Kurt Wendler (20. Juni 1893, Magdeburg – 13. Juni 1980, Bad Nauheim) war Grafiker, Maler, Dekorentwerfer und Fotograf. Seine farbintensiven Indra-Porzellane für Rosenthal gehören zu den markanten Erscheinungen der dekorativen Kunst der frühen 1920er Jahre. Doch sein Werk reicht weit darüber hinaus: Er gestaltete Korbwaren und Kleinmöbel, Luxusverpackungen, Tapeten und Stoffmalereien, entwarf Bühnenausstattungen und Filmplakate und arbeitete als Porträt- und Pressefotograf. Die Verbindung von Naturbeobachtung, bewegter Linie und fantasievoller Farbigkeit zieht sich durch diese unterschiedlichen Arbeitsfelder. (KWQ01, KWQ15)
KW01 · Porzellan mit Dekoren Kurt Wendlers. Farbige Gefäße aus dem Webseitenfundus Stefan Strößenreuther. Bildnachweise.
Seine Biografie führt von Magdeburg über Wernigerode nach Berlin, während des Nationalsozialismus in Haft und nach Belgien und schließlich nach Frankfurt, Bad Vilbel und Bad Nauheim. Die hier ausgewertete Sammlung enthält nicht nur Bilder seiner Arbeiten, sondern auch historische Zeitschriftenseiten, Fotografien, Briefe, persönliche Rückblicke und die Forschungsunterlagen von Heinz Hoever. Aus diesen verschiedenen Quellengruppen entsteht ein breiteres Bild als aus einer kurzen Designerbiografie. Offene Datierungen und nachträgliche Erinnerungen bleiben als solche erkennbar. (KWQ01, KWQ14)
Wendler wurde 1893 in Magdeburg-Buckau geboren. Sein Vater Robert war Ingenieur; seine Mutter hieß Auguste, geborene Koch. Hoever berichtet nach einer standesamtlichen Auskunft die eingetragenen Vornamen Curt Hans Hermann Adalbert. Bekannt wurde der Künstler unter der Schreibweise Kurt Wendler. Ältere Angaben, die Wernigerode zum Geburtsort machen, sind deshalb zu korrigieren: Wernigerode war ein späterer Wohn- und Arbeitsort. (KWQ01, PDF-S. 4; KWQ04)
Auf Wunsch des Vaters begann er 1909 eine gärtnerische Ausbildung in den Grusonschen Gewächshäusern in Magdeburg. Die Begegnung mit ungewöhnlichen Pflanzen, exotischen Tieren und fremdartigen Naturformen wurde in den späteren biografischen Darstellungen als prägend für seine Fantasie beschrieben. Hoever nennt für den anschließenden Aufenthalt an der Königlichen Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Geisenheim am Rhein den Zeitraum 15. März 1911 bis 14. Februar 1912. Ein regulärer künstlerischer Akademieabschluss ist in den ausgewerteten Unterlagen nicht belegt. Malerei und Grafik erschloss sich Wendler im Selbststudium. (KWQ01, PDF-S. 5–6)
Die Pflanzenwelt war für ihn später mehr als ein Vorrat hübscher Einzelmotive. Blätter konnten zu Flammen werden, Blüten zu Fächern, Tierkörper zu geschwungenen Linien. Naturbeobachtung und freie Erfindung gingen ineinander über. Franz Servaes beschrieb außerdem Wendlers Interesse an Käfern, Schmetterlingen und naturkundlichen Bildwerken. Die ungewöhnlichen Formen seiner Arbeiten entstanden somit aus genauem Hinsehen und bewusster Umgestaltung. (KWQ08)
Im Ersten Weltkrieg war Wendler Soldat und wurde verwundet. Die erhaltene Urteilsabschrift von 1943 nennt dafür die Jahre 1914 bis 1916. Nach der Entlassung lebte er zunächst bei den Eltern in Wernigerode. Seine späteren Selbstzeugnisse schildern eine deutliche Ablehnung des Krieges; diese Texte sind rückblickende Deutungen seines eigenen Lebens. (KWQ04, Blatt 1; KWQ03)
Im August 1917 ging Wendler nach Berlin. Eine Zeit lang arbeitete er als Schaufensterdekorateur bei Wertheim. Schon im Oktober 1917 zeigte der Kunstsalon Erick Blydt am Kurfürstendamm seine Arbeiten. Im April 1918 folgte dort die Sonderausstellung „Träume im Bilde“. Diese Abfolge wird bereits in der im Fundus überlieferten zeitgenössischen Darstellung von 1921 genannt. Spätere Rückblicke ziehen beide Ausstellungen gelegentlich zusammen. (KWQ06)
KW02 · Der junge Kurt Wendler. Im Archiv als Aufnahme von 1917 bezeichnet. Überlieferung: CD-Hoever, Biografie-Unterlagen, Sammlung Stefan Strößenreuther.
