Rosenthals Gebäude an der Wittelsbacherstraße in Selb verbinden Otto Pienes Regenbogenfassade, Friedensreich Hundertwassers begrünte Umgestaltung und Marcello Morandinis Spiegelhaus. Sie machen Kunst und Industriegeschichte im Stadtraum sichtbar. (RGQ06)
RB01 · Otto Pienes Regenbogenhaus. Farbbänder an der Fassade. Fotovermerk: © Stefan Stroessenreuther 2017. Bildnachweise.
Die Webseite Porzellan-selb.de nennt den 3. November 1973 als Tag des Regenbogenfestes und beschreibt ein Wandbild von 195 Metern Breite und 18 Metern Höhe nach Otto Pienes Entwurf. (RGQ01) Die städtische Broschüre bestätigt den Einweihungsmonat November 1973. (RGQ06)
Der Ausdruck „Regenbogenstadt“ meint in diesem Zusammenhang ein künstlerisches Ereignis und dessen Ausstrahlung auf Selb. Die Fassade gab der Aktion einen bleibenden Ort. In der Darstellung auf Porzellan-selb.de gehören auch Beiträge von Schulklassen dazu: Beim Fest seien mehr als tausend Regenbogenzeichnungen gezeigt worden. Das beschreibt den Anspruch, Kunst über den einzelnen Auftrag hinaus in die Stadt zu tragen. Die genaue Zahl wird hier als Angabe dieses Berichts übernommen. (RGQ01)
Die Farbbänder liegen über einer vorhandenen Fensterordnung. In RB01 und RB02 sieht man, wie die Malerei die Geschosse optisch zusammenfasst, zwischen Fenstern hindurchführt und neue Richtungen vorgibt. Der Eindruck entsteht aus dem Zusammenspiel des bestehenden Baus mit dem Bild, das über seine Flächen hinweggeht. Diese Beschreibung folgt den Archivaufnahmen. (RGQ09)
RB02 · Regenbogenfassade im Detail. Malerei über Fenstern und Wandflächen. Foto: Stefan Strößenreuther, 2017 laut Bildvermerk. Bildnachweise.
Das Regenbogenmotiv begegnet bei Rosenthal auch auf der TAC-Form von Walter Gropius. Die eigene Webseite erschließt das Service unter dem Titel „Regenbogen TAC“ und ordnet den Dekor Otto Piene zu. Damit führt ein Motiv von der großen Gebäudefläche zum gedeckten Tisch. Für diese Verbindung sind Entwurf, Dekor und Trägerform auseinanderzuhalten: Pienes farbliche Gestaltung liegt auf einer bereits vorhandenen Geschirrform. (RGQ07)
Eine vollständige Modell- und Dekorchronologie mit allen Varianten und Auflagen erfordert gesonderte Katalog- und Objektbelege. Der Zusammenhang ist hier vor allem gestalterisch interessant: Architektur und Porzellan erscheinen als zwei Arbeitsfelder innerhalb desselben Unternehmens. Die Geschichte der TAC-Form und des Fabrikbaus führt zum Artikel über Walter Gropius und Rothbühl.
