Theodor Schmuz-Baudiß (1859–1942) war Maler, Keramiker und einer der wichtigen Gestalter der deutschen Porzellankunst um 1900. Nach einer langen Ausbildung in München wandte er sich erst in seinen späten Dreißigern intensiv der Keramik zu. Über eigene Töpferversuche, die Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk und die Porzellanfabrik Swaine in Hüttensteinach führte sein Weg 1902 zur Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM). Dort wurde er 1908 künstlerischer Direktor. (SBQ01, S. 15–21, 102–113, 143–144, 204–205)
Für das Fichtelgebirge besitzt seine Biografie einen konkreten zusätzlichen Bezug: Rosenthal in Selb führte in den Jahren 1926 und 1927 Weihnachtsteller und eine Landschaftsplatte nach seinen Entwürfen aus. Diese Arbeiten sind in Helena Horns Dissertation mit Abbildungen, Maßen, Technik und Marken beschrieben. Auch die Schmuz-Baudiß-Ausstellung in Hohenberg an der Eger 1989 gehört zur regionalen Beschäftigung mit seinem Werk. Redaktionsstand: 18. Oktober 2026. (SBQ02, S. 293–295; SBQ03, S. 253–255)
SB01 · Theodor Schmuz-Baudiß mit Frau und Tochter, um 1902. Familienporträt aus dem Archiv der KPM. Vorlage: Helena Horn, Text_neu.pdf, S. 19. SBQ01.
| Thema | Eckdaten |
|---|---|
| Vollständiger Name | Theodor Herrmann Schmuz-Baudiß; Quellen und Marken verwenden auch „Theo“ und „Baudiss“. |
| Lebensdaten | 4. August 1859 in Herrnhut bei Zittau – 20. Juni 1942 in Partenkirchen. |
| Ausbildung | Kunstgewerbeschule München ab 1879; Akademie ab 1882, Abschluss 1891. |
| Künstlerischer Neubeginn | Intensive Beschäftigung mit Keramik ab 1896 in Diessen am Ammersee. |
| Frühe Zusammenarbeit | Vereinigte Werkstätten für Kunst im Handwerk; Swaine in Hüttensteinach. |
| KPM Berlin | Eintritt am 1. Februar 1902; künstlerischer Direktor ab 1908; Ruhestand am 1. April 1925. |
| Bekanntes Service | „Ceres“, Werkverzeichnis Nr. 236/P-KPM, Modellnummer 10062, April 1912; Jubiläumsausstellung 1913. |
| Rosenthal | Weihnachtsteller 1926 und 1927; „Gipfellandschaft“ 1926/1927. |
| Hauptquelle im Fundus | Helena Horns Dissertation von 2009 mit Textband und zwei Werkverzeichnissen. |
Name und Ausbildung · Keramik und Jugendstil · Swaine und Pensée · KPM · Ceres · Rosenthal · Monogramme · Hohenberg 1989 · Zeitleiste · Quellen
Theodor Schmuz wurde am 4. August 1859 in Herrnhut in der Oberlausitz geboren. Sein Vater Herrmann Friedrich Schmuz war Seifensieder, seine Mutter hieß Mathilde Rudolphine Baudiß. Die Familie gehörte zum Umfeld der Herrnhuter Brüdergemeine. Der spätere Doppelname verbindet den väterlichen Familiennamen mit dem Geburtsnamen der Mutter. (SBQ01, S. 15–18)
Die Schreibweise lässt sich an Ausbildungs- und Ausstellungsunterlagen genauer verfolgen. Noch das Abgangszeugnis der Akademie vom 1. Mai 1891 nennt „Schmuz“. Im Zusammenhang mit der Münchner Glaspalast-Ausstellung im Juli 1891 ist nach Horn bereits der Doppelname belegt. Die Formen Schmuz-Baudiß, Schmuz-Baudiss und die verkürzte Vornamensform Theo begegnen später in Publikationen und auf Porzellanmarken. Sie bezeichnen denselben Künstler. (SBQ01, S. 17–18)
