Porzellanmaler, Fabrikgründer, Ehefrauen und Nachkommen: die Familie hinter zwei Unternehmen.
Die Geschichte der Familie Hutschenreuther verbindet die Thüringer Porzellanherstellung mit Hohenberg an der Eger und Selb. Der Download-Fundus enthält einen eigenständigen Stammbaum mit 155 Personen. Er führt über den bekannten Vater-Sohn-Zusammenhang von Carl Magnus und Lorenz Hutschenreuther hinaus: Geschwister, Ehefrauen, Schwiegersöhne und spätere Generationen werden sichtbar. Dadurch lässt sich nachvollziehen, wie aus einer gemeinsamen Herkunft verschiedene berufliche und unternehmerische Wege entstanden. (FH01)
Familienüberblick · Wallendorf · Hohenberg · Selb · Blumenthal · Quellenvergleich · Quellen


Stand: 18. Oktober 2026. Die folgenden Tafeln sind eine historische Auswahl. Lebensdaten aus der genealogischen Zusammenstellung werden als solche ausgewiesen und mit biografischer Literatur verglichen. Firmen- und Familiengeschichte werden miteinander verbunden, ohne eine Verwandtschaft automatisch als Eigentums- oder Leitungsnachweis zu behandeln.
Der Stammbaum nennt Johann Heinrich Hutschenreuther (1751–1812) und Johanna Christiana Katharina Hammann (1750–1818) als Eltern des späteren Hohenberger Gründers. Johann Heinrich arbeitete als Porzellanmaler; seine Verbindung zu einem kleinen Werk in Schleiz ist auch in der Neuen Deutschen Biographie belegt. Über die Mutter führt die Familie zu Johann Wolfgang Hammann, einem Beteiligten der frühen Thüringer Porzellanherstellung. (FH01, FH02)
Die Familiengeschichte beginnt damit bereits in einer handwerklich und unternehmerisch geprägten Umgebung. Kenntnisse über Bemalung, Brennverhalten, Handel und Produktionsorganisation waren in diesem Umfeld vorhanden. Der spätere Schritt nach Hohenberg erscheint aus dieser Perspektive als Weiterentwicklung eines erlernten Berufs. Zugleich erforderte eine eigene Fabrik andere Voraussetzungen als die Tätigkeit eines Malers: Grundstück, Gebäude, Öfen, Kapital und eine staatliche Erlaubnis mussten zusammenkommen.
Der genealogische Export nennt mehrere Brüder Carl Magnus’ mit unterschiedlichen Berufen, darunter Handel, Buchhaltung, Porzellandrehen und Fabrikbesitz. Die Einträge führen unter anderem nach Schneeberg, Schleiz und Gefell. Sie zeigen ein größeres berufliches Umfeld, das in einer auf den späteren Markennamen verkürzten Geschichte leicht verschwindet. Die einzelnen Berufsnotizen besitzen allerdings nicht durchgehend angefügte Originalbelege. Sie werden hier als Angaben der Zusammenstellung gelesen. (FH01, Familie F42588588)
Eine ältere Familienübersicht der NDB führt den Namen bereits in das frühneuzeitliche Wunsiedel und über das Erzgebirge nach Wallendorf zurück. Diese ältere Überlieferung erklärt den weiten geografischen Horizont. Eine lückenlos neu überprüfte Abstammungskette vom 16. Jahrhundert bis zum Fabrikgründer wird im vorliegenden Artikel jedoch nicht behauptet. Die ausführliche Tafel setzt bei der im Fundus gut erschlossenen Generation Johann Heinrichs an. (FH03)
Carl Wilhelm Magnus Hutschenreuther (1794–1845) begegnet in der Unternehmensgeschichte meist als Carl Magnus oder Carolus Magnus. Die verschiedenen Namensformen bezeichnen denselben Mann. Der Fundus führt seine Geburt am 9. April 1794 in Wallendorf und seinen Tod am 10. November 1845 in Hohenberg. Die Kerndaten stimmen mit dem biografischen Nachweis überein. (FH01, FH02)
Am 22. Dezember 1816 heiratete er nach dem Stammbaum Johanna Maria Barbara Reuß, Tochter des Hohenberger Försters. Die Familie ist sowohl für die örtliche Verankerung des Gründers als auch für die spätere Fortführung des Unternehmens wichtig. Die Datenbank bewahrt außerdem Notizen zu Ehevertrag und Kirchenbucheinträgen. Sie überliefert damit mehr als eine reine Namensliste, auch wenn die ursprünglichen Dokumente diesen Notizen nicht jeweils als Scan beigegeben sind. (FH01, Familie F63743600)
↓ Kinder beziehungsweise nachfolgende Generation
Auswahl aus der Stammfolge; weitere Kinder stehen in der Generationentabelle. Quellen und Einordnung.
