Die Rosenthal Studio-Linie, international studio-line, bezeichnet ein Gestaltungs- und Produktprogramm, das zeitgenössische Kunst mit industrieller Fertigung verbindet. Dazu gehören Service, Vasen, Glas, Besteck und künstlerische Objekte. 1961 gilt als Beginn der Marke; ihre Voraussetzungen entstanden bereits in den 1950er Jahren. Maßgeblich war Philip Rosenthal (1916–2001), der internationale Gestalter für das Unternehmen gewann und moderne Produkte mit einer eigenen Form der Präsentation verband. (SLQ01, SLQ06)
SL01 · Bjørn Wiinblad bei der Entwurfsarbeit. Aufnahme aus dem archivierten Webseitenbestand. Bildnachweise.
Der Name steht für eine Vielfalt von Handschriften. Die sachliche Geometrie eines Teeservices kann ebenso dazugehören wie eine erzählerische Reliefgestaltung, eine optische Komposition oder ein farbiges Objekt. Ein einheitlicher „Studio-Line-Stil“, an dem man jedes Stück allein nach seinem Aussehen erkennen könnte, würde dem Programm nicht gerecht. Gemeinsam sind der Anspruch zeitgemäßer Gestaltung und die Zusammenarbeit zwischen Entwerfern und Hersteller. (SLQ01, gedruckte S. 8–10)
Dieser Artikel verbindet die Texte und Bilder des Download-Fundus mit Herstellerunterlagen, Museums- und Hochschulnachweisen. Er behandelt die Vorgeschichte, die Gründung, die beteiligten Gestalter, wichtige Produktfelder, Vertrieb und Herstellung sowie die Bedeutung für Selb. Er ist eine umfassende Einführung; ein vollständiges Verzeichnis aller Formen, Dekore und Auflagen seit 1961 wäre ein eigenes, wesentlich größeres Katalogprojekt.
Studio-Linie, Studio Line und studio-line begegnen in unterschiedlichen deutsch- und englischsprachigen Veröffentlichungen und auf Marken. Sie beziehen sich auf denselben gestalterischen Zusammenhang. Das Wort „Studio“ verweist auf Entwurfsarbeit und moderne Gestaltung. Es bedeutet nicht automatisch, dass jedes Exemplar ein persönlich vom Künstler geformtes Einzelstück ist. Auch serienmäßig hergestellte Gebrauchsgeschirre gehören zum Programm. (SLQ01, SLQ04)
Zu unterscheiden sind mehrere Ebenen: Rosenthal ist der Unternehmens- und Markenname; Studio-Line bezeichnet eine Designlinie; TAC, Suomi oder Duo sind einzelne Formen beziehungsweise Produktprogramme. Ein Dekor kann eine solche Form ergänzen. Die Limitierten Kunstreihen bilden wiederum einen besonderen Editionsbereich. Diese Begriffe dürfen nicht als gleichbedeutende Bezeichnungen verwendet werden. (SLQ01, SLQ05)
Das Programm unterscheidet sich auch vom Begriff Studiokeramik. Darunter wird häufig die individuelle Arbeit eines Keramikers in einer eigenen Werkstatt verstanden. Bei Rosenthal stand dagegen die Kooperation eigenständiger Künstler und Designer mit einem industriellen Unternehmen im Mittelpunkt. Künstlerische Freiheit, Modellbau, technische Entwicklung, wiederholbare Fertigung und Verkauf mussten zusammenfinden. Der Unterschied schließt handwerkliche Arbeit im Industriebetrieb keineswegs aus. (SLQ01)
Die Zusammenarbeit mit Künstlern begann bei Rosenthal lange vor der Studio-Line. Die firmeneigene Kunstabteilung und Entwerfer wie Kurt Wendler hatten bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eigenständige Beiträge geliefert. Der spätere Neubeginn hatte somit eine Vorgeschichte. Neu waren nach dem Zweiten Weltkrieg die Intensität der internationalen Kooperationen, die Ausrichtung auf moderne Lebensformen und die Verbindung dieser Gestaltung mit einem eigenen Vertriebskonzept. (SLQ01, gedruckte S. 4–8)
1950 trat Philip Rosenthal in das Unternehmen ein; 1952 übernahm er nach der Jubiläumsbroschüre die Produktgestaltung. Er wollte dem Porzellan ein zeitgenössisches Erscheinungsbild geben. Unter dem Begriff „New Look“ kamen asymmetrische Gefäße, neue Proportionen und eine bewegte, teils spielerische Formensprache zusammen. Die Entwicklung war breiter als ein radikaler Verzicht auf alles Dekorative. (SLQ01, gedruckte S. 7–8)
Zum Umfeld gehörten unter anderem Fritz Heidenreich, Bele Bachem, Elsa Fischer-Treyden, Jan Bontjes van Beek, Hanns Hoffmann-Lederer, Raymond Peynet, Raymond Loewy und Richard Latham. Heidenreichs asymmetrischer Orchideenkrug, als „Schwangere Luise“ bekannt, wurde zu einem anschaulichen Beispiel des veränderten Geschmacks. Zeitgemäßes Design konnte überraschend und heiter sein; seine Wirkung musste nicht allein aus streng rechtwinkligen Formen entstehen. (SLQ01, gedruckte S. 7)
SL10 · Tradition und neue Gestaltung. Doppelseite 6–7 der Rosenthal-Jubiläumsbroschüre von 2004 mit „Maria“ und New Look. Text: Petra Werner; © Rosenthal AG. SLQ01.