Wendlers Bilder boten dem Kriegspublikum eine farbige, fantastische Gegenwelt. In der damaligen Kunstkritik wurden Vergleiche mit Gustav Klimt gezogen. Daraus lässt sich jedoch kein Schülerverhältnis ableiten. Die zeitgenössische Darstellung betont vielmehr, Wendler habe Klimts Werk zunächst kaum gekannt. Entscheidend war die Nähe der dekorativen Wirkung: bewegte Konturen, dichte Ornamentik, starke Farben und das Zusammenspiel figürlicher und pflanzlicher Formen. (KWQ06, KWQ08)
In diesem Umfeld gewann Geheimrat Philipp Rosenthal (1855–1937) Wendler als freien Mitarbeiter für Porzellandekore. Gemeint ist der Unternehmensgründer, nicht sein Sohn Philip Rosenthal (1916–2001). Der ausführliche Archivtext setzt den entscheidenden Kontakt 1918 an; spätere journalistische Rückblicke nennen bereits 1917. Gesichert ist die frühe Berliner Phase als Ausgangspunkt der Verbindung. Hoever datiert die erste Präsentation der Indra-Porzellane auf der Leipziger Frühjahrsmesse auf 1919. (KWQ01, PDF-S. 9–10; KWQ02, KWQ13)
Bei Rosenthal fand Wendlers Fantasie einen Werkstoff, auf dem Farben, Glanz und Linien eine besondere Intensität gewinnen konnten. Seine Entwürfe begegnen auf Vasen, Deckeldosen, Schalen, Tassen, Servicegeschirr, Zigarettenetuis und Schmuck. Der Dekor richtet sich nach der Fläche des jeweiligen Gegenstandes: Er umspielt einen Gefäßbauch, verdichtet sich am Hals oder setzt einen Knauf und einen Rand in Beziehung zum übrigen Bild. (KWQ06, KWQ09)
Die Bezeichnung Indra steht für diesen besonders farbkräftigen Bereich seiner Rosenthal-Arbeiten. Palmen, Wellen, Fische, Vögel, Elefanten, verschlungene Ranken und fantastische Gestalten treten in wechselnden Kombinationen auf. Rot, Blau, Schwarz und Gold können dichte Kontraste bilden. In den historischen Texten spielt das „Indrarot“ eine hervorgehobene Rolle. Die Autoren beschreiben es als eine für die gewünschte Wirkung entwickelte beziehungsweise durchgesetzte Farbe. Eine überprüfte chemische Rezeptur oder eine vollständige technische Entwicklungsgeschichte enthält das ausgewertete Material nicht. (KWQ06, KWQ13)
Die zeitgenössischen Besprechungen machen deutlich, dass die Wirkung über ein nachträglich aufgebrachtes Schmuckmotiv hinausgehen sollte. Die Farbe verändert den Eindruck des ganzen Gefäßes. Der Artikel „Edle Porzellane“ von 1928 hebt die Variation verwandter Motive zwischen einzelnen Teilen eines Services hervor. Solche Beschreibungen belegen den gestalterischen Anspruch; sie ersetzen kein vollständiges Werkverzeichnis und keine Untersuchung jedes erhaltenen Stückes. (KWQ09)
Für die Einordnung eines Fundstücks sind deshalb Form, Dekor, Fabrikmarke, Entwerfersignatur und mögliche Malerzeichen getrennt zu erfassen. Wendler war vor allem Dekorentwerfer; aus der Zuschreibung eines Dekors folgt nicht automatisch, dass er die Gefäßform modellierte oder das betreffende Exemplar eigenhändig bemalte. Auch ein Foto, das nur die Vorderseite zeigt, kann Herstellungsjahr und Ausführung nicht abschließend bestimmen. Im Fundus liegen dazu zahlreiche Aufnahmen von Objekten und ihren Unterseiten sowie Hoever zugeschriebene Dekorlisten vor. (KWQ06, KWQ18)
Neben Indra erscheint die Bezeichnung Asra auch bei Rosenthal-Porzellanen. Hoever beschreibt hier besonders Gold- und Lachstöne. Die auf der Abbildung sichtbare Vogelgestalt, die feinen Ranken und die zurückhaltender behandelte weiße Fläche zeigen eine andere Farbwirkung als die dichten Indra-Kompositionen. Die genaue Zuordnung eines Einzelstückes sollte aber zusätzlich durch Marken-, Katalog- und Objektvergleich abgesichert werden. (KWQ01, KWQ18)
KW03 · Vase mit rotem Vogeldekor. Aufnahme aus dem Webseitenfundus Stefan Strößenreuther.
Porzellanschmuck und Etuis erweiterten das Einsatzgebiet des Werkstoffs. Kleine bemalte Plaketten konnten zu Schmuckstücken verbunden werden; ein Etui verband Behältnis und dekoratives Accessoire. Die historischen Texte zeigen, wie sehr solche Gegenstände als persönliche Geschenke und als modische Ergänzung verstanden wurden. Ihre Werbeaussagen, etwa zur Einmaligkeit einer Erfindung oder zur erwarteten Sammlerbeliebtheit, sind als zeitgenössische Verkaufsargumente zu lesen. (KWQ09)
Die Sammlung dokumentiert außerdem spätere Rosenthal-Ausführungen mit älteren Wendler-Motiven, unter anderem im Umfeld Classic Rose/Purpur, von Hoever ungefähr 1988 bis 1990 eingeordnet. Diese Stücke dürfen nicht allein wegen eines Dekors auf die frühen 1920er Jahre datiert werden. Sie sind auch kein Beleg für eine erneute persönliche Zusammenarbeit nach Wendlers Tod 1980. Eine vollständige Aufstellung der späteren Ausführungen und ihrer Laufzeiten bleibt eine eigene Aufgabe. (KWQ01, PDF-S. 33)
Ende 1918 kehrte Wendler nach Wernigerode zurück. Über das Kunstgewerbehaus Tetzner wurden seine Arbeiten ausgestellt und verkauft. Die Wohn- und Arbeitsadresse Kreuzberg 20 ist in Hoever überlieferten Adressbuchkopien von 1922 und 1926 nachgewiesen. Die Bezeichnung „Berliner Werkstätte für zeitgemäße, angewandte Kunst“ knüpfte an die ersten Erfolge in der Hauptstadt an. Raum-, Flächen-, Werbe- und Kleinkunst bildeten ein weit gefasstes Tätigkeitsprogramm. (KWQ01, PDF-S. 11–16)
In Wernigerode heiratete er die Schriftstellerin und Journalistin Lucia Meyer. Die ältere Kurzfassung von 1997 nennt 1921, die ausführlichere Fassung von 2001 und der Magdeburger Lexikoneintrag 1922. Hier wird deshalb 1922 nach dem späteren Forschungsstand verwendet; ein neu geprüfter standesamtlicher Heiratsnachweis liegt diesem Artikel nicht zugrunde. 1926 wurde die Tochter Ingeborg geboren, später unter dem Namen Inge Fuhrmann eine entscheidende Auskunftsperson für die Erforschung des Nachlasses. (KWQ01, KWQ02, KWQ15)
Das Werkstattprogramm erklärt, warum ähnliche Motive auf so unterschiedlichen Materialien wiederkehren. Nicht jedes Arbeitsfeld war bloß ein Nebenverdienst. Wendler erprobte, wie sich seine Bildwelt auf glänzendes Porzellan, bemalte Gewebe, flache Möbeleinlagen oder eine bedruckte Verpackung übertragen ließ. Die Zusammenarbeit mit Herstellern erforderte dabei technische Anpassungen und Verfahren, mit denen sich seine Entwürfe wiederholen ließen. (KWQ06)
Wendlers Bildwelt bestand nicht nur aus heiteren Tieren, Pflanzen und kostbaren Geschenkartikeln. Für 1919 beschreibt Hoever die Beteiligung an einer Ausstellung im Kunstgewerbehaus Halle mit dem zeitkritischen Fächerentwurf beziehungsweise Zyklus „Die über Leichen tanzen“. Tanzende, teuflische Gestalten begegnen darin Chaos, Flammen und Blutströmen. Der Entwurf brachte die Erfahrung von Krieg und gesellschaftlicher Erschütterung in eine dekorativ bewegte Form. (KWQ01, PDF-S. 12)
Diese Arbeit ist von der Leipziger Messepräsentation der Porzellane zu unterscheiden. In kürzeren Darstellungen werden die beiden Ereignisse gelegentlich zusammengezogen. Die im ausführlichen Manuskript ausgewertete Saale-Zeitung verweist dagegen auf den Hallenser Ausstellungszusammenhang. Aus dem Motiv allein folgt keine vollständige politische Programmatik; es zeigt aber, dass Wendlers Fantasiesprache auch Verstörung und Kritik ausdrücken konnte. (KWQ01, PDF-S. 12)
Für Korbkunst Hildburghausen, verbunden mit dem Namen des Fabrikanten Olgar Friedrich, gestaltete Wendler farbige Padma-Einlagen. Diese fanden auf Tabletts, Teewagen und Tischflächen Verwendung. Der zeitgenössische Artikel von 1921 schildert eine längere Entwicklungsarbeit, bei der Künstler und Betrieb die künstlerische Wirkung mit einer praktikablen Herstellung verbinden mussten. Wendler soll dafür selbst längere Zeit in der Fabrik gearbeitet und Beschäftigte in die Verfahren eingewiesen haben. (KWQ06)
KW04 · Teewagen mit Padma-Einlagen. Historische Zeitschriftenseite zum Beitrag „Padma von Kurt Wendler“, im Archiv 1921 zugeordnet, S. 22. Überlieferung: CD-Hoever.
