der gemeinsamen Handlung, ohne dass aus ihr die wirtschaftlichen Verhältnisse einzelner Familien abgelesen werden könnten.
Zur Nachkriegsstadt gehörten auch Flüchtlinge und Heimatvertriebene. Das Fest bot einen wiederkehrenden öffentlichen Treffpunkt für eine veränderte Bevölkerung. Welche Erfahrungen einzelne Zugezogene damit verbanden, müsste durch persönliche Berichte ergänzt werden. Die allgemeine Entwicklung von Bevölkerung und Wohnungsbau wird im Selb-Artikel zur Nachkriegszeit behandelt.

WF04 · Stadtvertreter beim Wiesenfest 1951. Laut FGV-Bildlegende Oberbürgermeister Dr. Franz Bogner, zweiter Bürgermeister Adolf Möckel und Stadtpfarrer Ruprecht Fochtner. FGV-Chronik, S. 128. Bildnachweise.
Die Aufnahme zeigt das Zusammenspiel von Kindern und Jugendlichen, kommunaler Repräsentation und Kirche. Die Fahnenträger und ihre Begleitung geben dem Zug ein festliches Erscheinungsbild. Solche Fotografien sind zugleich stadtgeschichtliche Quellen: Sie bewahren Kleidung, Schmuck, Fassaden, Rollen und öffentliche Auftritte, die in einer bloßen Terminliste unsichtbar blieben.
Die Beteiligung der Schulen reicht über das Mitlaufen hinaus. Kleidung und mitgeführte Gegenstände werden in den Klassen abgestimmt; Familien und Lehrkräfte bereiten den Auftritt vor. Die städtische Information für die ersten und zweiten Klassen beschreibt für die Jungen blau-weiß gestreifte Hahnenstangen, geschmückt mit Blumen, Eichenlaub und Bändern. Als mögliche Farbbezüge nennt sie Deutschland, Bayern und Selb. Für die Mädchen gelten die Vereinbarungen der jeweiligen Klasse. (WFQ10)
Das Merkblatt beschreibt drei Zusammenkünfte: am Sonntag, am Montagnachmittag und am Montagabend. Es nennt außerdem den Verleih der Stangen und die Vermittlung gebrauchter Accessoires für Fahnenträgerkinder. So wird die Weitergabe von Wissen und Gegenständen im Alltag der Festvorbereitung sichtbar. Die im jeweiligen Jahr gültigen Einzelheiten erhalten die Familien über ihre Schulen. (WFQ10)
Die Spiele auf dem Goldberg führen den Gedanken des Kinderfestes fort. Der Programmplan 2026 nennt Reigen, „Spiel ohne Grenzen“, Fußball, Hahnenschlagen, Kegeln und Armbrustschießen. Die Zuordnung zu Schularten und Klassen zeigt, wie eng die Vorführungen mit der Schule verbunden bleiben. (WFQ09)
Musik begleitet das Fest durch den ganzen Tag. Der Selber Spielmanns- und Fanfarenzug beschreibt in seinem Rückblick auf 2026 die Beteiligung an Weckruf, Frühschoppen, Festzügen und Einzug am Montagabend. Der Bericht macht auch die vorbereitende Probenarbeit deutlich. Die sichtbaren Auftritte beruhen auf regelmäßiger gemeinsamer Arbeit im Verein. (WFQ13)
Zum musikalischen Bild gehören unterschiedliche Formen: Marschmusik auf den Straßen, Standkonzerte, Gesang und Unterhaltung auf dem Festplatz. Der Wechsel zwischen gemeinsamem Zug und geselligem Aufenthalt gehört zum Rhythmus des Festes. Im Heimatabend tritt diese Verbindung besonders deutlich hervor; die Egertaler Blaskapelle ist dafür im Programm 2026 verzeichnet. (WFQ09)
Das Wiesenfest ist auch ein Anlass, frühere Mitschüler, Nachbarn und Freunde wiederzutreffen. Die städtische Sommerrückschau 2026 hebt gerade dieses Wiedersehen hervor. Wer anderswo lebt, kann den Festtermin als Verbindung zur Heimatstadt nutzen. Das Fest schafft damit einen gemeinsamen Bezug, der über den derzeitigen Wohnort hinausreicht. (WFQ15)