| Kind von Carl Magnus und Johanna | Daten im genealogischen Fundus | Einordnung |
|---|---|---|
| Lorenz Christian Friedrich | 1817–1886 | Späterer Gründer des Selber Unternehmens |
| Christian Wilhelm Leonhardt | 1818–1877 | Hohenberger Zweig; im Bestand als Modelleur und Fabrikbesitzer beschrieben |
| Caroline Ernestine Heinriette | geboren 1820 | Tochter; eigener Ehe- und Nachkommenzweig im Export |
| Friedemann Wilhelm Theodor | geboren 1822 | Sohn; eigener Familien-Datensatz |
| Johann Christoph Gregorius | 1825–1902 | Im Fundus als königlicher Forstmeister in Bayreuth erfasst |
| Sophie Heinriette Carolina Theresia | 1826–1900 | Tochter; eigener Familienzweig |
| Elisabetha Christiana Friderica | 1828–1886 | Tochter; späterer Ortsbezug München |
| Antonia Carolina | 1831–1893 | Tochter; späterer Ortsbezug München |
| Karoline Wilhelmine Sophie | 1835–1910 | Tochter; späterer Ortsbezug Nürnberg |
Die Schreibweisen der weniger bekannten Mehrfachvornamen folgen dem Export, auch wo sie ungewöhnlich wirken. Ein fehlendes Sterbejahr ist eine Lücke des ausgewerteten Datensatzes. Die neun Kinder entsprechen der in der NDB genannten Verteilung von vier Söhnen und fünf Töchtern. (FH01, FH02)
Nach dem Tod Carl Magnus’ 1845 führte seine Witwe das Werk fort. Für 1860 nennt die biografische Darstellung die Übergabe an Christian Hutschenreuther und die Schwiegersöhne Philipp Auvera und Heinrich Wolf. In der nächsten Generation folgte Albert Hutschenreuther (1845–1912), Christians Sohn, seit 1877 in der Leitung. (FH02)
Hier zeigt sich der Nutzen einer Familienperspektive: Der Betrieb wurde nicht nur von einem Vater auf einen einzigen Sohn weitergegeben. Die Witwe und angeheiratete Familienmitglieder wirkten an der Fortführung mit. Die Firmenbezeichnung C. M. Hutschenreuther bewahrte den Namen des Gründers, während die tatsächliche Verantwortung bereits bei anderen Personen lag.
Der Export ordnet Albert Simon Hutschenreuther Christian und dessen Ehefrau Anna Rosina Röder (1825–1871) zu. Er nennt außerdem weitere Kinder dieses Paars. Für die Übersicht genügt diese klare Verbindung zwischen dem zweiten Sohn des Gründers und der nächsten Hohenberger Leitungsgeneration; eine vollständige Wiedergabe sämtlicher Seitenzweige würde die unternehmensgeschichtliche Fragestellung überlagern. (FH01, Familien F85989154, F35328401)
Lorenz Christian Friedrich Hutschenreuther (1817–1886) war der älteste in der Tafel verzeichnete Sohn. Im Bestand ist seine Ehe mit Emilie Bertha Hessner beziehungsweise Heßner (1818–1867) am 15. Oktober 1843 eingetragen. Das Paar und seine Kinder bilden den Ausgangspunkt des Selber Zweigs. Die Schreibweisen Heßner und Hessner werden als Varianten desselben Familiennamens behandelt. (FH01, Familie F47232600; abweichend FH07)
Die Gründung des Selber Unternehmens wird im vorhandenen Gründungsartikel mit dem Stadtbrand von 1856, den Vorbereitungen und dem Produktionsbeginn 1857 verbunden. Der genealogische Artikel ergänzt diese Betriebsgeschichte um die Personenfolge. Hohenberg und Selb blieben über die Familie verbunden, entwickelten sich aber zu unterschiedlichen Unternehmen. Die spätere Zusammenführung von 1969 gehört zur Firmengeschichte und darf nicht in das 19. Jahrhundert zurückverlegt werden.