Die Form 2000 gehört zu den wichtigen Vorläufern der Studio-Line. Rosenthal nennt 1954 und führt Raymond Loewy und Richard Latham als Entwerfer an. Die gemeinsame Nennung hält die Arbeit im amerikanischen Designbüro fest. Kennzeichnend sind schlanke, konische Körper und prägnante Deckelgriffe. (SLQ06)
Die Form wurde mit unterschiedlichen Dekoren angeboten. Ihre Geschichte zeigt, weshalb Entwurfsdatum und Herstellung eines konkreten Stückes auseinanderliegen können: Eine lange geführte Form wird über Jahre hinweg mit veränderten Markungen oder Dekoren produziert. Dass ein späteres Exemplar den Zusatz Studio-Linie trägt, macht aus dem ursprünglichen Entwurf deshalb keinen Entwurf von 1961. Die Broschüre von 2004 nennt Form 2000 ausdrücklich als Erfolg der vorangehenden Erneuerungsphase. (SLQ01, gedruckte S. 7)
Die neue Gestaltung benötigte eine Umgebung, in der ihre Zusammenhänge sichtbar wurden. 1960 eröffnete das erste Rosenthal Studio-Haus in Nürnberg. Die Entwicklung eigener Verkaufs- und Präsentationsräume ging damit der offiziellen Einführung der Studio-Line um ein Jahr voraus. Hinzu kamen besondere Abteilungen im Fachhandel. Die Jubiläumsbroschüre führt solche Exklusivabteilungen bereits seit 1954 an. (SLQ01, gedruckte S. 7; SLQ20)
1961 entstand daraus das ausdrücklich benannte Studio-Line-Programm. Nach Rosenthals Darstellung sollte es kein starres Geschmacksdiktat geben: Entscheidend waren zeitgemäße, gekonnte und funktionierende Entwürfe. Die häufig verwendete Formel „Das Originale unserer Zeit“ fasste diesen Anspruch zusammen. Sie war zugleich ein kulturelles Programm und eine wirkungsvolle Positionierung auf dem Markt. (SLQ01)
Eine undatierte „Geschichte Rosenthal“ aus dem Fundus setzt die „Begründung der Rosenthal Studio-Linie“ schon auf 1958. Sie verbindet das Jahr außerdem mit dem Design-Studio und der „Gruppe 21“. Die Broschüre von 2004 und die heutige Herstellerchronik nennen dagegen 1961 für die Studio-Linie. Die Angaben werden hier nicht stillschweigend vereinheitlicht: 1958 wird als abweichende frühere Datierung dokumentiert; als gesicherter Markenbeginn wird 1961 verwendet. Ob die ältere Angabe einen organisatorischen Vorlauf oder eine ungenaue Chronikdatierung bezeichnet, bleibt ohne weitere Originalunterlagen offen. (SLQ02, SLQ01, SLQ20)
Philip Rosenthal verstand seine Aufgabe darin, Künstler zu gewinnen, Ideen zu ermöglichen und die Ergebnisse in eine wirtschaftlich tragfähige Form zu bringen. Das Bild des „Verlegers“ ist dafür anschaulich: Ein Verlag erfindet nicht den Inhalt jedes Buches selbst. Entsprechend sollte das Unternehmen unterschiedliche Handschriften zusammenbringen und für ihre Umsetzung, Qualität und Verbreitung sorgen. (SLQ01)
Darin lag zugleich ein Spannungsverhältnis. Ein ungewöhnlicher Entwurf musste zunächst technisch beherrscht und anschließend verkauft werden. Der Name eines bekannten Gestalters konnte Aufmerksamkeit schaffen, ersetzte aber weder ein brauchbares Modell noch einen funktionierenden Fertigungsprozess. Die Stärke des Konzepts lag in einer dauerhaften Zusammenarbeit über mehrere Berufsfelder hinweg. (SLQ01, SLQ04)
Ab 1961 wirkte eine unabhängige, beratende Fachjury an der Auswahl mit. Die Jubiläumsbroschüre nennt praktische, ästhetische und künstlerische Qualität als Beurteilungsfelder. Das ist eine historisch dokumentierte Institution des damaligen Programms; daraus folgt keine Aussage über eine unverändert arbeitende Jury in allen späteren Jahrzehnten. (SLQ01, gedruckte S. 8)
Auch der Name „Gruppe 21“ gehört in diesen Zusammenhang einer ausgewählten modernen Produktwelt. Die undatierte Funduschronik nennt ihre Entstehung unter Beteiligung Rosenthals 1958. Die Gruppe ist von einer einzelnen Serviceform und von der Studio-Line-Marke zu unterscheiden. Eine vollständige Rekonstruktion ihrer Mitglieder und Auswahlverfahren ist durch die hier ausgewerteten Kurzangaben nicht möglich. (SLQ02)
In der frühen Studio-Line prägten besonders Tapio Wirkkala und Bjørn Wiinblad die Wahrnehmung. Beide wurden als skandinavische Gestalter vorgestellt, standen aber für sehr unterschiedliche Ausdrucksweisen. Bei Wirkkala begegnen genaue Naturbeobachtung, haptisches Interesse und kontrollierte Form. Wiinblad verband figürliche Erzählung, Musiktheater, Ornament und eine ausgeprägte Freude am Dekor. Die Gegenüberstellung macht die Spannweite des Programms deutlich. (SLQ01, SLQ07, SLQ08)
Wirkkalas Variation von 1962 zählt zu den wichtigen frühen Serviceformen. Daneben gehören Composition, Polygon, Tea for Two und verschiedene Vasen zu seinem Rosenthal-Umfeld. Seine Tütenvasen machen die Wahrnehmung des Werkstoffs selbst zum Thema: Porzellan übernimmt Falten und Unregelmäßigkeiten, die an Papier erinnern. Ein vertrauter Alltagsgegenstand wird durch den Materialwechsel neu gesehen. (SLQ03, SLQ07)
SL03 · Weiße Porzellangefäße. Bildgruppe aus der Fundusserie „Tea for Two / Wirkkala“. SLQ16.
Die Aufnahme lässt erkennen, wie stark schon kleine Unterschiede von Wandhöhe, Fuß, Rand und Henkel eine Gefäßgruppe verändern. Solche Beschreibungen folgen dem sichtbaren Bild. Sie sind von Aussagen über Gebrauchstest, Materialrezeptur oder Herstellungsdatum zu trennen, die zusätzliche Unterlagen erfordern würden.
SL04 · Gefäße mit grauschwarzem Dekor. Zweite Aufnahme aus der Fundusserie „Tea for Two / Wirkkala“.