Eine andere Seite bewahrt die FGV-Chronik mit Elsa Schmidts mundartlicher Erzählung „Da vaschlonga Englända“. Die Geschichte lässt einen Selber und einen englischen Gast im Bierzelt aneinander vorbeireden. Sie ist eine humoristische Erzählung, kein Protokoll eines nachgewiesenen Gesprächs. Als literarisches Zeugnis zeigt sie, wie Mundart, Gastfreundschaft und Selbstironie zur Erinnerungskultur des Festes gehören. (WFQ04, S. 126–127)
Der Einzug der Schulkinder vom Goldberg in die Innenstadt bildet einen gemeinsamen Abschluss. Die Stadt beschreibt für 2025 die Rückkehr zum Marktplatz, gemeinsames Singen und das Steigenlassen von Luftballons. Zugleich bat sie darum, den Schulkindern genügend Platz zu lassen. So wird der Marktplatz noch einmal zum öffentlichen Mittelpunkt des Kinderfestes. (WFQ11)
Zum tradierten Abschluss gehören nach der Darstellung der Genussregion Oberfranken auch der gemeinsame Kinderruf und die Verabschiedung bis zum nächsten Jahr. Die bekannte mundartliche Formel wird in unterschiedlichen Schreibweisen überliefert. Sie verbindet die Erinnerung an das gerade erlebte Fest mit der Vorfreude auf seine Wiederkehr. (WFQ12)
Dabei endet der schulisch geprägte Teil früher als der gesamte Festbetrieb. Der Programmflyer 2026 unterscheidet ausdrücklich den Einzug um 18 Uhr vom weiteren Festzeltbetrieb. Diese verschiedenen Rhythmen erklären, weshalb sich die Erinnerung der Kinder, der Musikanten und der erwachsenen Festbesucher auf unterschiedliche Höhepunkte richten kann. (WFQ09)
Das Wiesenfest nahm immer wieder neue Elemente auf. Die historische Zeittafel nennt die „Hutschenreuther-Abende“ von 1965 bis 1984 als Vorgeschichte des zusätzlichen Freitagabends. Damit ist auch eine Verbindung zwischen Festkultur und der örtlichen Porzellanindustrie dokumentiert. (WFQ08)
Die Geschichte des Festes lässt sich dennoch nicht auf ein Unternehmen reduzieren. Schulen, Stadtverwaltung, Musikvereine, Festwirte, Schausteller, helfende Familien und Besucher tragen unterschiedliche Aufgaben. Ältere Formen bleiben wiedererkennbar, während Musikangebote, Organisation und Ausstattung verändert werden.
Der Spielmanns- und Fanfarenzug berichtet am 14. Juli 2022, dass das Selber Fest 2020 und 2021 nicht stattfinden konnte. Die Rückkehr 2022 wird aus der Sicht der Mitwirkenden als besonders erfreuliches Heimspiel beschrieben. Diese Unterbrechung gehört ebenso zur Festgeschichte wie frühere Ausfälle durch Krieg oder wirtschaftliche Not. (WFQ13)
Der Vergleich über die Jahrhunderte zeigt, dass Tradition von der Möglichkeit gemeinsamer Teilnahme abhängt. Ein wiederkehrender Termin allein genügt nicht: Menschen müssen proben, organisieren, begleiten und den öffentlichen Raum miteinander nutzen können. Gerade Unterbrechungen machen diese Voraussetzungen sichtbar.
Die Stadt erläuterte 2025 zusätzliche Zufahrtssperren und die Absicherung der Umzugswege. Solche organisatorischen Veränderungen gehören zur jüngeren Festgeschichte. Sie zeigen, dass die Bewahrung vertrauter Abläufe mit neuen Anforderungen an den öffentlichen Raum verbunden ist. Die damaligen Verkehrszeiten werden hier nicht als gegenwärtige Besucheranleitung wiederholt. (WFQ11)

WF06 · Parkanlage auf dem Goldberg. Ansicht aus der archivierten Goldberg-Galerie. Bildnachweise.