| Kind von Lorenz und Emilie Bertha | Daten im Export | Historischer Hinweis |
|---|---|---|
| Wilhelmina Johanna Louise Lina | 1846–1872 | Im Bestand auch unter dem Ehenamen Pabst |
| Agnas Rosalia Christiane | 1847–1847 | Früher Tod im Säuglingsalter |
| Hermann Max | 1849–1861 | Starb als Kind |
| Elise Viktoria Lina Bertha | 1851–1852 | Früher Tod |
| Philipp Friedrich Jacob Ferdinand Viktor Robert | 1854–1907 | In der Firmengeschichte meist Viktor genannt |
| Bertha Lusie Friederike | 1858–1859 | Früher Tod |
| Eugen senior | 1860–1899 | Spätere Leitungsgeneration und Verbindung zu Blumenthal |
Die Tabelle macht sowohl die bekannte Unternehmernachfolge als auch die hohe Zahl früh verstorbener Kinder sichtbar. Sie setzt die beiden später hervortretenden Söhne in ihren tatsächlichen Geschwisterzusammenhang. Die Lebensdaten stammen aus dem Stammbaum; biografische und betriebliche Aufgaben werden zusätzlich mit den schon erschlossenen Unternehmensquellen verbunden. (FH01, FH04)
Der lange Namenseintrag für Viktor zeigt ein typisches genealogisches Problem: Ein Mann kann in einer Stammtafel mit allen Taufnamen erscheinen, in Geschäftsunterlagen aber nur mit einem Rufnamen. Ohne den Abgleich könnten daraus irrtümlich mehrere Personen werden. Eugen senior ist wiederum von Eugen junior (1899–1965) zu unterscheiden, der einer späteren Generation angehörte. (FH01)
Unter Viktor und Eugen setzte sich die Entwicklung des Selber Unternehmens fort. Das Haus der Bayerischen Geschichte nennt 1902 als Ende der unmittelbaren Familienphase und Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Der vorhandene Artikel über Hutschenreuther und das Bankhaus B. M. Strupp erschließt diesen Übergang näher. Ein weitergeführter Firmenname bedeutete seitdem nicht, dass alle späteren Vorstände Angehörige der Gründerfamilie waren. (FH04)
Eugen senior ist im Export mit zwei Ehen verbunden: zunächst mit Lina Mäckler (1861–1892), später mit Agnes Greuner (1863–1956). Der ersten Ehe sind unter anderem Gustav Eugen Viktor (1888–1937) und Richard (1889–1972) zugeordnet; aus der zweiten Ehe stammen Gertrud (1895–1989) und Eugen junior (1899–1965). Richard und Eugen junior waren demnach Halbbrüder. (FH01, Familien F62119184, F72221395)
FH-B03 · Gut Blumenthal. Luftaufnahme mit Villa, Nebengebäuden und Park. Bildnachweis.
Die beiden jüngeren Generationen sind mit Gut Blumenthal verbunden. Die Eröffnungsunterlagen des dortigen Museums von 1989 führen die Geschichte des Anwesens und seiner Hutschenreuther-Bewohner zusammen. Der Stammbaum hilft, die dort genannten Vornamen voneinander zu unterscheiden. Sein Personenbild ersetzt jedoch keinen Grundstücks- oder Kaufvertrag. (FH05)
Für den Erwerb des Guts enthält die Genealogie eine Notiz mit 7. Oktober 1896, während die Presseinformation von 1989 1895 nennt. Diese Abweichung bleibt offen. Die spätere Museumseröffnung betrifft die Bewahrung der Familien- und Unternehmensgeschichte und ist im Blumenthal-Artikel ausführlich mit Bildern behandelt.
| Punkt | Befund | Umgang in dieser Stammfolge |
|---|---|---|
| Johanna Reuß, Geburtsjahr | Export: 1796; aktuelle NDB-Fassung: 1799, ältere redaktionelle Fassung dort 1794 | Kein gesichertes Geburtsjahr in der Haupttafel; Traueintrag und Taufe sollen abschließend verglichen werden |
| Lorenz und Heßner, Eheschließung | Export: 15. Oktober 1843; NDB-Lorenz-Beitrag: 1847 | Datum 1843 als Fundusangabe bezeichnet; abschließender Abgleich am Traueintrag erforderlich |
| Vater und Sohn | Carl Magnus 1794–1845; Lorenz 1817–1886 | Zwei Personen, zwei spätere Fabrikzusammenhänge |
| Viktor | Vollständiger Namenseintrag enthält zahlreiche weitere Vornamen | Rufname und vollständiger Name zusammengeführt |
| Eugen senior / junior | 1860–1899 beziehungsweise 1899–1965 | Generationen ausdrücklich unterschieden |
| Gut Blumenthal | Erwerbsjahr 1895 beziehungsweise 1896 | Abweichung genannt; kein Kaufdatum aus der Genealogie als Urkundenbeweis ausgegeben |
| Ältere Vorfahren | Rückreichende Familienüberlieferung und unterschiedlich dichte Datensätze | Frühneuzeitlicher Hintergrund getrennt von der hier näher erschlossenen Folge |
Die Notizen im Export enthalten mehrfach Abschriften oder Zusammenfassungen von Kirchenbucheinträgen. Für eine künftige urkundengenaue Fassung wären zu jeder solchen Stelle Pfarrei, Buch, Jahrgang, Seite und Eintragsnummer zu ergänzen. Das würde die schon vorhandene Forschungsarbeit überprüfbar vertiefen und besonders bei gleichnamigen Personen helfen. Die jetzige Darstellung bleibt eine quellenbewusste Familien- und Industriegeschichte, kein vollständig neu bearbeitetes Ortsfamilienbuch.