Bei Century ist eine Korrektur älterer Zusammenstellungen wichtig: Das Service gehört zu Tapio Wirkkala und wurde 1979 vorgestellt. Eine im Centre Pompidou verwahrte Entwurfszeichnung ist bereits auf den 18. Mai 1977 datiert. Das sind unterschiedliche Ereignisse: Entwurfsarbeit und Markteinführung. Die Zuordnung zu Wiinblad und 1969 in einer Fundusabschrift wird deshalb nicht übernommen. (SLQ13, SLQ15)
Wiinblads Entwürfe machen aus der Gefäßoberfläche einen Erzählraum. Romanze, Lotus und Zauberflöte gehören zu den mit seinem Namen verbundenen Formen. Die Zauberflöte überträgt Figuren und Szenen aus Mozarts Oper in Reliefs. Haptik und Bild gehören zusammen: Das Motiv wird durch Licht, Schatten und Oberfläche wahrgenommen. (SLQ08)
Die Datierung der Zauberflöte wird in Herstellerdarstellungen nicht einheitlich angegeben: Die allgemeine Studio-Line-Seite nennt 1968, das Wiinblad-Porträt eine erste Vorstellung 1969. Der Artikel verwendet daher 1968/69 als belegtes Umfeld und unterscheidet es von einem unbekannten Ausführungsjahr des jeweiligen Gegenstands. Die konkrete Abfolge von Entwurf, erster Präsentation und regulärem Verkauf wäre anhand zeitgenössischer Kataloge weiter zu präzisieren. (SLQ06, SLQ08)
Wiinblads Präsenz erklärt, weshalb Studio-Line nicht mit dekorloser Sachlichkeit gleichgesetzt werden kann. Ein figürliches Relief und ein zurückhaltend proportioniertes weißes Gefäß können innerhalb desselben Programms unterschiedliche Vorstellungen moderner Wohn- und Tischkultur vertreten. (SLQ01)
Hans Theo Baumanns Berlin gehört zur Vorgeschichte der offiziellen Marke und wurde später zu einem bekannten Studio-Line-Programm. Der Bestandsnachweis der Stiftung Deutsches Design Museum in der Deutschen Digitalen Bibliothek gibt 1958/1959 als Entwurfsjahr an. Diese Datierung ist genauer als die pauschale Zuordnung aller Studio-Line-Formen zum Gründungsjahr 1961. (SLQ09)
Die Form steht für das Interesse an klaren Körpern, gut fassbaren Griffen und einem zusammenhängenden Programm von Serviceteilen. Wie bei anderen langlebigen Formen können unterschiedliche Dekore, Ergänzungen und Produktionsphasen hinzukommen. Für eine konkrete Sammlung ist deshalb das Zusammenspiel von Form- und Dekornachweisen entscheidend, nicht allein die Nennung „Berlin“. (SLQ03, SLQ09)
Der italienische Gestalter Ambrogio Pozzi brachte mit Duo eine andere Variante der funktionalen Moderne ein. Ein Ausstellungskatalog der Universität Insubrien ordnet die Entwicklung 1967/68 ein; eine Publikation mit Beitrag des Keramikhistorikers Franco Bertoni nennt 1968. Das Programm arbeitet mit elementaren Gefäßkörpern und der Abstimmung verschiedener Teile. (SLQ10)
SL02 · Ambrogio Pozzi bei der Betrachtung eines Gefäßes. Archivbezeichnung: „Studio Linie Pozzi“.
Das Bild veranschaulicht eine zentrale Aufgabe des Produktdesigns: Eine Form muss aus verschiedenen Blickwinkeln und in der Hand überzeugen. Innenraum, Rand, Schwerpunkt und Griff sind ebenso wichtig wie eine ansprechende Silhouette. Bei einem ganzen Service kommen Aufbewahrung, Zusammenstellung und die Beziehung zwischen kleinen und großen Teilen hinzu. Diese funktionale Betrachtung erklärt, warum industrielle Entwurfsarbeit mehr ist als das Zeichnen einer schönen Vorderansicht.
Wolf Karnagel entwickelte mit Plus ein zusammengehöriges Tischprogramm, das unterschiedliche Werkstoffe und Gegenstandsgruppen verband. Im Fundus wird es als Kombination von Porzellan, Glas, Besteck und weiteren keramischen Teilen beschrieben. Ein späteres Gesprächsporträt im Tagesspiegel bestätigt die Bedeutung von Plus innerhalb seiner Rosenthal-Arbeit und betont seine Aufmerksamkeit für die Berührung eines Gegenstands mit der Hand. (SLQ17, SLQ18)
SL05 · Wolf Karnagel. Porträt aus dem historischen Webseitenbestand.
Plus steht für den Übergang vom einzelnen Geschirrservice zu einem Tischsystem. Bei einer solchen Konzeption sollen Glas, Besteck und Gefäße aufeinander reagieren. Die sichtbare Einheit entsteht aus Proportionen und Gebrauchszusammenhängen, auch wenn Material und Herstellungsverfahren verschieden sind. Die im Fundus überlieferten Presseabschriften verorten Plus bereits um 1970; eine anderswo genannte Einführung erst 1983 wird hier nicht übernommen. Ein vollständiger zeitgenössischer Einführungskatalog bleibt für die exakte Programmchronologie wünschenswert. (SLQ17, SLQ18)
Das Teeservice TAC, vorgestellt 1969, verbindet Rosenthal mit Walter Gropius und dem Büro The Architects Collaborative. TAC ist dessen Abkürzung; die gelegentliche Erklärung „The Architects Cup“ ist falsch. Eine im Download-Fundus erhaltene Rosenthal-Broschüre nennt für das Gropius-Service ausdrücklich Walter Gropius / Louis McMillen. Die Teamarbeit gehört damit auch in den Objektnachweis. (SLQ04, SLQ14)
Die Broschüre erläutert die Beziehung zwischen Teekanne und Schale als spiegelsymmetrische Umkehrung und zeigt die Kombination aus weißem und schwarzem Porzellan. Sie beschreibt außerdem funktionale Details an Henkel, Deckelgriff und Teesieb. Solche Einzelheiten machen den Zusammenhang von Form und Benutzung nachvollziehbar. Die Verbindung zur Architektur besteht somit nicht bloß im Namen des Entwerfers. (SLQ04)
Der erhaltene Prospekt dokumentiert zugleich eine spätere Fortführung: TAC 02. Nach seiner Darstellung umfasst diese Weiterentwicklung sowohl zuvor nicht herausgegebene Originalentwürfe als auch neue Formen im Geist des Klassikers. Ein späteres Tafel- oder Kaffeeserviceteil darf deshalb nicht ohne Prüfung als unveränderte Originalausführung von 1969 beschrieben werden. (SLQ04)
Timo Sarpanevas Suomi von 1976 steht für eine weiche, geschlossene Gefäßwirkung. Rosenthal erläutert die Beziehung zu abgerundeten Kieseln und zur Kombination von Porzellan und Metall. Der Entwurf zeigt, dass eine klare Funktion nicht zwangsläufig eine kantige Form verlangt. (SLQ11)
Die 1980er Jahre erweiterten das Spektrum erneut. Mario Bellinis Cupola und Dorothy Hafners Flash veranschaulichen unterschiedliche Wege: architektonische Ordnung einerseits, auffallende Farb- und Formkontraste andererseits. Der Begriff Studio-Line bündelt diese Verschiedenheit; er beschreibt keine einzige, für alle Jahrzehnte gültige Mode. (SLQ06, SLQ01)
Mit Moon von Jasper Morrison, 1997, gewann eine zurückhaltende Gestaltung besondere Sichtbarkeit. Die Formen treten gegenüber dem Gebrauch und dem Materialeindruck zurück. Patricia Urquiolas Landscape von 2008 gehört dagegen zu den späteren Tafelkonzepten, bei denen unterschiedliche Oberflächen und Teile als gemeinsame Landschaft des gedeckten Tisches gedacht werden. Die Daten werden in Rosenthals Jubiläumsmitteilung von 2021 genannt. (SLQ12, SLQ14)
Auch jüngere Gestalter und Hochschulprojekte wurden in das Programm einbezogen. Das Magazin Perspectives 2014 dokumentiert beispielsweise die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Bielefeld und fotografische Interpretationen von Produkten. Darin wird sichtbar, dass sich die Arbeit nicht auf die Gefäßform beschränkt: Auch die Art, wie ein Objekt gezeigt und wahrgenommen wird, gehört zur Produktkultur. (SLQ13)
Marcello Morandini gehört zu den Gestaltern, die Geometrie über verschiedene Maßstäbe hinweg untersuchten. Die im Fundus als Color bezeichnete Objektgruppe arbeitet mit weißen zylindrischen Gefäßen und starkfarbigen Elementen. Rot, Gelb, Blau und Grün treten als Scheiben, Linien und angesetzte Körper auf. Der Griff kann zugleich ein konstruktiver Akzent sein. Diese Beschreibung folgt der Aufnahme; sie ersetzt keine vollständige Form- und Editionsbestimmung. (SLQ16)
SL06 · Morandinis „Color“. Porzellangefäße mit farbigen Anbauteilen aus dem Studio-Line-Bildbestand.