Die Einlage ist die vermittelnde Fläche zwischen Möbelkonstruktion und Bild. Das Geflecht bildet den Rahmen, während Wendlers Entwurf eine farbige Mitte schafft. Dadurch konnten sich einheitlich hergestellte Möbel unterscheiden, ohne dass ihre ganze Konstruktion für jedes Bildmotiv verändert werden musste. Der Artikel zeigt auch, dass Serienfertigung und individuelle Wirkung bereits damals gemeinsam verhandelt wurden. (KWQ06)
Asra bezeichnet im Wendler-Fundus außerdem Luxuspackungen der Kartonagenfabrik Max Armbruster in Hamburg-Bergedorf. Diese Verwendung ist von der gleichnamigen Porzellangruppe zu unterscheiden. Die Entwürfe machten die Verpackung selbst zum gestalteten Gegenstand: Deckel, Wandungen, Umriss und Bildmotiv sollten gemeinsam wirken. Die überlieferten Zeitschriftenseiten von 1921 zeigen unterschiedliche Schachtelformen mit figürlichen und ornamentalen Dekoren. (KWQ06)
KW05 · Asra-Luxuspackungen. Tafel mit runden, ovalen und geschweiften Verpackungen, im Archiv als 1921, S. 91 bezeichnet. Überlieferung: CD-Hoever.
Luxuspackungen verbanden Gebrauch, Werbung und Geschenkcharakter. Das Produkt sollte über seine Aufmachung Aufmerksamkeit erregen; die aufwendig gestaltete Hülle konnte nach dem Auspacken erhalten bleiben. Der im Fundus überlieferte Text „Graphische und dekorative Arbeiten“ beschreibt gerade diese unmittelbar vom Gegenstand ausgehende Anziehungskraft. Damit berührt Wendlers Arbeit ein zentrales Thema der angewandten Kunst: Ein Entwurf muss zugleich als Bild und als verkäuflicher Gebrauchsgegenstand funktionieren. (KWQ06)
Die Kollektion „Bizarre Form“ entstand für die Sächsische Tapetenindustrie C. Wilhelm Wulf in Leipzig-Plagwitz. Die im Fundus vorhandene Abschrift der Tapeten-Zeitung Nr. 16 von 1922 beschreibt sechs Muster: „Tempelschätze“, „Blütenspiel“, „Nachtvogel“, „Kurtisane“, „Waldtiere“ und „Kurzweil“. Sie waren vor allem für Theater, Kinos, Tanzlokale und ähnliche öffentliche Vergnügungsräume gedacht. Die ungewöhnlich dichte und bewegte Gestaltung sollte in diesen Räumen eine besondere Atmosphäre schaffen. (KWQ07)
KW06 · Tapete „Kurtisane“ im Deutschen Tapetenmuseum Kassel. Entwurf der Kollektion 1922 nach der Archivbeschriftung.
Hoever konnte die im historischen Foto des Wernigeröder Empfangszimmers sichtbare Wandbekleidung mit dem Muster „Kurtisane“ verbinden. Sein Forschungsbericht verweist dazu auf eine Auskunft des Tapetenmuseums. Die Raumaufnahme zeigt, dass Wendler seine dekorativen Vorstellungen auch im eigenen Wohnumfeld erprobte. (KWQ01, PDF-S. 14–15)
Bei der Stoffmalerei arbeitete er unter anderem auf Seide und feinen Geweben. Franz Servaes widmete ihm den Beitrag „Kurt Wendler und seine Stoffmalereien“, im Fundus als Text aus Westermanns Monatsheften, September 1927, überliefert. Genannt werden Bildthemen wie Reiher, Elefanten, Schlangen, Schmetterlinge und nächtliche Landschaften. Der Kritiker stellte Wendlers reich geschmückte Fantasiewelt der damals diskutierten Forderung nach möglichst schmucklosen Innenräumen gegenüber. (KWQ08)
1927 zog Wendler mit der Familie wieder nach Berlin. Nach der späteren Trennung von Lucia, die Hoever in der ausführlichen Fassung auf November 1930 datiert, entwickelte sich das Atelier am Nollendorfplatz 6 zu einem Mittelpunkt seiner Arbeit. Die Unterlagen beschreiben Räume für Malerei, Fotografie und Entwurf, ergänzt durch dekorative Ausstattungen und lebende Tiere. Solche Erinnerungen vermitteln die Atmosphäre; einzelne Anekdoten lassen sich nicht als überprüfter Inventarbestand lesen. (KWQ01, PDF-S. 17–21)
Für das Theater entwarf Wendler Bühnenbilder und Kostüme. Paul Friedrichs Beitrag „Phantastische Bühnenkunst“ von 1928 erläutert seine Hinwendung zur Bühne. Ein späterer Vermerk Wendlers verbindet diese Besprechung mit einer Tätigkeit für Haller-Revuen an der Berliner Scala. Auch die Erinnerungen eines jüngeren Atelierbesuchers erwähnen Arbeiten für das Revuetheater. Ein lückenloser Produktions- und Aufführungskalender ergibt sich daraus noch nicht. (KWQ09, KWQ01, PDF-S. 21)
Ab der Zeit um 1930 nahm die Filmplakatgestaltung einen wichtigen Platz ein. Der Fundus enthält Entwürfe und Reproduktionen für verschiedene Filmfirmen sowie eine von Hoever zusammengestellte Plakatliste. Die Unterlagen nennen unter anderem MGM, Ufa, Fox, Tobis und Terra. Plakate verbinden Gesicht, Bewegung, Titel und Farbkontrast zu einer Bildaussage, die aus größerer Entfernung lesbar sein muss. Damit änderte sich die Aufgabe gegenüber dem kleinen Porzellangegenstand, auch wenn die Sicherheit in der Flächenaufteilung erhalten blieb. (KWQ11)
KW07 · „Pantoffelhelden“ mit Weiss Ferdl. Filmplakatreproduktion, im Wendler-Fundus Kurt Wendler zugeschrieben. Original: 1934 9.JPG.