1879 ging er nach München und besuchte zunächst die Kunstgewerbeschule. Der Landschaftsmaler Adolf Lier, mit dem ein verwandtschaftlicher Bezug bestand, gehörte zu den frühen Bezugspersonen. 1882 wechselte er an die Akademie der Bildenden Künste, die er 1891 verließ. Seine Ausbildung galt zunächst der Malerei, insbesondere der Historien- und Figurenmalerei. Landschaften blieben ein Thema, zu dem er später wieder zurückkehrte. (SBQ01, S. 15–18)
1893 heiratete er Minna Trenkl; 1895 wurde die Tochter Elisabeth geboren. Das um 1902 entstandene Familienporträt fällt in die Zeit des Übergangs von München nach Berlin. Horn überliefert es mit dem Herkunftshinweis Archiv der KPM. Es ergänzt die institutionelle Laufbahn um ein persönliches Zeugnis. (SBQ01, S. 18–19)
Im Sommer 1896 begann Schmuz-Baudiß in Diessen am Ammersee an der Töpferscheibe zu arbeiten. Aus dem Versuch wurde eine neue künstlerische Richtung. Er stellte anschließend auch in seinem Münchner Atelier eine Scheibe auf und setzte sich mit dem Formen von Gefäßen auseinander. Im folgenden Sommer lernte er in einer Hafnerei in Dinkelsbühl, wie ein Ofen gebaut wurde. In Diessen richtete er eine Werkstatt mit eigenem Ofen ein. (SBQ01, S. 19)
Dieser Schritt war ein deutlicher Einschnitt: Ein bereits ausgebildeter Maler beschäftigte sich nun mit Material, Wandung, Volumen, Glasur und Brand. Die keramische Form entstand nicht allein durch das Zeichnen eines Dekors. Sie musste in einem verformbaren Material aufgebaut, getrocknet und im Feuer dauerhaft gemacht werden. Gefäßkörper und Oberfläche wurden zu zusammengehörenden Aufgaben.
Ab 1897 zeigte er im Münchner Glaspalast Keramiken anstelle seiner bisherigen Gemälde. Seine Gefäße fanden nach der von Horn ausgewerteten Überlieferung rasch Aufmerksamkeit. Mit 37 Jahren hatte er damit ein neues Arbeitsgebiet begonnen. Der Weg zur bekannten Porzellanproduktion war weder eine von Kindheit an festgelegte Laufbahn noch die bloße Fortsetzung einer Fabriktradition. (SBQ01, S. 19)
1898 schloss er sich als assoziiertes Mitglied den neu gegründeten Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk an. Die Werkstätten verbanden Entwurf, handwerkliche Ausführung und Vertrieb. Schmuz-Baudiß arbeitete in diesem Umfeld an einer Erneuerung der angewandten Kunst mit. (SBQ01, S. 19–20)
Seine Tätigkeit reichte über Ton und Porzellan hinaus. Die Dissertation untersucht auch Entwürfe beziehungsweise Arbeiten in Glas, Metall und weiteren Bereichen der Ausstattung. Der Künstler gehört damit in den Zusammenhang einer Zeit, in der Malerei, Kunsthandwerk und die Gestaltung von Gebrauchsgegenständen enger aufeinander bezogen wurden. Der Begriff Jugendstil bezeichnet hier einen Teil dieses größeren Reformzusammenhangs.
Horn arbeitet besonders die Verbindung von Gefäßform, Ornament und Materialwirkung heraus. Pflanzen sollten nicht lediglich wie ein austauschbares Bild auf einer fertigen Form sitzen. Linien, Reliefs, Griffe und Farbe konnten gemeinsam den Charakter eines Gegenstands bestimmen. Das spätere Ceres-Service zeigt diese Arbeitsweise besonders deutlich.