Morandini steht auch für die Verbindung von Produkt und gebautem Raum. In Selb ist seine Arbeit unter anderem am Spiegelhaus sichtbar. Der Wechsel vom kleinen Objekt zur Fassade erweitert das Thema, ohne beides gleichzusetzen. Für Studio-Line ist entscheidend, dass ein Gestalter seine eigene Formvorstellung in verschiedene technische und funktionale Aufgaben übersetzen konnte. (SLQ01, gedruckte S. 9)
Ein weiterer Entwicklungsschritt führte vom Gebrauchsgeschirr zur Kunstedition. Die Jubiläumsbroschüre berichtet, Arnold Bode habe Philip Rosenthal im Umfeld der documenta III 1964 vorgeschlagen, Kunst in Porzellan in begrenzter, signierter Auflage herzustellen. Erste Versuche begannen damals; 1968 wurden Ergebnisse als „ars porcellana“ im Kölner Kunstverein gezeigt. Zunächst hieß das Programm Relief-Reihe. (SLQ01, gedruckte S. 10)
Dazu gehörten Beiträge von Henry Moore, Lucio Fontana, Victor Vasarely und Otto Piene, später auch von Ernst Fuchs, Niki de Saint Phalle, Marcello Morandini und Paul Wunderlich. Die Herstellung erforderte die Übersetzung eines künstlerischen Modells in einen Werkstoff, der beim Trocknen und Brennen Veränderungen durchläuft. Die Zusammenarbeit betraf also auch die räumliche Wirkung, die Oberfläche und die technische Realisierung. (SLQ01)
Die Broschüre unterscheidet mehrere Daten: limitierte Objekte seit 1968, eine Edition von Künstlertellern ab 1973 und neue Objekte unter der Bezeichnung „Rosenthal Limitierte Kunstreihen“ seit 1977. Eine Chronik, die nur 1973 nennt, verkürzt diese Entwicklung. Die Jahreszahlen betreffen unterschiedliche Programmschritte, nicht zwingend widersprüchliche Gründungsdaten derselben Sache. (SLQ01, SLQ02)
SL07 · Otto Herbert Hajek: Jahresteller 1980. Geometrische Farbfelder auf Porzellan. Fotovermerk: © Stefan Stroessenreuther 2015. SLQ16.
Die Vorderseite von Hajeks Teller zeigt das Werk. Die Rückseite zeigt zugleich seinen Editionszusammenhang. Dort sind Rosenthal, studio-linie, Limitierte Kunstreihen, „100 Jahre Rosenthal“, „hergestellt im Jubiläumsjahr VIII 1979–VII 1980“ und „Jahresteller in Porzellan 1980“ zu lesen. Hinzu kommen der Künstlername und die Zahlenkombination 3000/2640. Diese Angaben sind am abgebildeten Stück nachvollziehbar und werden nicht auf alle Künstlereditionen übertragen. (SLQ16)
SL08 · Rückseite des Hajek-Jahrestellers. Schriftzüge und Herstellerkennzeichnung. Fotovermerk: © Stefan Stroessenreuther 2015.
Gerade die Verbindung von Vorder- und Rückseite macht die Abbildung für die Geschichte der Studio-Line wertvoll. Sie zeigt, wie Künstlername, Unternehmensmarke, Jahresanlass und Begrenzung zusammen eine Edition beschreiben. Eine allgemeine Behauptung, alle Künstlerteller seien in derselben Anzahl produziert worden, würde diese unterschiedlichen Objektangaben übergehen.
SL09 · Vasarely: Detail mit optischem Muster. Sichtbare Beschriftung: „Vasarely“ und „Rosenthal Limitierte Kunstreihen“.
Nicht jede Begrenzung folgt demselben Modell. Der im Fundus erhaltene Prospekt „Kunst | Räume“ unterscheidet zeitlich limitierte Sammeldosen, nummerierte Kleinauflagen und weitere Serien. Dort finden sich beispielsweise Angaben wie 49, 99 oder 499 Exemplare für bestimmte Objekte und Ausführungen. Maßgeblich bleibt die jeweilige Edition. Eine aufgedruckte oder nachgebildete Signatur ist außerdem von einer eigenhändigen Unterschrift zu unterscheiden. (SLQ05)
Das Programm wurde als zusammenhängende moderne Lebenswelt gedacht. Gläser und Bestecke sollten mit dem Service harmonieren, ohne bloß dieselben Linien zu wiederholen. Der Wechsel der Werkstoffe eröffnet andere Möglichkeiten: Glas arbeitet mit Transparenz und Reflexion, Metall mit schmalen Querschnitten, Griffgefühl und Gewicht. Ein gemeinsamer Entwurfsansatz muss diese Unterschiede berücksichtigen. Die Jubiläumsbroschüre beschreibt ausdrücklich ein Programm aus Porzellan, Glas, Besteck, Keramik und Möbeln. (SLQ01, gedruckte S. 8–9)
Der Prospekt „Kunst | Räume“ dokumentiert daneben Glass Art von Bořek Šípek, künstlerische Uhren, Sammeldosen und Objekte nach Motiven Andy Warhols. Damit lässt sich die Erweiterung über die klassische Tafel hinaus konkret belegen. Bei solchen Produkten ist genau zu unterscheiden, ob der Künstler selbst ein Objekt entwarf, ob sein Bild auf eine vorhandene Form übertragen wurde oder ob eine spätere Edition nach seinem Werk entstand. (SLQ05)
Auch bei der Bezeichnung Keramik ist Genauigkeit sinnvoll: Porzellan gehört zur keramischen Werkstoffgruppe. In historischen Rosenthal-Programmen wird „Keramik“ daneben als eigene Sortimentsbezeichnung verwendet. Ein Markenname allein identifiziert deshalb nicht zuverlässig den Scherben jedes Gegenstands. Pauschale Angaben zu Brenntemperatur, Spülmaschinen- oder Mikrowelleneignung lassen sich aus der Zugehörigkeit zur Studio-Line nicht ableiten.