Die Plakatliste ist ein Forschungsinstrument, kein abgeschlossener Werkkatalog. Nicht jede spätere Nennung eines Filmtitels beweist eine erhaltene oder sicher signierte Wendler-Fassung. Bei einzelnen Filmen kann es mehrere Fassungen für verschiedene Länder und Aufführungstermine geben. Der Artikel übernimmt deshalb keine pauschale Gesamtzahl seiner Filmplakate. (KWQ11)
Parallel zur Grafik entwickelte Wendler die Porträtfotografie zu einem eigenen Arbeitsgebiet. Die Erinnerungen und Referenzen im Nachlass verbinden sein Atelier mit Revue-, Bühnen- und Filmangehörigen, darunter Brigitte Helm, Zarah Leander, Lil Dagover und Heinz Rühmann. Die Namen beschreiben das dokumentierte berufliche Umfeld; sie sind keine Identifizierung sämtlicher unbeschrifteter Porträtfotos im Fundus. (KWQ01, PDF-S. 19–21)
Seine fotografischen Überlegungen legte er in „Das schöne Frauenantlitz. Ein Maler hinter der Kamera“ nieder. Die ausführliche Biografie datiert die Veröffentlichung auf 1941, während einige Ordnernamen 1942 nennen. Die überlieferte Textfassung behandelt Bildaufbau, Proportion, Anatomie, Vorbereitung des Gesichts, Beleuchtung und Aufnahmepraxis. Wendler betrachtete das Foto aus der Perspektive eines Malers: Entscheidend waren die Wirkung von Licht und Schatten und die Ordnung der Formen im Bild. (KWQ10)
Daneben umfasst der fotografische Nachlass Aktstudien. Der Artikel ordnet diese als Bestandteil seiner fotografischen Tätigkeit ein. Die hier gezeigte Bildauswahl konzentriert sich auf Porzellan, andere Entwurfsfelder und die beruflichen Stationen; sie bildet kein vollständiges fotografisches Werkverzeichnis. Behauptungen über die Vernichtung einer bestimmten Auflagenhöhe seines Fotoheftes werden ohne gesonderte archivalische Prüfung nicht als feststehende Tatsache übernommen. (KWQ01, KWQ10)
Für Wendlers Haltung gegenüber dem NS-Regime ist ein erhaltenes Schreiben besonders wichtig. Der Karikaturist Victor Weisz, bekannt als „Vicky“, bestätigte ihm am 27. Juli 1948, dass Wendler ihm 1935 vor der Emigration nach England Unterkunft im Berliner Atelier gegeben und ihn 1934/35 bei der Arbeit für ausländische Filmfirmen unterstützt hatte. Der Brief ist im Fundus als Bildscan vorhanden. Er ist ein konkreter Nachweis persönlicher Hilfe und geht über eine allgemein gehaltene spätere Charakterisierung hinaus. (KWQ05)
Die Sammlung enthält außerdem die beglaubigte Abschrift eines Urteils des Sondergerichts I für den Landgerichtsbezirk Aachen. Es wurde in der Sitzung vom 19. Januar 1943 ausgesprochen; die erhaltene Abschrift trägt das Datum 25. Januar 1943. Wendler wurde wegen eines Vergehens gegen das nationalsozialistische „Heimtückegesetz“ zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der Vorwurf bezog sich auf politische Äußerungen während eines Aufenthalts in einem Aachener Krankenhaus im Januar 1942. Die NS-Urteilsbegründung ist eine Quelle zur Verfolgung und zur Sicht der verfolgenden Justiz. (KWQ04)
In seiner im Urteil wiedergegebenen Verteidigung berief sich Wendler seinerseits auf eine angeblich positive Haltung zum nationalsozialistischen Staat. Diese Äußerung entstand in einer Zwangs- und Verteidigungssituation; sie ist ebenso quellenkritisch zu lesen wie die abwertende Charakterisierung des Angeklagten durch das Gericht. Für sein konkretes Verhalten gegenüber einem bedrohten Kollegen steht daneben der eigenständige Brief von Vicky. Die unterschiedlichen Quellensituationen werden hier nicht zu einer einfachen politischen Charakterformel verkürzt. (KWQ04, Blätter 2–3; KWQ05)
Die Abschrift beschreibt Wendler als Gebrauchsgrafiker, der Zeichnungen für Zeitungen und Zeitschriften, Filmplakate und künstlerische Fotografien herstellte. Zum Zeitpunkt des Verfahrens war er außerdem Leiter eines Ufa-Filmtheaters in Berlin. Aus dieser Tätigkeit darf nicht rückwirkend auf seine politische Zustimmung zum Regime geschlossen werden. (KWQ04, Blatt 1)
In seinem „Tatsachenbericht“ vom 28. August 1955 nennt Wendler für die Strafverbüßung in Berlin-Plötzensee den 1. März bis 30. Juni 1943. Dort schildert er auch den Verlust seiner freiberuflichen Möglichkeiten durch den Ausschluss aus der Reichskulturkammer, Überwachung und strenge Meldebedingungen. Der Bericht ist ein nachträgliches Selbstzeugnis. Er erlaubt eine genauere zeitliche Gliederung als Kurzbiografien, die Verhaftung, Urteil und Haft in einem einzigen Jahr zusammenziehen. (KWQ03)
Eine häufig wiederholte Behauptung, Wendler sei bereits 1936 als „entartet“ aus dem Deutschen Künstlerbund ausgeschlossen worden, bleibt dagegen unbestätigt. Hoever kennzeichnete diesen Punkt in seiner Kurzbiografie selbst ausdrücklich als noch nicht bestätigt. Eine belegte NS-Verfolgung rechtfertigt es nicht, eine zusätzliche, ungesicherte Verfolgungsmaßnahme zu übernehmen. (KWQ02)
Anfang 1944 wurde das Haus am Nollendorfplatz zerstört. Damit gingen ein großer Teil von Wendlers Arbeitsmitteln, Entwürfen, Bildern und persönlichen Unterlagen verloren. Hoever nennt den 30. Januar 1944; die genaue Zuordnung zum einzelnen Luftangriff wurde für diesen Artikel nicht unabhängig überprüft. Sicher zu trennen sind der Verlust des Ateliers und die bereits zuvor verbüßte Haftstrafe. (KWQ01, PDF-S. 1–3, 27)
Wendler gelangte über das Rheinland in den Raum Eupen. Sein Bericht von 1955 schildert eine Flucht in mehreren Etappen und Schutz durch Angehörige einer belgischen Widerstandsgruppe, die er „Weiße Garde“ nennt. Andere Überlieferungen betonen die Hilfe aus dem familiären Umfeld und durch Kontakte zu den Philipswerken. Diese Erzählungen stimmen in der Flucht nach Belgien überein, unterscheiden sich aber in der Gewichtung einzelner Helfer und Abläufe. Der Artikel behandelt sie als überlieferte Berichte und behauptet keine vollständig rekonstruierte Fluchtroute. (KWQ03, KWQ01, PDF-S. 26–27)
Nach der Befreiung arbeitete Wendler in Eupen als Fotograf, zunächst auch im Umfeld der amerikanischen Truppen. Die überlieferten Aufnahmen zeigen Militärangehörige, Feiern, Paraden, Alltagsszenen und Porträts. Später betrieb er ein eigenes Fotogeschäft und war als Bildreporter tätig. Hoever nennt die Zusammenarbeit mit der Zeitung Grenz-Echo. Solche Arbeitsfelder machten aus dem früheren Bühnen- und Starfotografen zugleich einen Chronisten örtlicher Ereignisse. (KWQ12, KWQ01, PDF-S. 27–29)
KW08 · Fotogeschäft in Eupen. Historische Aufnahme mit amerikanischer Flagge aus dem Archivbereich „1945–1954 Eupen“. Überlieferung: CD-Hoever, Sammlung Stefan Strößenreuther.