Eine wichtige Zwischenstation war die Zusammenarbeit mit der Porzellanfabrik Swaine in Hüttensteinach. Horn untersucht die Beziehungen anhand von Korrespondenz, Abrechnungen und erhaltenen Arbeiten; der ausführliche Abschnitt belegt einen Aufenthalt beziehungsweise Arbeitskontakt im Juni 1899. Die Zusammenarbeit führte die eigenen keramischen Versuche in den technischen und organisatorischen Zusammenhang einer Porzellanfabrik. (SBQ01, S. 102–105)
Dort entstand unter anderem das Service „Pensée“, dessen Name auf das Stiefmütterchen verweist. Das Pflanzenmotiv gehörte zur Verbindung von Form und Dekor. Das Service wurde im Umfeld der Pariser Weltausstellung 1900 präsentiert; Horn nennt eine Silbermedaille für Schmuz-Baudiß. Die internationale Ausstellung machte deutlich, welche Bedeutung dem neu gestalteten Kunstgewerbe damals beigemessen wurde. (SBQ01, S. 20, 106–113)
Der Vertrag mit den Vereinigten Werkstätten vom 1. Juli 1900 regelte Herstellung und Vertrieb der Entwürfe. Horn behandelt auch die Bindung des Dekors an den Entwurf und die Kennzeichnung mit dem Künstlermonogramm. Solche Unterlagen zeigen, dass Künstlerporzellan nicht nur eine Frage des Stils war. Rechte, Vergütung, technische Ausführung und Vertrieb bestimmten mit, wie ein Entwurf zum angebotenen Gegenstand wurde. (SBQ01, S. 105)
Die Hüttensteinacher Arbeiten sind deshalb ein wichtiges Bindeglied. Sie stehen zwischen dem eigenhändigen Töpfern und der späteren Tätigkeit in Berlin. Zugleich veranschaulichen sie die Zusammenarbeit eines selbstständigen Künstlers mit einer Fabrik und einem Vertriebsverbund.
Der Vertrag mit der KPM wurde am 21. Dezember 1901 geschlossen; die Tätigkeit begann am 1. Februar 1902. In der Manufaktur erhielt Schmuz-Baudiß einen eigenen künstlerischen Arbeitsbereich. Die nach dem Vertrag entstehenden Arbeiten gehörten der Manufaktur. Künstlerische Freiheit und die Einbindung in einen staatlichen Produktionsbetrieb standen damit in einem geregelten Verhältnis. (SBQ01, S. 143–144)
Berlin brachte andere Voraussetzungen als das eigene Atelier mit sich. Modelleure, Former, Maler und Brennfachleute wirkten an der Herstellung mit. Hinzu kamen die technischen Möglichkeiten und die historische Sammlung einer traditionsreichen Manufaktur. Ein Gefäß musste nicht nur als Einzelidee überzeugen, sondern in mehreren Arbeitsschritten zuverlässig ausführbar sein.
Die Arbeit an farbigen Glasuren und der Malerei unter beziehungsweise in der Glasur war dabei wesentlich. Solche Verfahren verändern das Verhältnis zwischen Farbe und Oberfläche: Die farbige Gestaltung ist mit dem gebrannten Material verbunden. Horn erläutert im Zusammenhang mit Ceres auch die Bedeutung der chemisch-technischen Entwicklung für die künstlerischen Möglichkeiten. (SBQ01, S. 264–270)
1908 wurde Schmuz-Baudiß künstlerischer Direktor. Horn unterscheidet die vorausgehenden Verwaltungsschritte: Die stellvertretende künstlerische Leitung ist ab 1. Juli 1908 belegt; die förmliche Bestallung datiert vom 7. Dezember 1908. Der zeitliche Unterschied ist für eine genaue Biografie sinnvoll, weil ein verkürzter Lebenslauf diese Schritte häufig zu einem einzigen Datum zusammenzieht. (SBQ01, S. 204–205)
Die Funktion bezog sich auf die künstlerische Leitung. Sie machte Schmuz-Baudiß weder zum Eigentümer der KPM noch zum alleinigen Verantwortlichen für alle technischen und kaufmännischen Bereiche. Ebenso ist nicht jedes während seiner Amtszeit gefertigte KPM-Objekt sein persönlicher Entwurf. Modellbücher und Werkverzeichnisse müssen zwischen eigener Gestaltung, künstlerischer Leitung und Arbeiten anderer Entwerfer unterscheiden.