Die Verbindung zur Wohnwelt führte zu Möbeln und räumlichen Gestaltungen. Die Formulierung „Manufaktur des Wohnens“ in der Broschüre von 2004 macht diesen Anspruch deutlich. Sie beschreibt eine Ausweitung des Unternehmensprogramms und sollte nicht als Beleg gelesen werden, jedes Möbel oder jedes Rosenthal-Produkt habe zu jeder Zeit dieselbe Markenbezeichnung getragen. (SLQ01, gedruckte S. 9)
Zwischen Zeichnung und fertigem Porzellan liegen zahlreiche Entscheidungen. Ein Modell muss sich abformen und herstellen lassen. Wandstärken, angesetzte Teile, Glasur und Dekor müssen mit dem vorgesehenen Verfahren zusammenpassen. Bei einer Gefäßform kommt die praktische Benutzung hinzu: Ausgießen, Anheben, Öffnen, Reinigen und Abstellen. TACs dokumentierte Griff- und Deckellösung ist ein Beispiel dafür, wie konstruktive Details den künstlerischen Eindruck tragen. (SLQ04)
Relief, Bemalung, Druckdekor und farbige Masse erzeugen unterschiedliche Oberflächenwirkungen. Das macht auch Wiederauflagen anspruchsvoll. Eine historische Form ist nicht automatisch in jedem veränderten Material- oder Farbsystem gleich herzustellen. In der Jubiläumsmitteilung 2021 erläutert Rosenthal dieses Problem an durchgefärbten Vasen: Farbzusätze beeinflussten die Masse, weshalb für die Jubiläumsausführungen technische Anpassungen notwendig gewesen seien. (SLQ14)
Industrielle Serie und handwerkliche Arbeit sind hier miteinander verbunden. Die Idee einer identischen Form verlangt Präzision; das Gelingen bleibt von Modellbau, Fertigungswissen und Kontrolle abhängig. Darin liegt ein wesentlicher Beitrag der Beschäftigten, der in einer reinen Liste berühmter Entwerfernamen leicht unsichtbar würde.
Die Studio-Häuser und Studio-Abteilungen sollten die Produkte als zusammenhängende Auswahl zeigen. Ein Service wurde mit passenden Gläsern, Besteck und weiteren Gegenständen präsentiert. So konnten Besucher Proportionen, Oberflächen und unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten vergleichen. Die Räume vermittelten einen Geschmack und waren zugleich Verkaufsorte. (SLQ01, gedruckte S. 7–8)
Der kulturelle Anspruch schloss wirtschaftliche Interessen ein. Moderne Gestaltung musste ein Publikum finden, das neue Formen akzeptierte und dafür Geld ausgab. Die gezielte Auswahl und Präsentation war deshalb ebenso Teil des Konzepts wie der Entwurf selbst. Die im Fundus erhaltenen Broschüren sind wichtige Belege dafür, wie das Unternehmen diese Verbindung erläuterte; ihre Werbesprache ist jedoch von einer unabhängigen Bewertung zu trennen. (SLQ01, SLQ05)
Historische Zahlen zu Studio-Häusern, Beschäftigten oder Umsatz werden häufig ohne klaren Bezugsrahmen weitergegeben. Für diesen Artikel werden keine alten Gesamtunternehmenszahlen als aktuelle Zahlen der Studio-Line ausgegeben. Ebenso ist die Darstellung eines früheren Vertriebsnetzes keine Auskunft darüber, welche Läden heute noch bestehen.
Für Selb bedeutete die Studio-Line mehr als einen Schriftzug unter einem Teller. Das Programm brachte Künstler, Designer, Modelleure, technische Fachleute und kaufmännische Arbeit zusammen. Seine Wirkung reichte in Produktionsgebäude, Präsentationsräume und das Stadtbild hinein. Der Zusammenhang ist besonders am Werk Rosenthal am Rothbühl und den von Künstlern gestalteten Fassaden erkennbar. (SLQ01, gedruckte S. 9)
SL11 · Rosenthal am Rothbühl. Ansicht des Fabrikeingangs; Bild GR01. Ausführlicher Bildnachweis und Baugeschichte.
Walter Gropius, Alexander Cvijanovic und TAC verbanden den Fabrikbau mit Fragen des Materialflusses, der Erweiterbarkeit und der Arbeitsumgebung. Die künstlerischen Fassaden von Otto Piene, Friedensreich Hundertwasser und Marcello Morandini erweitern den Blick auf das Verhältnis von Industrie und Kunst. Produkt, Gebäude und Stadtraum bleiben dabei unterschiedliche Aufgaben, die im Umfeld des Unternehmens aufeinander bezogen wurden. (SLQ01)
Die bereits vorhandenen Artikel über Rothbühl, die Glaskathedrale in Amberg und die Regenbogenstadt mit der Dritten Haut behandeln diese Architektur- und Stadtraumgeschichte ausführlicher. Die Studio-Line bildet dazu die Geschichte der Produkte und ihrer gestalterischen Vermittlung.
Die Reihe blieb über den ursprünglichen Gründungszeitraum hinaus ein Bezugspunkt für neue Entwürfe und die erneute Auseinandersetzung mit älteren Formen. Zum 60-jährigen Bestehen 2021 stellte Rosenthal „Sixty & Twelve“ vor: ausgewählte Vasenformen in einer gemeinsamen Palette von zwölf Farben. Zugleich erschien Hop von Sebastian Herkner. Eine historische Form und ihre Jubiläumsausführung sind dabei als zwei verschiedene Datierungsebenen zu erfassen. (SLQ14)
Das ist eine mögliche Form der Fortführung: Ein Entwurf wird in eine neue Farb- oder Materialwirkung übersetzt, ohne dass seine Grundidee zwangsläufig neu ist. Daneben entstehen neue Formen. Der Zusammenhang zwischen Pflege eines Klassikers und Suche nach neuen Lösungen gehört weiterhin zur Geschichte der Linie. Der Artikel dokumentiert diese Entwicklung anhand datierter Veröffentlichungen und behauptet keine vollständige Bestandsaufnahme des aktuellen Verkaufssortiments.