Das Jahr 2026 verband das Wiesenfest mit 600 Jahren Selber Stadtrecht seit 1426. Der städtische Jahreskalender kündigte an, dass die Schulen im Festzug Themen der Stadtgeschichte darstellen sollten. Die historischen Wiesenfestfilme waren außerdem Teil des städtischen Filmprogramms. So wurde die Geschichte des Festes selbst zum Gegenstand öffentlicher Erinnerung. (WFQ16)
Der Festflyer nennt 11.–13. Juli 2026 auf dem Titel und führt zusätzlich Musik für Freitag, 10. Juli, auf. Damit erklären sich die unterschiedlichen drei- beziehungsweise viertägigen Datumsangaben. Der städtische Rückblick vom September bestätigt die Feier im Juli; auch der beteiligte Spielmannszug berichtet über seine Auftritte. (WFQ09, WFQ13, WFQ15)
Am 24. März 2026 veröffentlichte das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat die Neuaufnahmen ins Landesverzeichnis. Unter „Wiesenfeste“ beschreibt es 31 Feste in Nordostoberfranken und im benachbarten Thüringen. Kennzeichnend sind die starke Beteiligung der Schulen, musikalisch begleitete Züge, Vorführungen und Spiele. (WFQ14, S. 7)
Die Anerkennung gilt einer regionalen Festtradition mit örtlichen Ausprägungen. Der städtische Sommerrückblick ordnet das Selber Heimat- und Wiesenfest ausdrücklich diesem Kulturerbe zu. Es handelt sich um das Bayerische Landesverzeichnis; eine eigenständige UNESCO-Welterbe-Auszeichnung des Selber Festes wird damit nicht behauptet. (WFQ14, WFQ15)
Für Selb lenkt die Anerkennung den Blick auf das, was weitergegeben wird: das gemeinsame Vorbereiten, die Beteiligung der Kinder, Musik, Bewegungsabläufe, Schmuck und die Vertrautheit mit den Festorten. Diese Fähigkeiten müssen jeweils neu erlernt und ausgeübt werden. Die Tradition besteht deshalb nicht nur aus alten Fotografien, sondern auch aus der Arbeit der heute Beteiligten.
Im Fundus liegt auch eine Fotografie mit der Dateibezeichnung „wiesenfest-erkersreuth-1958“. Sie zeigt einen Zug mit Uniformierten, Fahnen und weiteren Teilnehmern. Diese Zuordnung ist wichtig: Die Aufnahme darf nicht ohne zusätzlichen Nachweis als Selber Festzug zum Goldberg ausgegeben werden. Sie erweitert den Blick auf die Festkultur im Ortsteil und in der Umgebung. (WFQ06)

WF07 · Festgesellschaft in Erkersreuth. Ergänzendes regionales Motiv; Jahresangabe 1958 nach dem Dateinamen. Bildnachweise.
Die Erkersreuther Kirchweih wird in einem eigenen Artikel behandelt. Ebenso besitzen Porzellanflohmarkt und Wochen des Weißen Goldes ihre eigene Entstehungsgeschichte. Diese Veranstaltungen gehören zum selben städtischen Festkalender, sind aber nicht mit dem Heimat- und Wiesenfest gleichzusetzen.
| Zeit | Station | Nachweis |
|---|---|---|
| 1806 | Anlage des Lehr-Obstgartens nach städtischer Darstellung; FGV nennt abweichend 1805 | WFQ07, WFQ04 |
| 10. Mai 1807 | Feierliche Garteneinweihung mit Zug und Schulkindern | WFQ01, WFQ07 |
| etwa 1830 | Bezeichnung als Wiesenfest nach FGV | WFQ04 |
| 1856 und Folgejahre | Stadtbrand und Unterbrechungen der Festentwicklung | WFQ08, Stadtgeschichte |
| 1865 | Eintägiges Fest im Garten des Webermeisters Zapf laut Festzeittafel | WFQ08 |
| 1886 / 1887 | Zweitägige Feier / Zulassung von Schaustellern laut Festzeittafel | WFQ08 |
| 1909 / 1912 | Elektrische Beleuchtung / Schülerkegeln laut Festzeittafel | WFQ08 |
| um 1910 | Historischer Festzug, Bild WF01 | WFQ04 |
| 12.–13. Juli 1914 | Wiesenfest unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg | WFQ02, S. 262 |
| 1921 | Wiederbeginn nach dem Ersten Weltkrieg laut Festzeittafel | WFQ08 |
| 1928 | Festzugsaufnahme WF02 | WFQ04 |
| 1949 | Erstes Wiesenfest nach dem Zweiten Weltkrieg, Bild WF03 | WFQ03 |
| 1951 | Festzug mit Oberbürgermeister Franz Bogner, Bild WF04 | WFQ04 |
| 1965–1984 | Hutschenreuther-Abende am Freitag laut Festzeittafel | WFQ08 |
| 2020–2021 | Ausfall des Festes | WFQ13 |
| 2022 | Rückkehr, dokumentiert vom Spielmanns- und Fanfarenzug | WFQ13 |
| 24. März 2026 | Veröffentlichung der Aufnahme der Wiesenfeste ins Bayerische Landesverzeichnis | WFQ14 |
| 10.–13. Juli 2026 | Musikauftakt am Freitag, Kernprogramm Samstag bis Montag | WFQ09 |
| September 2026 | Rückblicke von Stadt und beteiligtem Musikverein bestätigen das Fest | WFQ13, WFQ15 |
Gedruckte Seiten und PDF-Seiten sind getrennt angegeben. Die Chroniken sind spätere Darstellungen, keine vollständige Serie zeitgenössischer Festprogramme. Bildjahre folgen den überlieferten Legenden; die Fotografen sind bei den historischen Reproduktionen nicht genannt. Onlinequellen wurden am 16. Oktober 2026 geprüft.