Die biografischen Unterlagen berichten auch von Tierstudien während einer Reise mit einem Zirkus und von Entwürfen für Handtaschen, Werbung und Lokale in Paris. Für den Pariser Aufenthalt konnte Hoever weder einen gesicherten Zeitraum noch eine eindeutige Atelieradresse feststellen. Er wird deshalb als Arbeitszusammenhang erwähnt und nicht mit einer erfundenen Jahresfolge in die Zeitleiste eingepasst. (KWQ01, PDF-S. 28–32)
Ein Hochwasser im Juni 1953 traf nach Hoever auch Wohnung und Geschäft in Eupen und zerstörte erneut Arbeitsmaterial. Hinzu kamen Schwierigkeiten mit der weiteren Arbeitserlaubnis. Diese Verluste erklären mit, warum die Rückkehr nach Deutschland zu einem wirtschaftlich schwierigen Neubeginn wurde. Der ausführliche Bericht nennt für die Rückkehr 1954 einen anderen Monat als die ältere Kurzfassung. Das gesicherte gemeinsame Jahr 1954 genügt hier. (KWQ01, PDF-S. 29–30; KWQ02)
Nach der Rückkehr nahm ihn zunächst Verwandtschaft in Frankfurt am Main auf. Wendler versuchte, Arbeitsräume und finanzielle Mittel für einen neuen Anfang zu erhalten. Die Selbstzeugnisse aus dieser Zeit berichten von Entschädigungsanträgen, knappen Mitteln und der Suche nach Auftraggebern. Frühere Bekanntheit schuf nicht automatisch eine neue Existenzgrundlage. (KWQ01, PDF-S. 30–31; KWQ03)
1956 richtete er in Bad Vilbel ein Atelier in Räumen einer ehemaligen Gastwirtschaft beziehungsweise Metzgerei ein. Er gestaltete den Notbehelf mit Stoffen, Matten und einer dichten Bildwelt zu einem persönlichen Arbeitsraum um. Neue Gemälde und grafische Entwürfe entstanden; einzelne Motive knüpften an in Berlin verlorene Arbeiten an. (KWQ01, PDF-S. 31–34)
KW09 · Atelier in Bad Vilbel. Malerei, Raumgestaltung und Porzellan; Archivbezeichnung „1957 K. Wendler in Bad Vilbel“. Überlieferung: CD-Hoever.
1957 erschienen wieder neue Porzellane mit Wendler-Dekoren. Eine erhaltene Seite der Fachzeitschrift „Die Schaulade“, S. 664, nennt ausdrücklich Kurt Wendler, Bad Vilbel, als Entwerfer und die Edelstein-Porzellanfabrik in Küps als Hersteller. Gezeigt werden Vasen, Dosen und Schalen mit leichten Linien, freien Flächen und stilisierten Figuren. Gegenüber der dichten frühen Ornamentik wirkt die Flächenbehandlung offener. Das bedeutet eine neue Anwendung seiner gestalterischen Erfahrung im Geschmack der Nachkriegszeit. (KWQ13)
KW10 · Porzellan von Edelstein. Zeitschriftenabbildung aus „Die Schaulade“, 1957, S. 664. Original: Lindner 1.jpg.