Bei Hundertwasser bezeichnet die erste Haut die natürliche Haut des Menschen, die zweite seine Kleidung und die dritte das Haus beziehungsweise seine äußere Hülle. So erläutert er die Reihenfolge in seinen eigenen Texten. Fenster verbinden Innen und Außen; die Gebäudegestaltung soll den Menschen ermöglichen, sich mit ihrem Lebensraum zu identifizieren. (RGQ04)
Die Metapher macht verständlich, warum ihn Fassaden beschäftigten. Eine Gebäudehülle wirkt auf Bewohner, Beschäftigte und Passanten. Hundertwasser forderte individuelle Gestaltung und unregelmäßige Strukturen anstelle einer überall gleichen, anonymen Außenhaut. Pflanzen und Mosaike gehörten zu diesem Denken. (RGQ04)
Sein Engagement begann lange vor dem Selber Auftrag. Die Hundertwasser-Stiftung nennt die Nacktreden 1967 in München und 1968 in Wien als Stationen seines Einsatzes für die dritte Haut. In den frühen 1980er Jahren veränderte er als sogenannter „Architekturdoktor“ bereits bestehende Gebäude, darunter die Rosenthal-Fabrik. Die Selber Arbeit gehört zu diesem Umgang mit vorhandener Architektur. (RGQ05)
Die Seite „Dritte Haut“ auf Porzellan-selb.de schildert den Selber Ausgangspunkt: Bei einem Besuch bei Philip Rosenthal entstand die Idee, ein Fabrikgebäude nach Hundertwassers Vorstellungen zu verändern. Keramikplatten sollten die geraden Fassadenlinien beleben, Bäume als „Baummieter“ einziehen und die Bepflanzung auch den Mitarbeiterparkplatz verändern. (RGQ02)
Die Hundertwasser-Stiftung führt „Rosenthal Fabrik“, ARCH 29, Werk 855, mit der Projektzeit 1980–1982. Fassade und Parkplatz wurden mit Mosaik, Farbe, Ziegeln und Pflanzen gestaltet; die Ausführung übernahm Rosenthals Bauabteilung. Eine Rede vor der Belegschaft ist für den 18. Mai 1980 nachgewiesen. (RGQ03)
RB03 · Hundertwassers „Dritte Haut“. Fensterbänder, Keramikverkleidung und Vegetation an der Fassade. Original: IMG_6906.JPG; Sammlung Stefan Strößenreuther. Bildnachweise.
In der dort dokumentierten Rede erklärte Hundertwasser, dass er Häuser menschlicher machen und Natur einbeziehen wollte. Sein Anspruch ging über Fassadenbemalung hinaus. (RGQ03)
In RB03 bleibt die lange horizontale Grundstruktur des Fabrikgebäudes deutlich erkennbar. Die Keramikbänder unterbrechen sie durch Wellen, wechselnde Breiten und unterschiedliche Farbfelder. Ranken breiten sich auf geschlossenen Wandteilen aus; auf dem Dach stehen Bäume. Das Foto dokumentiert damit, wie ältere Baustruktur und künstlerische Eingriffe nebeneinander sichtbar bleiben. (RGQ09)
Besonders anschaulich ist der Baummieter in RB04. Der Baum wächst aus dem Bereich einer Fensteröffnung heraus. Keramikstücke, Äste und Blätter überlagern die sonst wiederholte Folge von Fenster- und Lüftungsbändern. Die Aufnahme erlaubt eine genaue Betrachtung dieses Details, ohne daraus den heutigen Pflegezustand oder die ursprüngliche Bepflanzungsplanung vollständig ableiten zu können. (RGQ09)
RB04 · Ein „Baummieter“. Baum und organisch geführte Keramikbänder an der Fassade. Original: IMG_6909.JPG; Sammlung Stefan Strößenreuther. Bildnachweise.
Das Werkverzeichnis nennt 1980–1982 als Projektzeit. (RGQ03) Die städtische Broschüre nennt 1983 für die Gestaltung von Fabrik, Pförtnerhaus und Parkplatz. (RGQ06) Die genaue Abgrenzung der Ausführungsphasen bleibt offen. Hier dient das Werkverzeichnis als Ausgangspunkt; die abweichende Jahreszahl bleibt sichtbar.
Die unterschiedlichen Angaben sind ein Anlass, einzelne Bauabschnitte künftig anhand von Bauakten, Firmenunterlagen oder zeitgenössischen Berichten zu prüfen. Ein einziges Jahr würde die gegenwärtige Quellenlage unzureichend wiedergeben.
Die Verbindung zur Rosenthal-Keramik zeigt auch Hundertwassers „Blumenhaus“, im Werkverzeichnis APA 218, Werk 856. Die Stiftung datiert die Entstehung auf August 1981 bis Oktober 1983 und nennt 500 signierte und nummerierte Exemplare sowie E.A. Für den Prototyp hätten die Modelleure rund 480 Arbeitsstunden benötigt. (RGQ08)
Das Objekt bildet einen weiteren Zugang zur Zusammenarbeit mit Rosenthal. In derselben Zeit wurden architektonische Vorstellungen sowohl an einem wirklichen Gebäude als auch im Maßstab eines Keramikobjekts bearbeitet. Die beiden Werke besitzen eigene Werknummern und eigene Entstehungsangaben; ihre Geschichte sollte entsprechend getrennt dokumentiert werden.