Hermann Bohrer: Selb – eine Kirchen- und Heimatkunde, Fundus „Selb Chronik Bohrer1930“, Datei 14_bis_Seite_198 (Bohrer Chronik Selb).pdf, gedruckte S. 193–194, PDF-S. 14–15. Schulreform, Naturanschauung, Obstbaumzucht, Predigt, Zug und Kinderfest. Die wertende Behauptung eines ersten Schulgartens für ein ganzes Land wird nicht als unabhängig gesicherter Rang übernommen. Bohrer im bestehenden Quellenverzeichnis.
Bohrer, weitere Fundstellen: 16_bis_Seite_239 (Bohrer Chronik Selb).pdf, S. 223–225, PDF-S. 4–6, zu Goldberg und öffentlicher Festkultur; 17_bis_Seite_259 (Bohrer Chronik Selb).pdf, S. 246–247, PDF-S. 9–10, zur Entwicklung des Schulfestes; 18_bis_Seite_279 (Bohrer Chronik Selb).pdf, S. 262, PDF-S. 3, zum Fest am 12./13. Juli 1914. Bohrers politische und gesellschaftliche Wertungen werden als zeitgebundene Sicht gelesen.
FGV-Ortsgruppe Selb: Erinnerungen – Die etwas andere Chronik, 2000, Datei Selb_FGV_Chronik_051.pdf, gedruckte S. 41–42, PDF-S. 42–43. Erstes Nachkriegswiesenfest 1949 und zugehörige Fotografie. Das zweite Bild auf S. 42 zeigt einen Vereinsheimatabend 1950 und wird davon unterschieden. FGV-Quelle L13.
FGV-Ortsgruppe Selb, gleicher Band, Datei Selb_FGV_Chronik_148.pdf, gedruckte S. 126–128, PDF-S. 27–29. Fotografien um 1910, 1928 und 1951, Elsa Schmidts Mundarterzählung und kurzer Festgeschichtsüberblick. Anlagejahr 1805 abweichend vom städtischen Rundgang. Die Fotojahre sind überlieferte Beschriftungen, keine neu ermittelten Datierungen.
Archivierte Webseite von Stefan Strößenreuther: „Goldberg Selb“, in der lokalen Sicherung „Webseite Juli 2020“, HTML-Seite project/goldberg/index.html. Bildserie unter wp-content/uploads/uploads/2018/08/, darunter 22_0209.jpg und 23_0210.jpg. Die Seite beschreibt analoge Fotografie mit Nikon F6 und Ektar 100. Uploadordner und Sicherungsdatum sind keine Aufnahmejahre. Weitere Motive der Galerie zeigen Umland; sie werden nicht pauschal dem Festplatz zugeordnet.
Sammlung Stefan Strößenreuther, Erkersreuth-Fotos, Datei wiesenfest-erkersreuth-1958.jpg. Orts- und Jahreszuordnung nach Dateiname. Im Download-Fundus in mehreren Ablagen vorhanden; hier einmal verwendet. Keine Gleichsetzung mit dem Selber Goldberg-Fest oder einer bestimmten Erkersreuther Kirchweih ohne zusätzlichen Nachweis.
Stadt Selb: Roter Faden – Rundgang durch die Stadt, Station 22 „Ehemalige Gartenschule“. Lehrgarten 1806, Einweihung 10. Mai 1807, Beteiligung der Schulen und heutiger Festtermin. Ergänzend die englische Ausgabe. Keine Behauptung einer seit 1807 lückenlosen jährlichen Durchführung.
selb-live.de: Selber Wiesenfest 2025, Sondermagazin, veröffentlicht 1. Juli 2025; online erschlossene historische Zeittafel. Für ausgewählte Entwicklungsschritte verwendet; kein Ersatz für die vollständige Festchronik oder die darin genannte weiterführende Literatur.
Stadt Selb: Programm Selber Wiesenfest 2026, zwei PDF-Seiten. Titelzeitraum 11.–13. Juli mit zusätzlichem Musikprogramm am 10. Juli; Schulvorführungen, Heimatabend und Einzug. Programm als Ablaufquelle, Durchführung durch spätere Rückblicke ergänzt.