Am 28. Februar 1957 war Wendler nach dem im Fundus erhaltenen Zeitungsbericht „Gast des Tages“ im Hessischen Rundfunk. Ein Porträt von Hans Dirr in der „Schaulade“, Heft 12/1957, stellte seine lange Laufbahn und die neuen Arbeiten vor. Ein erneut breiter wirtschaftlicher und künstlerischer Durchbruch blieb nach Hoever dennoch aus. (KWQ13)
Die späteren Jahre führten Wendler nach Bad Nauheim in die Nähe seiner Tochter. Als seine Sehkraft nachließ, konnte er seine bisherigen zeichnerischen und malerischen Arbeitsweisen kaum noch fortführen. Er starb dort am 13. Juni 1980, wenige Tage vor seinem 87. Geburtstag. (KWQ01, PDF-S. 34; KWQ15)
Für die spätere Erforschung wurde Heinz Hoever entscheidend. Bei der Ausstellung „Rosenthal – 100 Jahre Porzellan“ im Kestner-Museum Hannover 1982 begegnete er Wendlers Arbeiten. Die knappen und teilweise falschen biografischen Angaben veranlassten ihn ab 1993 zu systematischen Nachforschungen. Über Anfragen bei Museen und Behörden fand er den Kontakt zu Inge Fuhrmann, die Familienunterlagen und Erinnerungen zugänglich machte. Seine Berichte dokumentieren diesen Weg ausdrücklich als eine schrittweise Spurensuche. (KWQ14)
Eine wichtige öffentliche Station war die Ausstellung „Kurt Wendler – Und ewig lockt das Weib. Leben und Werk des Künstlers“ im Deutschen Porzellan-Museum in Hohenberg an der Eger 1998. Die Museumsübersicht nennt dafür den Zeitraum 24. April bis 5. Juli 1998 und den begleitenden Band 50 mit ISBN 3-927793-49-3. Im lokalen Fundus liegen Hoever zugeordnete Vorarbeiten, seine Ansprache und ein Pressebericht. Die hier benutzte ausführliche Biografiefassung von 2001 ist von dem gedruckten Ausstellungskatalog zu unterscheiden. (KWQ14, KWQ16)
Wendlers Bedeutung liegt in der Verbindung der Künste. Seine Porzellandekore lassen sich besser verstehen, wenn man die bemalten Gewebe, Tapeten, Möbeleinlagen und Verpackungen mitbetrachtet. Überall steht die Frage im Mittelpunkt, wie eine Fläche durch Farbe, Rhythmus und Fantasie verwandelt werden kann. Die zeitgenössischen Zeitschriften behandelten diese Arbeitsfelder deshalb im Zusammenhang. (KWQ06, KWQ08)
Für Selb zeigt die Zusammenarbeit mit Rosenthal, wie das Unternehmen bereits vor der späteren Studio-Line freie Künstler in die Produktgestaltung einbezog. Der Auftraggeber brachte Herstellung, technische Möglichkeiten und Absatzwege ein; Wendler lieferte eine unverwechselbare Bildwelt. Seine spätere Arbeit für Edelstein verbindet diese Geschichte außerdem mit Küps und der oberfränkischen Porzellanindustrie der Nachkriegszeit. (KWQ01, KWQ13)
Das Werk lässt sich im Umfeld von Jugendstil, expressiver Grafik und Art déco betrachten, ohne sämtliche Arbeiten auf ein einziges Stiletikett zu reduzieren. Die vielgestaltige Bildsprache blieb über wechselnde Materialien und Jahrzehnte hinweg erkennbar. Zugleich zeigen Verfolgung, Flucht und wiederholte Verluste, weshalb nur ein Teil der Arbeiten und Unterlagen überliefert ist. Der heutige Fundus ist daher sowohl eine Sammlung von Kunst- und Gebrauchsgegenständen als auch ein Zeugnis ihrer mühsamen Wiedererschließung. (KWQ01, KWQ14)
| Zeitpunkt | Ereignis und Quellenlage |
|---|---|
| 20. Juni 1893 | Geburt in Magdeburg; nicht Wernigerode. KWQ01, KWQ04 |
| 1909 | Gärtnerische Ausbildung in den Grusonschen Gewächshäusern. KWQ01 |
| 1911–1912 | Geisenheim nach Hoevers genauerer Datierung; anschließend Hinwendung zu Malerei und Grafik. KWQ01 |
| 1914–1916 | Kriegsdienst und Verwundung laut späterer Urteilsabschrift. KWQ04 |
| 1917 | Berlin; erste Ausstellung bei Blydt im Oktober. KWQ06 |
| April 1918 | „Träume im Bilde“; frühe Verbindung zu Rosenthal. KWQ01, KWQ06 |
| 1919 | Erste Messepräsentation der Indra-Porzellane nach Hoever. KWQ01 |
| 1921 | Zeitschriftenbeiträge zu Indra, Asra, Padma und Grafik. KWQ06 |
| 1922 | Heirat nach späterem Forschungsstand; Werkstatt in Wernigerode; Tapetenkollektion „Bizarre Form“. KWQ01, KWQ07 |
| 1926 | Geburt der Tochter Ingeborg. KWQ01 |
| 1927/28 | Berlin; Beiträge zu Stoffmalerei und Bühnenkunst. KWQ08, KWQ09 |
| Um 1930 | Filmplakate und Ausbau der fotografischen Arbeit. KWQ11 |
| 1934/35 | Hilfe für Victor Weisz, durch dessen Brief von 1948 bezeugt. KWQ05 |
| 1941 | „Das schöne Frauenantlitz“ nach bibliografischer Einordnung des Fundus. KWQ10 |
| Januar 1942 | Vorgänge in Aachen, die zum späteren Verfahren führen. KWQ04 |
| 19. Januar 1943 | Urteil des Aachener Sondergerichts; Abschrift vom 25. Januar. KWQ04 |
| März–Juni 1943 | Haft in Berlin-Plötzensee nach Wendlers Bericht. KWQ03 |
| 1944 | Verlust des Ateliers und Flucht nach Belgien. KWQ01, KWQ03 |
| Nach 1944/45 | Militär-, Presse- und Geschäftsfotografie in Eupen. KWQ12 |
| 1953 | Hochwasser und erneuter Materialverlust nach Hoever. KWQ01 |
| 1954 | Rückkehr nach Deutschland, zunächst Frankfurt. KWQ01 |
| 1956/57 | Atelier in Bad Vilbel; Edelstein-Dekore; Rundfunkinterview. KWQ13 |
| 13. Juni 1980 | Tod in Bad Nauheim. KWQ15 |
| Ab 1993 | Systematische Spurensuche Hoevers und Kontakt zur Familie. KWQ14 |
| 24. April–5. Juli 1998 | Sonderausstellung in Hohenberg. KWQ16 |
Die Hoever-Sammlung enthält Originalabbildungen, Kopien, spätere Abschriften und mehrere Bearbeitungsstände. Diese sind nicht gleichzusetzen. Die ältere Kurzbiografie und der ausführlichere Text von 2001 unterscheiden sich unter anderem bei Heiratsjahr, Familientrennung, Zerstörung des Ateliers und Rückkehrmonat. Auch der Magdeburger Lexikoneintrag verkürzt den Verlauf von Verhaftung und Haft. Für das Urteil erhält hier die gescannte beglaubigte Abschrift Vorrang; für die Haftzeit wird Wendlers späteres Selbstzeugnis ausdrücklich benannt.
Der Messekomplex ist in den lokalen Abschriften und Ablagen als 1921 bezeichnet. Abweichende Jahresangaben in späteren Literaturhinweisen werden ohne Prüfung eines vollständigen Titelblatts nicht übernommen. Beim Tapetenartikel nennt die lokale Abschrift 15. August 1922, während im Internet auch Oktober erscheint. Gesichert verwendet werden das Jahr, die Nummer und die beschriebenen Muster. Ähnlich trennen wir beim Fotoheft das bibliografisch überlieferte Jahr 1941 von Ordnernamen mit 1942.