Marcello Morandini gestaltete 1987 die Außenseite des Neubaus der Rosenthal-Hauptverwaltung. In der Spiegelfassade erscheint das benachbarte Regenbogenhaus erneut. So kam zum gemalten und begrünten Bau eine Fassade hinzu, die ihre Umgebung als Spiegelbild aufnimmt. (RGQ06)
RB05 · Das Regenbogenhaus im Spiegelhaus. Spiegelung der farbigen Fassade in geometrischen Flächen. Foto: Stefan Strößenreuther, 2017 laut Bildvermerk. Bildnachweise.
Die Fotos machen drei verschiedene Eingriffe vergleichbar: Piene legt Farbbänder über die Fensterordnung, Hundertwasser verbindet Keramik und Vegetation mit dem vorhandenen Bau, Morandinis Flächen beziehen die Nachbarschaft durch Spiegelung ein. Zusammen erschließen sie Industriegeschichte als Teil des Stadtraums. Der Artikel über Philip Rosenthal stellt die Zusammenarbeit mit Künstlern in den Zusammenhang seines unternehmerischen Wirkens.
| Zeitpunkt | Belegter Zusammenhang |
|---|---|
| 1967 / 1968 | Hundertwassers Nacktreden zur dritten Haut in München und Wien. RGQ05 |
| November 1973 | Einweihung von Otto Pienes Regenbogenfassade; Porzellan-selb.de nennt den 3. November. RGQ01, RGQ06 |
| 18. Mai 1980 | Hundertwassers Rede vor der Rosenthal-Belegschaft nach dem Werkverzeichnis. RGQ03 |
| 1980–1982 | Projektzeit der Umgestaltung „Rosenthal Fabrik“ im Werkverzeichnis. RGQ03 |
| 1981–1983 | Entstehung des Keramikobjekts „Blumenhaus“. RGQ08 |
| 1983 | Abweichende Jahresangabe zum Hundertwasser-Ensemble in der städtischen Broschüre. RGQ06 |
| 1987 | Morandinis Gestaltung der Spiegelfassade. RGQ06 |
| 2017 | Drei verwendete Fotografien tragen Stefan Strößenreuthers Bildvermerk mit diesem Jahr. RGQ09 |
Stefan Strößenreuther / Porzellan-selb.de: „Regenbogen Stadt Selb“. Ausgangsartikel. Verwendet für das Regenbogenfest am 3. November 1973 und den dort geschilderten Beitrag der Schulklassen. Die ursprüngliche bibliografische Herkunft des historischen Berichtstextes ist auf der Seite nicht vollständig ausgewiesen. Pauschale Aussagen über Arbeitsschutz oder Sozialverhältnisse werden daraus nicht ungeprüft fortgeschrieben. Abruf: 15. Oktober 2026.
Porzellan-selb.de: „Dritte Haut – Eine Fabrik schließt Frieden mit der Natur“. Selber Darstellung. Verwendet für die überlieferte Begegnung mit Philip Rosenthal und die Beschreibung von Fassade, Baummietern und Parkplatz. Die Webseite enthält daneben Berliner Inhalte und vertauscht in einem Abschnitt zweite und dritte Haut. Diese Teile werden nicht als Belege zum Selber Werk übernommen; für die Begriffe folgt der Artikel den Künstlertexten RGQ04. Abruf: 15. Oktober 2026.
Hundertwasser gemeinnützige Privatstiftung Wien: „Rosenthal Fabrik“, ARCH 29, Werk 855. Werkverzeichnis. Projektzeit, Materialien und Ausführung; Rede vom 18. Mai 1980 nach „Das Hundertwasser Haus“, Wien 1985, S. 133–136. Abruf: 15. Oktober 2026.