| Form / Programm | Gestalter | Einordnung |
|---|---|---|
| Form 2000 | Raymond Loewy / Richard Latham | 1954; wichtiger Vorläufer der offiziellen Studio-Line. SLQ06 |
| Berlin | Hans Theo Baumann | Entwurfsjahr 1958/59 im Museumsnachweis. SLQ09 |
| Variation | Tapio Wirkkala | 1962; frühes Serviceprogramm. SLQ03 |
| Lotus / Romanze | Bjørn Wiinblad | Eigenständige ornamentale Handschrift; konkrete Ausführung gesondert datieren. SLQ03, SLQ08 |
| Duo | Ambrogio Pozzi | Entwicklung 1967/68; funktionales Formprogramm. SLQ10 |
| Zauberflöte | Bjørn Wiinblad | 1968/69 in den geprüften Herstellerdarstellungen; Relief und Opernbezug. SLQ08 |
| TAC | Walter Gropius / Louis McMillen | 1969; spätere Erweiterungen vom ursprünglichen Programm trennen. SLQ04, SLQ14 |
| Plus | Wolf Karnagel | Um 1970; werkstoffübergreifendes Tischprogramm. SLQ17, SLQ18 |
| Suomi | Timo Sarpaneva | 1976; organische Gefäßwirkung. SLQ11 |
| Century | Tapio Wirkkala | Entwurfszeichnung 1977, vorgestellt 1979. SLQ13, SLQ15 |
| Color | Marcello Morandini | Objektcharakter und farbige geometrische Anbauteile; Foto ohne Editionsnachweis. SLQ16 |
| Cupola / Flash | Mario Bellini / Dorothy Hafner | Unterschiedliche Richtungen der 1980er Jahre. SLQ06 |
| Moon | Jasper Morrison | 1997; zurückhaltende Alltagsgestaltung. SLQ12, SLQ14 |
| Landscape | Patricia Urquiola | 2008; Tafelkonzept. SLQ14 |
Der Hersteller unterscheidet bei den Studio-Line-Bodenmarken einen älteren Zeitraum 1961–1999 und eine veränderte Kennzeichnung ab 1999. Solche Markenübersichten geben Orientierung. Sie liefern nicht automatisch ein taggenaues Herstellungsdatum, und sie bestimmen auch nicht allein Form, Dekor oder Auflage. (SLQ19)
Für eine brauchbare Objektdokumentation gehören zusammen: Ansichten des vollständigen Gegenstands, Unterseite, Marken, Nummern, Maße, Material und vorhandene Beilagen. Bei mehrteiligen Gruppen sollte jedes Teil erfasst werden. Nur so lässt sich erkennen, ob beispielsweise Kanne und Deckel zusammengehören oder ein Service über verschiedene Produktionszeiten ergänzt wurde.
Eine Entwerfersignatur bezeichnet häufig den Urheber des Designs. Sie ist nicht ohne Weiteres eine persönliche Bemalungs- oder Herstellersignatur des konkreten Stückes. Bei Editionen sind die auf dem Objekt ausgewiesene Begrenzung und gegebenenfalls Zertifikat oder Katalog maßgeblich. Der Hajek-Teller SL07/SL08 zeigt, wie viele Informationen eine gut lesbare Rückseite liefern kann.
| Zeitpunkt | Entwicklung |
|---|---|
| Vor 1950 | Künstlerische Porzellangestaltung und Kunstabteilung als Vorgeschichte. SLQ01 |
| 1950 / 1952 | Philip Rosenthals Eintritt und Übernahme der Produktgestaltung. SLQ01 |
| 1954 | Form 2000; Ausbau besonderer Präsentationsabteilungen. SLQ06, SLQ01 |
| 1958 | Design-Studio, Gruppe 21 und früher Studio-Linien-Bezug in der undatierten Funduschronik. SLQ02 |
| 1958/59 | Entwurf Berlin nach Museumsnachweis. SLQ09 |
| 1960 | Erstes Studio-Haus in Nürnberg. SLQ20 |
| 1961 | Beginn der Studio-Line als benanntes Markenprogramm; beratende Fachjury. SLQ01 |
| 1962 | Variation von Tapio Wirkkala. SLQ03 |
| 1964 | Nach der Unternehmensbroschüre Anregung Arnold Bodes und erste Versuche zu Kunsteditionen. SLQ01 |
| 1967/68 | Duo von Ambrogio Pozzi. SLQ10 |
| 1968 | „ars porcellana“ und Relief-Reihe; limitierte Objekte. SLQ01 |
| 1968/69 | Zauberflöte im Umfeld von Entwurf und erster Vorstellung. SLQ06, SLQ08 |
| 1969 | Vorstellung TAC. SLQ14 |
| Um 1970 | Plus als umfassendes Tischprogramm. SLQ18 |
| 1973 | Beginn einer Künstlerteller-Edition nach der Jubiläumsbroschüre. SLQ01 |
| 1976 | Suomi. SLQ11 |
| 1977 | Bezeichnung Limitierte Kunstreihen für neue Objekte; Century-Zeichnung datiert. SLQ01, SLQ15 |
| 1979 / 1980 | Century vorgestellt; Jubiläumskennzeichnung und Hajek-Jahresteller. SLQ13, SLQ16 |
| 1997 | Moon von Jasper Morrison. SLQ12 |
| 2002 | Fundusprospekt dokumentiert TAC 02 als Fortführung. SLQ04 |
| 2008 | Landscape von Patricia Urquiola. SLQ14 |
| 2014 | Perspectives dokumentiert neue Gestalter und Hochschulkooperation. SLQ13 |
| 2021 | 60 Jahre Studio-Line; Sixty & Twelve und Hop. SLQ14 |
Die umfangreichste zusammenhängende historische Grundlage ist die Rosenthal-Jubiläumsbroschüre von 2004 mit Texten von Petra Werner. Sie ist eine namentlich verantwortete Unternehmensdarstellung. Daneben enthält der Download-Fundus knappe Chroniken und Textsammlungen, deren ursprüngliche Publikationsdaten zum Teil fehlen. Die Zahl paralleler Dateien ist kein Maß für die Zahl unabhängiger Quellen.
Einige Unterschiede sind für die weitere Erschließung besonders wichtig: 1958 und 1961 betreffen verschiedene Darstellungen des Programmstarts; 1968, 1973 und 1977 unterschiedliche Schritte der Kunsteditionen. Century ist Wirkkala zuzuordnen, nicht Wiinblad. TAC bezeichnet The Architects Collaborative. Bei Zauberflöte bleibt die zeitliche Abgrenzung 1968/69 offengelegt. Für Auflagen gilt stets der konkrete Editionsnachweis.