Seine Berliner Jahre umfassen sowohl eigene Gefäß- und Servicemodelle als auch die Mitgestaltung des künstlerischen Programms. Die Beziehungen zwischen überlieferten Formen, neuem Dekor und zeitgenössischen Entwürfen waren eine dauernde Aufgabe. Die KPM sollte ihre besondere handwerkliche Qualität bewahren und zugleich für neue Formen offen sein.
Das „Ceres-Tafel-Service mit und ohne Ähren“ ist im Werkverzeichnis unter 236/P-KPM, Modellnummer 10062, mit der Datierung April 1912 verzeichnet. Seine hervorgehobene Präsentation stand im Zusammenhang mit dem 150-jährigen Bestehen der KPM 1913. Entwurfsdatierung und Jubiläumsauftritt bezeichnen daher zwei zusammengehörende, aber unterschiedliche Stationen. (SBQ03, S. 253–255; SBQ01, S. 264–265)
Der Name verweist auf Ceres, die römische Göttin des Ackerbaus. Ähren und Füllhörner beziehen sich auf Nahrung und Überfluss. Bei dem Service greifen diese Motive in die plastische Gestaltung ein: Füllhörner begleiten die Henkel, Blüten und Früchte verbinden Griffe und Wandung, pflanzliche Knäufe bekrönen die Deckel. Das Ornament ist damit Teil des Gegenstandsaufbaus. (SBQ01, S. 264–266)
Die Grundformen sind überwiegend gerundet, teils oval verschoben. Die geschlossenen Wandungen lassen das helle Porzellan wirken; der plastische Schmuck konzentriert sich auf bestimmte Zonen. Reliefierte Ähren können die Ränder der Deckel und Gefäße begleiten. Die Kombination aus ruhiger Gefäßform und gezielter Belebung der Ränder erklärt den besonderen Charakter des Entwurfs.
Ceres war ein umfangreiches Geschirrprogramm. Horn nennt vierzig verschiedene Teile des Speiseservices sowie ein siebenteiliges Tee- und Kaffeeservice. Das Werkverzeichnis führt neben Tellern, Terrinen und Schüsseln auch spezielle Teile wie Gurkenschale, Fruchtsaftterrine, Pichelsteiner Topf und Eismuschelschale auf. Das zeigt die differenzierte Tafelkultur, für die eine Manufaktur solche Programme entwickelte. (SBQ01, S. 265; SBQ03, S. 253)
Mehrere Dekorvarianten verbanden Ausführungen mit oder ohne Ährenkante mit Gold sowie Auf- und Unterglasurfarben. Der Entwurf war also nicht auf eine einzige farbige Erscheinung begrenzt. Für die genaue Beschreibung eines erhaltenen Stücks müssen die Form, das Relief und die jeweilige Dekorausführung zusammen betrachtet werden.
Im Werkverzeichnis werden Emil Rutte und Jolitz als Modelleure genannt. Damit ist die Übersetzung der künstlerischen Idee in ausführbare Modelle ausdrücklich dokumentiert. Die Zuschreibung an Schmuz-Baudiß beschreibt den Entwurf; sie macht die beteiligten Fachleute nicht unsichtbar. (SBQ03, S. 253)
Horn ordnet Ceres differenziert zwischen Jugendstil, Reformbestrebungen und einer gemäßigteren, teils neubiedermeierlichen Formauffassung ein. Der Entwurf ist deshalb nicht allein durch ein Schlagwort erklärt. Die technische Entwicklung der Farben, die plastischen Schmuckzonen und die Nutzbarkeit eines großen Serviceprogramms gehören gleichermaßen zu seiner Bedeutung. (SBQ01, S. 264–270)
Die Dissertation berichtet außerdem von einer Wiederaufnahme in den 1980er-Jahren. Textband und Katalog nennen dafür unterschiedliche Jahresangaben. Sie werden hier nicht zu einem scheinbar eindeutigen Einzeljahr vereinheitlicht. Ebenso wird die Formulierung einer Quelle von 2009 nicht als Bestätigung einer heutigen Serienproduktion gelesen. (SBQ01, S. 270; SBQ03, S. 254)