Friedensreich Hundertwasser: „Die dritte Haut“ und „Über die zweite Haut“, veröffentlicht im Textarchiv der Stiftung. Die dritte Haut, Über die zweite Haut. Verwendet für die Reihenfolge natürliche Haut – Kleidung – Haus und die Bedeutung der Fassade. Künstlertexte als Nachweis seiner Vorstellungen, nicht als allgemeine bauwissenschaftliche Definition. Abruf: 15. Oktober 2026.
Hundertwasser-Stiftung: „Hundertwasser Architektur“. Überblick. Verwendet für den Zusammenhang der Nacktreden 1967/1968 und die späteren Umgestaltungen bestehender Gebäude als „Architekturdoktor“. Abruf: 15. Oktober 2026.
Stadt Selb: „Roter Faden“, Abschnitt „Rosenthal-Künstlerfassaden“, gedruckte S. 36. Städtische Broschüre. Verwendet für Ensemble, Maße der Regenbogenfassade, Einweihungsmonat, Morandini 1987 und die abweichende Hundertwasser-Datierung 1983. Online auslesbaren Abschnitt geprüft; vollständige große PDF über den Recherchezugang nicht geöffnet. Keine aktuelle Zustands- oder Öffnungszeitenprüfung. Abruf: 15. Oktober 2026.
Porzellan-selb.de: „Rosenthal TAC ‚Regenbogen‘ – Otto Piene Teeservice“. Objektdarstellung. Verwendet für den Zusammenhang zwischen Pienes Dekor und der TAC-Form. Einzelne Varianten, Auflagen und Marktangaben werden hier nicht als abschließend geprüfte Objektchronologie übernommen. Abruf: 15. Oktober 2026.
Hundertwasser-Stiftung: „Blumenhaus“, APA 218, Werk 856. Werkverzeichnis. Verwendet für Werknummer, Entstehungszeit August 1981 bis Oktober 1983, Auflage und Modellieraufwand. Die dortigen Fremdfotografien werden nicht übernommen. Abruf: 15. Oktober 2026.
Download-Bildfundus Stefan Strößenreuther: „Webseite porzellan-selb/Webseite Juli 2020“ mit der Bildreihe „Regenbogenhaus-2017“ sowie „Porzellanstadt Selb/Lokschuppen-Regenbogen-Selb“. Die zweite Ablage enthält neben Eisenbahnmotiven zahlreiche Gebäudeaufnahmen; ihre Ordnerbezeichnung ist kein Einzelbildtitel. Fünf ausgewählte, visuell geprüfte Querformatbilder wurden ohne Beschnitt, mit unveränderter Auflösung und verlustfrei als WebP abgeleitet. Vorhandene Bildvermerke bleiben erhalten. Ein beschädigter Bildkandidat wurde ausgeschlossen. Die Fotografien dokumentieren den jeweiligen Aufnahmezustand; sie datieren keine früheren Bauphasen.
| Kennung | Original im Download-Fundus | Herkunft und Aussage |
|---|---|---|
| RB01 | Regenbogenhaus-2017-1-6.jpg |
Stefan Strößenreuther, 2017 laut Bildvermerk; farbige Fassaden über Eck. |
| RB02 | Regenbogenhaus-2017-1-3-2.jpg |
Stefan Strößenreuther, 2017 laut Bildvermerk; Detail von Malerei und Fenstern. |
| RB03 | IMG_6906.JPG |
Sammlung Stefan Strößenreuther; Hundertwasser-Fassade und Vegetation; genaues Aufnahmedatum/Fotograf nicht gesondert ausgewiesen. |
| RB04 | IMG_6909.JPG |
Sammlung Stefan Strößenreuther; Baummieter und Keramikbänder; genaues Aufnahmedatum/Fotograf nicht gesondert ausgewiesen. |
| RB05 | Regenbogenhaus-2017-3.jpg |
Stefan Strößenreuther, 2017 laut Bildvermerk; Morandinis Fassade spiegelt das Regenbogenhaus. |
Künstlerische Gestaltungen: Otto Piene, Friedensreich Hundertwasser, Marcello Morandini. Foto- und Archivangaben sind von den Rechten an diesen Werken zu unterscheiden. Der allgemeine Bildhinweis des Wikis lässt abweichende Rechte Dritter unberührt.