Die historische Fotografie zeigt ein bestimmtes Motiv, aber nicht automatisch alle Merkmale des Objekts. Ein Dateiname kann eine wertvolle Suchhilfe sein und trotzdem eine ungenaue oder nur vorläufige Bestimmung enthalten. Deshalb werden ungesicherte Form-, Dekor-, Fotografen- und Jahresangaben nicht durch scheinbar genaue neue Angaben ersetzt. Die hier versammelten Quellen erlauben eine breite Geschichte der Studio-Line, keine abschließende Authentifizierung aller Einzelstücke des Fundus.
Lokale Dateien stammen aus „Porzellan Version 2024 / Selb / Rosenthal“, den zugehörigen Textsammlungen und „Webseite porzellan-selb / Webseite Juli 2020“. Gedruckte Seitenzahlen und PDF-Seiten werden getrennt genannt. Onlinequellen wurden am 15. Oktober 2026 geprüft. Herstellertexte dienen als Nachweise von Programmen, Daten und eigener Darstellung; werbliche Superlative und pauschale Wertversprechen werden nicht übernommen.
Petra Werner: „125 Jahre Rosenthal – Das Originale unserer Zeit“, Begleitbroschüre, © Rosenthal AG 2004. Lokale Datei „RAGJubilaeumsausstellung_dt.pdf“, 8 PDF-Seiten mit gedruckten Doppelseiten. Redaktion Astrid Kühn / Beate Reichel. New Look und Vertrieb: gedruckte S. 7; Programm und Jury S. 8; Wohnen, Architektur und Selb S. 9; Relief-Reihe, Kunsteditionen und Künstlerteller S. 10–11; Nachwuchsprojekte S. 14. PDF-Seiten 4–6 vollständig visuell geprüft, Text der gesamten Broschüre ausgewertet.
„Geschichte Rosenthal“, undatierte zweiseitige Chronik im Fundus. Verwendet für die abweichende Studio-Linien-Datierung 1958 und den Zusammenhang von Design-Studio und Gruppe 21. Herkunft und ursprünglicher Veröffentlichungsstand sind nicht eindeutig. Die Kurzangaben werden mit namentlich verantworteten Herstellerunterlagen verglichen.
„Geschichte Rosenthal“ / Designgeschichtliche Textsammlung, im Scrivener-Fundus „Porzellanindustrie-Nordbayern“ überliefert, unter anderem Textdatei C76724C6-E1E3-478E-B9E9-57D87C5347EC. Unvollständige Bibliografie und einzelne fehlerhafte Zuschreibungen; nur mit Gegenprüfung verwendet. Der darin enthaltene Century-Eintrag wird nicht übernommen. Weitere, teilweise parallele Textstände sind im redaktionellen Rechercheverzeichnis erfasst.
Rosenthal AG: „Gropius-Service“ / „TAC 02“, Prospekt mit Layoutdatum 9. Juli 2002. Lokale Datei „porzellan_rosenthal_tac.pdf“, 4 PDF-Seiten. Titel nennt Walter Gropius / Louis McMillen; PDF-S. 2 beschreibt Geometrie, Griff- und Deckellösung sowie die spätere Programmerweiterung. Für die Trennung ursprünglicher Entwurf und TAC-02-Fortführung.
Rosenthal AG: „Kunst | Räume – Rosenthal … mehr als Kunst!“, lokaler Prospekt „RSL_kunstraeume.pdf“, 20 PDF-Seiten, unter anderem mit Jahreskollektion 2005; genaues Erscheinungsjahr nicht eindeutig ausgewiesen. Verwendet für Sortimentsbreite und unterschiedliche Limitierungsarten. Zeitlich limitierte Dosen PDF-S. 6, Glass Art S. 8–9, Andy-Warhol-Collection S. 10–15, weitere Objekte und Uhren S. 16–18. Kein aktueller Verkaufskatalog.
Rosenthal: „studio-line: Designikonen und Moderne“. Herstellerüberblick. Verwendet zur Gegenprüfung des Markenbeginns, für Form 2000 und ausgewählte Entwurfszuordnungen. Einzelne Datierungen weichen von anderen Herstellerseiten ab; siehe Zauberflöte. Keine Übernahme aktueller Werbe-, Preis- oder Gesamtleistungsangaben.
Rosenthal: „Tapio Wirkkala“. Gestalterporträt. Für Variation, Polygon, Materialauffassung und Tütenvasen. Ergänzt die lokalen Objektfotos; diese werden dadurch nicht einzeln authentifiziert.
Rosenthal: „Bjørn Wiinblad und Rosenthal“. Gestalterporträt. Für Romanze, Zauberflöte, Opernbezug und Reliefgestaltung. Diese Seite nennt die erste Vorstellung 1969, der allgemeine Herstellerüberblick 1968. Die Abweichung bleibt sichtbar.
Stiftung Deutsches Design Museum / Deutsche Fotothek, vermittelt durch die Deutsche Digitale Bibliothek: „Rosenthal Studio Linie Berlin von Hans Theo Baumann“. Bestandsnachweis. Entwurfsjahr 1958/1959; Bildnachweis unbekannter Fotograf, Rosenthal-Bilderdienst. Die dortige Fotografie wird nicht übernommen.
Ausstellungskatalog Ambrogio Pozzi, im Repositorium der Universität Insubrien, Abschnitt zu Rosenthal/Duo, gedruckte S. 80. Katalog. Entwicklung 1967/68. Ergänzend Franco Bertoni, „Ambrogio Pozzi: From the Pure Line to the Last Works“, Zbornik des Museums für angewandte Kunst Belgrad 4–5/2008–2009, online indexierter Text nennt 1968; Voll-PDF über den Recherchezugang nicht verfügbar. Keine pauschale Übernahme von Auszeichnungslisten.
Rosenthal: „Timo Sarpaneva“. Gestalterporträt. Für Suomi, Einführung 1976 und organische Gestaltauffassung. Keine Übernahme einer pauschalen Gleichsetzung aller skandinavischen Entwürfe.
Rosenthal: „Jasper Morrison und die Moon-Kollektion“. Gestalterporträt. Für Moon, 1997, und zurückhaltende Alltagsgestaltung. Die Schreibweise der verlinkten Herstelleradresse lautet „morisson“.
Rosenthal: „Perspectives 2014“, publiziert auch über die damalige Fachhochschule Bielefeld. Magazin. Für Hochschulkooperation und die ausdrückliche Angabe Century, Tapio Wirkkala, vorgestellt 1979, im Abschnitt „Highlights“, PDF-S. 61 (gedruckte S. 61). Verwendet als datierte Herstellerpublikation, nicht als aktueller Katalog.