Der Erste Weltkrieg veränderte die Arbeitsbedingungen der Manufaktur. Horn beschreibt Produktionsbeschränkungen, das Ende der großen Ausstellungsaktivitäten und einen schwierigen Neubeginn nach dem Krieg. Der Wechsel von der königlichen zur staatlichen Manufaktur gehört zum institutionellen Hintergrund dieser Zeit. Schmuz-Baudiß blieb zunächst in seiner künstlerischen Funktion tätig. (SBQ01, S. 340–341)
Die späteren Jahre seiner Amtszeit umfassen auch den Umgang mit Entwürfen anderer Künstler. Horn nennt unter anderem Paul Scheurich und Gerhard Schliepstein im Zusammenhang mit der Öffnung des Programms für neue gestalterische Richtungen. Die Manufakturgeschichte ist damit keine bloße Abfolge eigener Modelle des Direktors, sondern auch die Geschichte von Auswahl, Zusammenarbeit und künstlerischer Verantwortung. (SBQ01, S. 340–341)
Am 1. April 1925 trat Schmuz-Baudiß in den Ruhestand. Nicola Moufang übernahm die nachfolgende Leitung in veränderter organisatorischer Form. Schmuz-Baudiß zog mit seiner Frau nach Partenkirchen. Nach ihrem Tod im August 1927 blieb die Landschaftsmalerei ein wichtiges Arbeitsfeld. Er starb dort am 20. Juni 1942. (SBQ01, S. 20–21, 340–341)
Seine Rosenthal-Arbeiten aus 1926/1927 fallen folglich in die Zeit nach dem Ende der Berliner Amtslaufbahn. Diese Chronologie erklärt, weshalb sie einen eigenen Abschnitt seines Werks bilden. Sie sind keine Erzeugnisse der KPM und kein Beleg für eine Beschäftigung in einem Selber KPM-Ausweichbetrieb.
Die drei Einträge am Ende des allgemeinen Werkverzeichnisses bilden einen besonders präzisen Zugang zur Verbindung mit Selb. Horn beschreibt erhaltene Stücke aus dem Besitz der Nachfahren und nennt Rosenthal als ausführendes und vertreibendes Unternehmen. Künstlerinschriften und Fabrikmarken ergänzen die motivische Beschreibung. Die Werkverzeichnisnummern sind keine Rosenthal-Fabrikmodellnummern. (SBQ02, S. 293–295)
Der Teller „Weihnachten 1926“, 001/P-Rosenthal, misst nach dem Werkverzeichnis 21 cm im Durchmesser. Schneebedeckte Tannen stehen im Vordergrund, hohe Berge im Hintergrund. Der breite helle Rand trägt die Weihnachtsbezeichnung und die Jahreszahl, zwischen deren Zifferngruppen ein Stern steht. Die blaue Landschaft bildet einen deutlichen Gegensatz zur hellen Fahne.
Horn beschreibt weißen Porzellanscherben, Unterglasurfarben und transparente Glasur sowie Formguss und Reliefgravur. Auf der Unterseite verzeichnet sie den grünen Künstlerhinweis „Entwurf von Professor Theo Schmuz-Baudiss“ und den Stempel Rosenthal, Selb Bavaria. Das Monogramm STB befindet sich nach dem Eintrag vorn in der Darstellung. Damit kommen Zuschreibung, Hersteller und Datierung an einem konkreten Stück zusammen. (SBQ02, S. 293)
„Weihnachten 1927“, 002/P-Rosenthal, besitzt einen Durchmesser von 21,8 cm. Im Mittelpunkt der winterlichen Szene steht ein hölzernes Kruzifix, eingerahmt von kahlen Bäumen und einem einfachen Zaun. Ein heller Stern am Himmel betont den religiösen Bezug des Weihnachtsmotivs.
Im Vergleich zum Teller des Vorjahres verändert sich das Bildthema: Aus dem weiten alpinen Landschaftsraum wird ein näherer, räumlich gefasster Andachtsort. Beide Entwürfe verbinden jedoch das helle Porzellan mit einer stimmungsvollen winterlichen Farbigkeit. Horn nennt wiederum Unterglasurfarben, transparente Glasur, Künstlerbezeichnung, Rosenthal-Stempel und ein vorderseitiges STB-Monogramm. (SBQ02, S. 294)
Die dritte Arbeit ist eine rechteckige Platte mit in den Rahmen übergehender Form, im Werkverzeichnis 003/P-Rosenthal. Ihre Maße betragen 22,8 × 19,5 cm einschließlich Rahmen. Horn datiert sie auf 1926/1927. Das Motiv zeigt eine kalte, dunstige Hochgebirgslandschaft mit schneebedeckten Felspartien.