Offen bleiben ein vollständiges Werkverzeichnis, genaue Laufzeiten einzelner Rosenthal-Dekore und Wiederauflagen, eine gesicherte Gesamtzahl der Filmplakate, die präzise Chronologie des Pariser Ateliers sowie manche Fotografen- und Reproduktionsnachweise. „Vollständig“ bedeutet hier eine zusammenhängende Darstellung aller wesentlichen belegten Lebens- und Arbeitsfelder; eine lückenlose Erfassung jedes Werks ist damit nicht behauptet.
Die lokalen Nachweise stammen überwiegend aus „Porzellan Version 2024 / Archiv / Biografie Kurt Wendler / CD-Hoever“ im Download-Fundus. Der Fundus enthält weitere parallele Ablagen. Sie werden nicht als voneinander unabhängige Belege gezählt. Die genaue Dateizuordnung ist im redaktionellen Quellenregister gesichert. PDF-Seitenangaben beziehen sich auf die Reihenfolge in der jeweiligen Datei.
Heinz Hoever: „Biografie des Graphikers, Malers und Fotografen Kurt Wendler (1893–1980)“, 5. Ausführung, September 2001; Vorbemerkungen Oktober 2001. Lokale DOC- und PDF-Datei „0 Wendler-Biografie Der abgegebene Text und die Nachweise“, Ordner „12. 1998 Die Sonder-Ausstellung in Hohenberg“. PDF: 38 Seiten. Hauptdarstellung mit Nachweisen auf PDF-S. 35–38; Ausbildung S. 4–6, Porzellan S. 9–12, Wernigerode S. 12–16, Berlin S. 17–25, Verfolgung S. 25–27, Eupen S. 27–30, Neubeginn S. 30–34. Als Forschungsmanuskript benutzt, nicht als identische Wiedergabe des gedruckten Katalogs von 1998.
Heinz Hoever: „Kurzdaten über den Grafiker, Maler und Fotografen Kurt Wendler“, Hannover, März 1997. Dateien „Kurzbiografie.doc/.pdf“ und „0 Lebenslauf Kurzdaten.doc“. Älterer Bearbeitungsstand; zur Gegenprüfung und für die ausdrücklich als unbestätigt bezeichnete Künstlerbund-Angabe.
Kurt Wendler: „Lebenslauf“, um 1950; „Tatsachenbericht“, 28. August 1955; „Quo usque tandem“, 1958. Im Fundus als von Hoever angefertigte Abschriften überliefert. „Tatsachenbericht.pdf“, beide Seiten visuell geprüft. Rückblickende Selbstzeugnisse zu Beruf, Verfolgung, Haft, Flucht und wirtschaftlichem Neubeginn. Keine vollständigen Originalakten.
Sondergericht I für den Landgerichtsbezirk Aachen: Urteil vom 19. Januar 1943, beglaubigte Abschrift vom 25. Januar 1943, Geschäftsnummern 2 S Ms 12/42 / I S 63/42. Drei Bilddateien im Ordner „13. Bad Nauheim / Frau Fuhrmann Dokumente“, beginnend „1943 25.01.“. Gescannten Urteilskopf, Entscheidung und Begründung geprüft. Quelle für Geburt, Beruf, Kriegsdienst, politische Vorwürfe und Strafmaß; als Dokument der NS-Verfolgungsjustiz eingeordnet.
Victor Weisz („Vicky“): Brief an Kurt Wendler, 27. Juli 1948, auf Briefpapier der News Chronicle, London. Scan „Vicky an K. Wendler 27.07.1948.jpg“, visuell geprüft. Bezeugt Unterkunft 1935 und Hilfe bei beruflicher Arbeit 1934/35. Die Archivablage verwendet auch die Schreibweise „Weiss“.
„Kleinmöbel, Korb- und Kunstgewerbe. Fachzeitschrift für Kleinkunst, Kunsthandwerk und Keramik, Beleuchtungs- und Luxus-Artikel“, Messeumfeld 1921. Im Fundus als Scans und Hoever-Abschriften überliefert: „Kurt Wendler“, „Indra-Porzellane“, „Asra – die Luxuspackung“, „Korbkunst und Padma“, „Graphische und dekorative Arbeiten“ sowie C. Johnson: „Padma von Kurt Wendler“, S. 22. Für KW04 ist S. 22, für KW05 S. 91 visuell geprüft. Entwurfs- und Herstellungszusammenhänge, zeitgenössische Wahrnehmung und Produktabbildungen. Werbliche Wertungen werden nicht als heutige Qualitäts- oder Marktbestätigung übernommen.
Tapeten-Zeitung, Nr. 16, 1922: „Die Sonderauswahl Bizarre Form der Sächsischen Tapetenindustrie C. Wilh. Wulf, Leipzig-Plagwitz“. Lokale Abschrift „1922 Text Bizarre Form.doc“, von Hoever Oktober 1997 angefertigt. Die Abschrift nennt den 15. August; abweichende Monatsangaben bleiben ungeklärt. Ergänzend Museumsfoto und Korrespondenz im Ordner „6. 1922 und 1955 Tapeten“.
Franz Servaes: „Kurt Wendler und seine Stoffmalereien“, Westermanns Monatshefte, September 1927, 72. Jahrgang, S. 101–108 nach Funduszuordnung. Lokale Abschrift „Text-Abschrift.doc“, Hoever 2005, mit acht genannten farbigen Abbildungen. Andere Archivnotizen nennen 1928 beziehungsweise Band 143; exakte Heftbibliografie bleibt abzugleichen. Inhalt als historische Kunstkritik verwendet.
„Die Deutsche Elite“, 1928: „Edle Porzellane“, S. 296–299 nach Archivzuordnung; Paul Friedrich: „Phantastische Bühnenkunst“, S. 464. Lokale Abschriften „um 1928 Edle Porzellane.doc“ und „1928 Textabschrift.doc“. Für Dekorauffassung, Porzellanschmuck und Bühnenarbeit. Absolute Erfindungs- und Qualitätsbehauptungen der Texte werden nicht übernommen.
Kurt Wendler: „Das schöne Frauenantlitz. Ein Maler hinter der Kamera“, Berlin: Bartels, 1941 nach bibliografischer Überlieferung. Textabschrift „Text des Heftes.DOC“ und zugehörige Heftabbildungen im Fotoarchiv; Ordner teilweise „1942“ benannt. Für die fotografischen Themen und Arbeitsmethoden; Auflagen- und Vernichtungsangaben nicht unabhängig bestätigt.
Heinz Hoever: „Plakatliste“ und Sammlung der Filmplakate, Ordner „9. … Berlin Filmplakate … / 9.1 1930 Wendler-Filmplakate“. Enthält bekannte Stücke, spätere Titelhinweise und Reproduktionen. Kein vollständiger autorisierter Werkkatalog. Abgebildetes Plakat „Pantoffelhelden“ nach Archivzuschreibung.