„Hutschenreuther.ged“, Downloads/Porzellan Version 2024/Stammbaum V9/GEDCOM Dateien/Hutschenreuther/, 155 Personen und 52 Familien. Ergänzend der HTML-Export „Stammbaum Hutschenreuther“ und die gleichlautenden historischen Personen im Gesamtbestand „Stammbaum_Porzellinerfamilien.ged“. Zentrale Familienkennungen: F42588588 (Johann Heinrich/Hammann), F63743600 (Carl Magnus/Reuß), F85989154 (Christian/Röder), F47232600 (Lorenz/Heßner), F62119184 und F72221395 (Eugen senior). Diese Kennungen sind Fundstellen innerhalb der Forschungsdatei, keine Archivsignaturen.
Hans Jaeger: „Hutschenreuther, Carl Magnus“, Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 96–97. Abgleich von Eltern, Ehe, Kindern und Hohenberger Nachfolge; die digital redigierten Geburtsangaben Johannas weichen vom Fundus ab. Deutsche Biographie.
Hans Jaeger: „Hutschenreuther“, Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 96, Familienüberblick. Hintergrund zur frühneuzeitlichen Wanderung zwischen Fichtelgebirge, Erzgebirge und Thüringen. Onlinefassung als PDF. Lokale Parallelüberlieferung unter Porzellanindustrie Version 2024/Biografien/Digitale_Sammlung/Hutschenreuther.pdf.
Haus der Bayerischen Geschichte: „Lorenz Friedrich Hutschenreuther“, biografischer Eintrag zu Lorenz, Nachfolgern und Aktiengesellschaft 1902. Biografie. Ergänzend die bereits erschlossenen Quellen im Gründungsartikel und Bankhaus-Strupp-Artikel.
Hutschenreuther AG: Unterlagen zur Eröffnung des Museums auf Gut Blumenthal, 27. Januar 1989, insbesondere die historische Presseinformation, PDF-S. 5. Bereits mit genauer Fundusablage im Blumenthal-Quellenverzeichnis GBQ03 erschlossen. Dort Erwerbsjahr 1895; abweichende Genealogie-Notiz 1896 siehe FH01.
Hans Jaeger: „Hutschenreuther, Lorenz“, Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 97. Abweichend vom Export Eheschließung 1847 und verkürzte Kinderzahl. Deutsche Biographie.
Bildwiederverwendung aus dem Download-Fundus: FH-B01 = B02, Carl Magnus, FH-B02 = B03, Lorenz, FH-B03 = H09, Gut Blumenthal. Originaldateien und vorhandene Herkunftsangaben stehen in diesen Bildnachweisen. Sammlung Stefan Strößenreuther; Entstehungszeit und Urheber der historischen Porträts sind dort nicht abschließend dokumentiert. Die vollständigen Bildflächen bleiben erhalten. Die Stammtafel ist eine redaktionelle Textgrafik auf Grundlage von FH01–FH02.
Familienüberblick · Hutschenreuther · Winterling · Krautheim–Adelberg–Schumann
GK12: Begräbnisstätte der Familien Hutschenreuther und Pabst ergänzt die Stammfolge um ein erhaltenes Grabdenkmal. Die Bildserie aus dem Fundus Ahnenforscher zeigt unter anderem die Namen Lorenz und Emilie Bertha Hutschenreuther. Der Kirchen- und Friedhofsartikel verbindet die Fotografie mit Bohrers Hinweis auf das Familienerbbegräbnis. Originaldatei und Bildnachweis.