Auch hier sind Unterglasurfarbe und transparente Glasur verzeichnet. Auf der Unterseite nennt das Werkverzeichnis die grüne Bezeichnung „Rosenthal Originalarbeit von“ und den in Gold ausgeführten Künstlernamen „Prof. Theo Schmuz-Baudiss“. Das STB-Monogramm ist vorderseitig in der Schneelandschaft eingraviert. (SBQ02, S. 295)
Die Platte zeigt besonders deutlich, dass Schmuz-Baudiß seine Herkunft aus der Malerei nicht verlor. Die keramische Oberfläche dient hier einer Landschaftsdarstellung. Für Rosenthal erweitert die Arbeit das Spektrum zwischen Gebrauchsgegenstand, Gedenkteller und dekorativem Bildobjekt.
| Horns Katalognummer | Werk | Datum | Maße | Beleg |
|---|---|---|---|---|
| 001/P-Rosenthal | Weihnachten 1926 | 1926 | Durchmesser 21 cm | Werkkatalog S. 293 |
| 002/P-Rosenthal | Weihnachten 1927 | 1927 | Durchmesser 21,8 cm | Werkkatalog S. 294 |
| 003/P-Rosenthal | Gipfellandschaft | 1926/1927 | 22,8 × 19,5 cm mit Rahmen | Werkkatalog S. 295 |
Diese drei Werke sind in der ausgewerteten Dissertation unmittelbar belegt. Sie bilden keine Behauptung, dass damit jede jemals von Rosenthal ausgeführte Arbeit des Künstlers erfasst wäre. Weitere Firmenunterlagen und erhaltene Stücke können das Register ergänzen.
SB06 · Monogramme und Namenszug. Verschiedene STB-Zeichen und ausgeschriebene Signatur. Original: baudiss.jpg, Ordner Pressemappen/Porzellan 300 Jahre Bilder PDF/Bilder. SBQ04.
Die Übersicht im Fundus zeigt unterschiedliche Varianten der Buchstabenverbindung STB und den ausgeschriebenen Namen. Solche Zeichen sind bei der Dokumentation von Porzellan hilfreich. Ihre Aussage muss jedoch mit Material, Form, Fabrikmarke und der überlieferten Werkbeschreibung verbunden werden.
An den Rosenthal-Stücken beschreibt Horn jeweils sowohl das Künstlermonogramm als auch den Herstellerhinweis. Gerade diese Verbindung ist ergiebig: Sie trennt die persönliche Entwurfsarbeit von der ausführenden Fabrik. Ein isoliertes Monogramm ist dagegen kein vollständiger Datierungs- oder Herstellungsnachweis. (SBQ02, S. 293–295)
Das KPM-Werkverzeichnis führt für Ceres die Ausstellung „Theodor Herrmann Schmuz-Baudiss – ein Jugendstilkünstler ersten Ranges“, Hohenberg an der Eger 1989, an. Die Beschäftigung mit dem Künstler gehört damit auch zur Ausstellungsgeschichte der Porzellanregion. Die Präsentation verband das regionale Museum mit der überregionalen Kunst- und Manufakturgeschichte. (SBQ03, S. 254)
Dieser Nachweis ergänzt die Geschichte des Porzellanikons in Hohenberg und Selb. Er belegt einen konkreten Ausstellungszusammenhang für das Werk. Er ist von der gleichzeitigen Museumsgeschichte und von anderen Eröffnungsveranstaltungen des Jahres 1989 zu unterscheiden.