Fotografien und Unterlagen zur Eupener Zeit, Archivordner „10. 1945–1954 Eupen“. Ergänzend Hoever, ausführliche Biografie, PDF-S. 27–30. Verwendet für das Fotogeschäft und das Spektrum der Reportagearbeit. Orts- und Personenangaben auf einzelnen Bildern sind nicht durchgängig unabhängig gesichert.
„Die Schaulade“, 1957, S. 664, Produktabbildungen mit ausdrücklicher Nennung von Kurt Wendler und Edelstein Küps, Scan „Lindner 1.jpg“, visuell geprüft. Hans Dirr: „Kurt Wendler, ein Schaulade-Porträt“, Heft 12/1957, S. 788 nach Archivzuordnung, Scan und Abschrift „Pressestimmen.doc“. Ergänzend Bad Vilbeler Kurzeitung, 8. März 1957, Bericht über die Rundfunksendung vom 28. Februar, als Abschrift. Die journalistischen Rückblicke verkürzen einzelne frühere Lebensdaten; dafür wurden genauere Archivbelege herangezogen.
Heinz Hoever: „Spurensuche nach Kurt Wendler“, Hannover Juni 1997 / Friedrichshafen September 2009; „Meine Ansprache zur Ausstellung“, 1998; Vorarbeiten zur Hohenberger Ausstellung und Pressebericht Frankenpost vom 25. April 1998. Lokaler Fundus. Wichtig für Forschungsgeschichte und Herkunft der Familienunterlagen. Ergänzende Literatur: Heinz Hoever: „Kurt Wendler – Grafiker, Maler und Fotograf“, Trödler & Sammeln, Nr. 211, Juni 1997, S. 30–37.
Sabine Liebscher: „Wendler, Kurt Hans Hermann Adalbert“, Magdeburger Biographisches Lexikon, Universitätsbibliothek der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Lexikoneintrag. Verwendet zur externen Gegenprüfung der Lebensdaten, Berufsfelder und Grundzüge des Lebenswegs. Kurze Darstellung; Abweichungen bei Geisenheim und Haftchronologie werden nicht ungeprüft übernommen. Abruf: 15. Oktober 2026.
Porzellanikon: Broschüre „40 Jahre“, Ausstellungsübersicht 1998. Museumsnachweis. Die online indexierte Tabelle nennt 24. April–5. Juli 1998 und Band 50: „Kurt Wendler – Und ewig lockt das Weib. Leben und Werk des Künstlers“, 1998, ISBN 3-927793-49-3. Vollständige PDF beim Abruf nicht verfügbar (404); daher nur als begrenzter bibliografischer Zusatznachweis neben dem lokalen Ausstellungsmaterial verwendet. Recherche: 15. Oktober 2026.
Porzellan-selb.de: „Biografie Kurt Wendler“ und „Spurensuche Kurt Wendler“. Biografie, Spurensuche. Bestehende Veröffentlichungen aus dem Umfeld der Sammlung. Die dortige Biografie nennt Heinz Hoever als Textgrundlage; sie ist deshalb kein unabhängiger zweiter Beleg. Abweichende Kurzdatierungen und unbestätigte Angaben wurden anhand des ausführlicheren Fundus geprüft. Die Webseiten wurden nicht verändert. Abruf: 15. Oktober 2026.
Download-Fundus Stefan Strößenreuther, insbesondere „Porzellan Version 2024 / Archiv / Biografie Kurt Wendler / CD-Hoever“ und „Webseite porzellan-selb / Webseite Juli 2020“. Zehn visuell ausgewählte Bilddateien für diesen Artikel, verlustfrei als WebP ohne Beschnitt abgeleitet. Vorhandene Hervorhebungen und Bildbestandteile bleiben erhalten. Die Bezeichnungen der Ablage ersetzen keine gesicherte Einzeldatierung. Das vollständige Werk- und Reproduktionsrechteverzeichnis liegt nicht vor.
| Kennung | Originaldatei | Herkunft und Einordnung |
|---|---|---|
| KW01 | Porzellan_Kurt_Wendler-2.jpg |
Webseitenfundus Stefan Strößenreuther; Objektfoto, Fotograf und Aufnahmedatum nicht gesondert verzeichnet. |
| KW02 | 1917 K. Wendler.jpg |
CD-Hoever, Biografie; Porträt, Datierung nach Archivbezeichnung, Fotograf offen. |
| KW03 | Ankauf_Kurt_wendler-4.jpg |
Webseitenfundus Stefan Strößenreuther; Vase mit Vogeldekor, abschließende Objektbestimmung offen. |
| KW04 | 1921 S.22.jpg |
CD-Hoever, Korbkunst; historische Zeitschriftenseite „Padma von Kurt Wendler“, S. 22. |
| KW05 | 1921 S.91.jpg |
CD-Hoever, Armbruster; historische Tafel mit Asra-Packungen, S. 91. |
| KW06 | 1922 Kurtisane 1 Tapetenmuseum Kassel.jpg |
CD-Hoever, Tapeten; Museumsaufnahme, Jahr des Entwurfs und Fotojahr unterscheiden. |
| KW07 | 1934 9.JPG |
CD-Hoever, Filmplakate; „Pantoffelhelden“, Datierung und Zuschreibung nach Archiv. |
| KW08 | Fotogeschäft 1.jpg |
CD-Hoever, Eupen; Fotogeschäft, genaues Aufnahmedatum und Fotograf offen. |
| KW09 | 1957 K. Wendler in Bad Vilbel.jpg |
CD-Hoever, Küps; Atelier, Datierung nach Archiv, Originalauflösung 455 × 480 Pixel. |
| KW10 | Lindner 1.jpg |
CD-Hoever, Bad Vilbel; „Die Schaulade“ 1957, S. 664; Hersteller Edelstein laut gedrucktem Bildtext. |
Die Vorlagen gehören zum Fundus von Stefan Strößenreuther. Bei den CD-Hoever-Dateien ist Heinz Hoever beziehungsweise die durch ihn erschlossene Familienüberlieferung Fuhrmann als Herkunft festzuhalten. Daraus folgt keine pauschale Fotografenzuschreibung an Stefan Strößenreuther oder Heinz Hoever. Entwürfe Kurt Wendlers, Fotografien, Zeitschriftenseiten und spätere Reproduktionen können unterschiedliche Rechte berühren. Der gemeinsame Bild- und Nutzungshinweis des Wikis lässt solche Rechte und abweichende Nachweise unberührt.