Stadt Selb: Selber Wiesenfest – Infos für die 1. und 2. Klassen, ein PDF-Blatt. Kleidung, Hahnenstangen, Blumen, Treffen und Weitergabe gebrauchter Accessoires. Die undatierte Grundinformation ersetzt keine aktuelle Mitteilung der Schule.
Stadt Selb: Selbstportrait, Juli 2025, S. 3. Kinderfest, Rückkehr zum Marktplatz, Luftballons und damalige Sicherheitsvorkehrungen. Jahresbezogene Organisationsangaben werden nicht als dauerhafte Besucheranweisung dargestellt.
Genussregion Oberfranken e. V.: Selb – zum traditionellen Wiesenfest am Goldberg. Beschreibung des Festorts, der Begegnungen und des traditionellen Abschlusses. Undatierte touristische Darstellung; nicht jede dort genannte Einzelveranstaltung wird als für 2026 bestätigt übernommen.
Spielmanns- und Fanfarenzug Selb: Berichte und Bilder, besonders „Das Selber Heimat- und Wiesenfest“, Update 14. Juli 2022, sowie „Viel Sonnenschein in der Spielzeit“, 12. September 2026. Berichte eines beteiligten Vereins über Ausfälle, Wiederbeginn und eigene musikalische Aufgaben. Auf derselben Seite stehen weitere Beiträge mit teilweise uneinheitlicher Datierung; diese werden nicht für zusätzliche Chronologieangaben genutzt.
Bayerisches Staatsministerium der Finanzen und für Heimat: Neuaufnahmen in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes, Anlage zur Pressemitteilung vom 24. März 2026, S. 7: „Wiesenfeste“. Amtlicher Nachweis der regionalen Aufnahme, 31 Feste und Beschreibung ihrer gemeinsamen Merkmale.
Stadt Selb: Selb feiert einen besonderen Veranstaltungssommer, 3. September 2026. Rückblick auf das Wiesenfest im Juli, Wiedersehen und erstmalige Feier als anerkanntes immaterielles Kulturerbe Bayerns. Kein unabhängig geprüfter Besucherzahlennachweis.
Stadt Selb: Veranstaltungskalender 2026, Juli-Programm auf S. 24–25, sowie Jubiläumsseite 600 Jahre Stadtrecht, Filmreihe. Stadtgeschichtliche Themen der Schulen und angekündigte historische Wiesenfestfilme. Das Stadtrechtsjubiläum ist vom Alter des Festes zu unterscheiden.
| Kennung | Motiv und Datierung | Herkunft |
|---|---|---|
| WF01 | Selber Wiesenfestzug um 1910 | FGV-Chronik, Datei 148, S. 126 / PDF-S. 27; Fotograf nicht genannt |
| WF02 | Wiesenfestzug 1928 | FGV-Chronik, Datei 148, S. 127 / PDF-S. 28; Fotograf nicht genannt |
| WF03 | Schulkinder beim Wiesenfest 1949 | FGV-Chronik, Datei 051, S. 42 / PDF-S. 43; Fotograf nicht genannt |
| WF04 | Wiesenfestzug 1951 mit Franz Bogner, Adolf Möckel und Ruprecht Fochtner nach Legende | FGV-Chronik, Datei 148, S. 128 / PDF-S. 29; Fotograf nicht genannt |
| WF05 | Weg und Begrünung, Aufnahmejahr offen | Archivierte Goldberg-Galerie, Datei 22_0209.jpg |
| WF06 | Bank unter Bäumen, Aufnahmejahr offen | Archivierte Goldberg-Galerie, Datei 23_0210.jpg |
| WF07 | Ergänzender Vergleich: Erkersreuth 1958 laut Dateiname | Erkersreuth-Fotos, wiesenfest-erkersreuth-1958.jpg; Fotograf nicht genannt |
Die vier historischen Abbildungen wurden zusammen mit ihren gedruckten Legenden aus den Chronikseiten erschlossen. Der umliegende Buchtext wurde ausgeklammert; der Bildinhalt wurde nicht retuschiert. WF05–WF07 zeigen die vollständige jeweilige Ausgangsbildfläche. Alle sieben Abbildungen stammen aus dem Download-Fundus der Sammlung Stefan Strößenreuther. Sammlungseigentum und fotografische Urheberschaft werden unterschieden; abweichende Rechte an Fotografien und Veröffentlichungen bleiben unberührt.
Stadt Selb · Erkersreuther Kirchweih · Selber Chroniken · Bilder und Archive