Die Verbindung zum Wiki entsteht somit auf mehreren Wegen: über die Rosenthal-Ausführungen in Selb, über die museale Beschäftigung in Hohenberg und über den im Download-Fundus erhaltenen wissenschaftlichen Quellenbestand. Schmuz-Baudiß gehört dadurch auch ohne eine nachgewiesene eigene Selber Werkstatt in die Geschichte der Porzellanregion.
| Jahr / Datum | Station | Nachweis |
|---|---|---|
| 4. August 1859 | Geburt in Herrnhut bei Zittau. | SBQ01, S. 15 |
| 1879 | Kunstgewerbeschule in München. | SBQ01, S. 15–18 |
| 1882–1891 | Studium an der Münchner Akademie. | SBQ01 |
| 1891 | Doppelname Schmuz-Baudiß im Ausstellungskontext belegt. | SBQ01, S. 17–18 |
| 1893 | Heirat mit Minna Trenkl. | SBQ01 |
| 1895 | Geburt der Tochter Elisabeth. | SBQ01 |
| 1896 | Beginn intensiver Töpferversuche in Diessen. | SBQ01, S. 19 |
| 1897 | Keramik im Münchner Glaspalast; Beschäftigung mit dem Ofenbau in Dinkelsbühl. | SBQ01 |
| 1898 | Verbindung zu den Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk. | SBQ01 |
| 1899 | Detailliert belegter Kontakt mit Swaine in Hüttensteinach. | SBQ01, S. 102–105 |
| 1900 | Pariser Weltausstellung; „Pensée“ und Silbermedaille nach Horn. | SBQ01, S. 20, 106–113 |
| 1. Juli 1900 | Vertrag mit den Vereinigten Werkstätten. | SBQ01, S. 105 |
| 21. Dezember 1901 | Vertrag mit der KPM. | SBQ01, S. 143 |
| 1. Februar 1902 | Beginn der Tätigkeit bei der KPM Berlin. | SBQ01, S. 143–144 |
| 1908 | Stellvertretende und anschließend förmlich bestätigte künstlerische Direktion. | SBQ01, S. 204–205 |
| April 1912 | Ceres im Werkverzeichnis, Modell 10062. | SBQ03, S. 253 |
| 1913 | Ceres im Rahmen des 150-jährigen KPM-Jubiläums. | SBQ01, S. 264; SBQ03 |
| 1914 | Ceres auf der Deutschen Werkbundausstellung Köln verzeichnet. | SBQ03, S. 254 |
| 1. April 1925 | Ruhestand; Umzug nach Partenkirchen. | SBQ01 |
| 1926 | Rosenthal-Weihnachtsteller. | SBQ02, Nr. 001/P-Rosenthal |
| 1926/1927 | Rosenthal-Platte „Gipfellandschaft“. | SBQ02, Nr. 003/P-Rosenthal |
| 1927 | Zweiter Rosenthal-Weihnachtsteller; Tod seiner Frau im August. | SBQ01; SBQ02 |
| 20. Juni 1942 | Tod in Partenkirchen. | SBQ01 |
| 1980er-Jahre | Wiederaufnahme des Ceres-Service nach Horn. | SBQ01, S. 270; SBQ03, S. 254 |
| 1989 | Schmuz-Baudiß-Ausstellung in Hohenberg an der Eger. | SBQ03, S. 254 |
| 2009 | Veröffentlichung von Helena Horns Dissertation. | SBQ01, Titelblatt |
Hauptbestand: Downloads → Porzellan Version 2024/Dissertation/Baudiss-Disertation. Der Ordnername ist im Fundus tatsächlich „Disertation“ geschrieben. Die drei Dateien gehören zu einer Dissertation, nicht zu drei voneinander unabhängigen Untersuchungen. Die hier angegebenen Seiten entsprechen den PDF-Seiten und den sichtbaren Seitenzahlen der ausgewerteten Stellen.
Helena Horn: Theodor Schmuz-Baudiß (1859–1942): vom Maler in München zum künstlerischen Direktor der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin. Dissertation, Kunsthistorisches Institut der Universität Stuttgart, 2009; mündliche Prüfung am 10. September 2008. Textband Text_neu.pdf, 405 PDF-Seiten. Besonders herangezogen: S. 15–21 für Lebenslauf und Familie; S. 102–113 für Swaine und Pensée; S. 143–144 für den KPM-Vertrag; S. 204–205 für die künstlerische Direktion; S. 264–270 für Ceres; S. 340–341 für die spätere Manufakturgeschichte. Elektronischer Volltextnachweis der Universität Stuttgart. Grundlage der Auswertung ist das lokal vorhandene PDF.