Rosenthal: „The Originals of Our Time: the Sixty & Twelve anniversary collection“, Pressemitteilung 16. März 2021. Mitteilung. Für ausgewählte Einführungsjahre, Jubiläum 2021, zwölf Farben, Hop und die beschriebenen Herausforderungen durchgefärbter Masse. Aussagen zum damaligen Sortiment sind zeitgebunden.
Centre Pompidou: Tapio Wirkkala, „Elévation et vue de haut, verseuse du service à café Century“, 18. Mai 1977, Inventarnummer AM 1993-1-776. Werkdatensatz. Datierter Entwurfsnachweis für Century. Das Zeichnungsdatum wird vom Jahr der Markteinführung getrennt; das geschützte Museumsbild wird nicht übernommen.
Download-/Webseitenfundus Stefan Strößenreuther. Ausgewählte Gestalter- und Objektfotos aus „Webseite Juli 2020“. Die historischen Startseiten-Beschriftungen identifizieren Wiinblad, Pozzi und Karnagel. Neun ausgewählte Rasterfotos wurden ohne zusätzlichen Beschnitt und mit unveränderter Auflösung verlustfrei als WebP abgeleitet; vorhandene Fotovermerke bleiben erhalten. Hinzu kommen die vollständige gerasterte Broschürenseite SL10 und das bereits im Wiki erschlossene Bild GR01 als SL11. Genaue Dateizuordnung im redaktionellen Bildregister.
Tagesspiegel: „Wolf Karnagel: Wer formen will, muss fühlen“, Gesprächsporträt. Artikel. Für die Bedeutung des Programms Plus und Karnagels Orientierung an Gebrauch und Handkontakt. Keine Übernahme journalistischer Persönlichkeitsurteile über andere Beteiligte.
Historische Presse- und Gestaltertexte im Download-Fundus, unter anderem zusammengeführte Texte „Das Duell Hutschenreuther und Rosenthal“ sowie „Porzellan Service Designer“. Die Presseabschrift nennt Plus bereits für Frühjahr 1970, die Gestalterdarstellung beschreibt den werkstoffübergreifenden Ansatz. Im Scrivener-Bestand unter 164316B9-C2FF-4520-A5E6-2953DD31F664 überliefert. Originalheftdaten nicht vollständig gesichert; keine damaligen Plagiatsvorwürfe oder Finanzzahlen als eigene Feststellung übernommen.
Rosenthal: „Alters- und Wertbestimmung von Rosenthal-Porzellan“, Abschnitt Bodenmarken. Herstellerübersicht. Nur für die Markenzeiträume 1961–1999 und ab 1999 verwendet. Pauschale Wertangaben und Aussagen zur Fälschungssicherheit werden nicht übernommen.
Rosenthal: Unternehmensgeschichte, Abschnitte „1960 – The first Studio House is opened in Nuremberg“ und „1961 – Creation of the Rosenthal studio-line“. Herstellerchronik. Bestätigt die Abfolge Studio-Haus vor offizieller Marke und ergänzt die lokale Jubiläumsbroschüre.
| Kennung | Original / Überlieferung | Nachweis und Grenze |
|---|---|---|
| SL01 | studio-linie-rosenthal_1.jpg |
Wiinblad nach historischer Webseitenbeschriftung; Fotograf/Jahr offen. |
| SL02 | studio-linie-rosenthal_Pozzi.jpg |
Pozzi nach historischer Webseitenbeschriftung; konkretes Modell/Jahr offen. |
| SL03 | Tea_for_Two_wirkkala_1.jpg |
Funduszuordnung; keine vollständige Einzelobjektbestimmung. |
| SL04 | Tea_for_Two_wirkkala_3.jpg |
Gleiche Bildreihe; Dekorname und Dekorentwerfer nicht gesichert. |
| SL05 | Wolf_Karnagel_studio-linie-rosenthal_16.jpg |
Karnagel nach Webseitenbeschriftung; Ort/Jahr/Fotograf offen. |
| SL06 | Color-Morandini-2-1.jpg |
Funduszuordnung Morandini/Color; Ausführungsjahr und Auflage des abgebildeten Ensembles offen. |
| SL07 | Hajekt-Rosenthal-Studio-Linie_01.jpg |
Otto Herbert Hajek, Jahresteller 1980 nach Rückseite; Fotovermerk Stefan Stroessenreuther 2015. |
| SL08 | Hajekt-Rosenthal-Studio-Linie_5.jpg |
Rückseiten- und Markenfoto; gleicher Fotovermerk 2015. |
| SL09 | Rosenthal-Studio-Line.jpg |
Detail mit Vasarely-Beschriftung; Gesamtobjekt nicht vollständig zu sehen. |
| SL10 | RAGJubilaeumsausstellung_dt.pdf, PDF-S. 4 |
Gedruckte Doppelseite 6–7; © Rosenthal AG 2004, Text Petra Werner; vollständiges Seitenbild bei 1600 Pixeln. |
| SL11 | Bereits vorhandenes Bild GR01 |
Werk am Rothbühl; bestehender Herkunftsnachweis. |
Sammlungsherkunft: Stefan Strößenreuther. Das Eigentum an Archivvorlagen ist von den Rechten an Fotografien, künstlerischen Entwürfen und Publikationen zu unterscheiden. Die genannten Künstler bleiben als Urheber ihrer Entwürfe ausgewiesen; unbekannte Fotografen werden nicht pauschal dem Sammlungsinhaber zugeschrieben. Bestehende Bildvermerke bleiben erhalten. Der gemeinsame Bild- und Nutzungshinweis des Wikis lässt Rechte Dritter und gesetzliche Erlaubnisse unberührt.
Rosenthal – die Unternehmensgeschichte verbindet die Studio-Line mit der Gründung 1879, älteren Kunstabteilungen, Werksentwicklung, Eigentümerwechseln und jüngster Umstrukturierung.
Der ausführliche biografische Überblick verbindet die Programme der Studio-Line mit Ausbildung, Arbeitsfeldern und konkreten Beiträgen der Gestalter. Er behandelt auch Fischer-Treydens Vermittlungsarbeit, Nairacs Dekorentwicklung, Lathams Mitwirkung an Form 2000 und die getrennten Beiträge Hafners und Wirkkalas zu New Wave. Mit acht Abbildungen und Quellen.
Rosenthal Selb-Plößberg / Bahnhof Selb stellt die frühe Studio-Line in den Zusammenhang der alten Zeidler-Fabrik: Beschäftigte, künstlerische Entwürfe, industrielle Umsetzung und spätere Verlagerung an den Rothbühl. Historische Werkansichten ergänzen die Produktgeschichte.