Helena Horn: Werkverzeichnis zur Dissertation, Werkkatalog.pdf, 295 PDF-Seiten. Herangezogen sind insbesondere S. 293–295, 001/P-Rosenthal bis 003/P-Rosenthal: Weihnachten 1926, Weihnachten 1927 und Gipfellandschaft 1926/1927. Die Einträge nennen Maße, Material, Technik, Marken, Ausführung, Vertrieb, damaligen Sammlungsstandort bei den Nachfahren und Fotografien der Verfasserin. Ablage im selben Dissertationsordner.
Helena Horn: Werkverzeichnis der KPM-Porzellane zur Dissertation, Werkkatalog_Porzellan_KPM.pdf, 363 PDF-Seiten. Für Ceres: S. 253–255, 236/P-KPM, Modellnummer 10062, April 1912. Enthält Teileliste, Modellierungsangaben, Literatur- und Ausstellungsverweise sowie Abbildungen mit Bildnachweis Bröhan-Museum Berlin. Die unterschiedlichen Lebensdatenangaben zu Modelleur Emil Rutte in Text und Katalog werden hier nicht fortgeschrieben.
Signaturenübersicht „baudiss.jpg“. Ablage: Porzellan Version 2024/Pressemappen/Porzellan 300 Jahre Bilder PDF/Bilder/baudiss.jpg. Sammlung Stefan Strößenreuther. Die Datei zeigt Monogramme und einen Namenszug; sie ist ohne eigenständige Publikations- und Datierungsangabe überliefert.
Biografischer Fundustext zu Schmuz-Baudiß, Porzellanstadt Selb/Projekt_Buch_Porzellan/Porzellanindustrie-Nordbayern.scriv/Files/Docs/84.rtf und 84_synopsis.txt. Als zusätzlicher Fundhinweis ausgewertet. Die Zusammenfassung folgt in wesentlichen Teilen der Dissertation und wird daher nicht als unabhängige Bestätigung ihrer Aussagen gezählt.
Die ausführliche Swaine-Darstellung setzt mit einem 1899 dokumentierten Kontakt ein, während der kurze biografische Überblick den Übergang bereits 1898 zusammenfasst. Für die genaue Station wird hier der detaillierte Nachweis verwendet. Bei der Ceres-Wiederaufnahme nennt der Textband Februar 1986, der Werkverzeichniseintrag 1989; im Überblick bleibt deshalb die gemeinsame Angabe „1980er-Jahre“ bestehen. Für die Rosenthal-Werke werden die konkreten Objekteinträge herangezogen, ohne daraus eine vollständige Vertrags- oder Seriengeschichte abzuleiten.
Eine wichtige chronologische Trennung betrifft die spätere KPM-Verlagerung nach Selb: Schmuz-Baudiß starb 1942. Die kriegsbedingte Nutzung der Paul-Müller-Fabrik gehört in die Zeit danach und wird im Artikel über Paul Müller und die KPM behandelt. Sie ist kein Teil seiner persönlichen Berliner Amtszeit.
| Kennung | Fundstelle | Bildnachweis laut Vorlage |
|---|---|---|
| SB01 | Text_neu.pdf, S. 19 |
Archiv der KPM; Familienporträt um 1902. |
| SB06 | Pressemappen/Porzellan 300 Jahre Bilder PDF/Bilder/baudiss.jpg |
Signaturenübersicht aus der Sammlung Stefan Strößenreuther. |
Die Original-PDFs liegen im oben genannten Dissertationsordner. Das Familienporträt wird mit dem dort überlieferten Herkunftshinweis Archiv der KPM gezeigt. Der gemeinsame Hinweis auf eigene Archivvorlagen überträgt Rechte Dritter nicht auf den Sammlungsinhaber. Die Beschreibungen von Ceres und den Rosenthal-Arbeiten bleiben mit den genauen Werkverzeichnisstellen erschlossen.