Krautheim & Adelberg gehört zu den Unternehmen, an denen sich der Aufstieg Selbs zur Porzellanstadt anschaulich verfolgen lässt. Am Anfang stand 1884 eine Porzellanmalerei: Zugekauftes weißes Geschirr wurde dekoriert. Daraus entwickelte sich eine Fabrik mit eigener Herstellung. Der erhaltene Bildbestand führt von den Gebäuden in die Arbeitsräume und Ausstellungen, zeigt Menschen vor dem Werk und einen Festwagen im Stadtleben. Serviceaufnahmen und Bodenmarken ergänzen die kommentierte Werkauswahl, während Jubiläumsbilder die Beschäftigten in den Mittelpunkt rücken. Zwei Schriftstücke von 1974 dokumentieren darüber hinaus die Auszeichnung des Fabrikanten Georg Krautheim. (KA01, S. 232; KA02, S. 138; KA05; KA06)
K01 · Porzellanfabrik Krautheim in Selb. Historische Gesamtansicht mit Firmenbeschriftung. Bildnachweis.
Erweiterter Redaktionsstand: 18. Oktober 2026.
Anfänge · Standorte · Fabrikbrand · Service und Gestaltung · Bodenmarken · Menschen und Jubiläen · Georg Krautheim · Zeitleiste · Quellen
Die Bohrer-Chronik nennt Krautheim & Adelberg für 1884 unter den neu entstandenen Porzellanmalereien. Sie beschreibt zugleich eine wichtige Verbindung zu Hutschenreuther: Die Malereien erhielten zunächst Weißgeschirr von diesem Unternehmen. Krautheim war damit Teil einer regionalen Arbeitsteilung zwischen der Herstellung der unbemalten Ware und ihrer dekorativen Veredelung. Eine Porzellanmalerei konnte bereits ein eigenständiges Unternehmen sein, ohne selbst sämtliche Schritte vom Rohstoff bis zum fertigen Geschirr zu übernehmen. (KA01, S. 232)
Das Selber Heimatbuch von 1949 nennt ausdrücklich Christoph Krautheim als Gründer der Malerei. Die Darstellung hebt sein handwerkliches Können hervor und schildert den Aufstieg des Betriebs in stark anerkennendem Ton. Für den historischen Zusammenhang ist dabei vor allem die Abfolge entscheidend: Zuerst entwickelte sich ein Dekorationsbetrieb; die eigene Porzellanfertigung kam später hinzu. Das Gründungsjahr der Malerei darf deshalb nicht ohne Erklärung als Beginn der vollständigen Fabrikation verwendet werden. (KA02, S. 138)
Die heutige Standort- und Markenchronik von Bohemia Cristal setzt den Eintritt von Christoph Krautheims Schwager Richard Adelberg vier Jahre nach der Gründung an, also 1888. Ein älterer Buchentwurf im eigenen Archiv nennt dagegen 1889. Ein ausgewerteter Gesellschaftsvertrag oder Handelsregistereintrag liegt dazu noch nicht vor; der Unterschied bleibt deshalb sichtbar. (KA04; KA07)
Die Bedeutung der frühen Malerei lässt sich an einem konkreten gestalterischen Zusammenhang erkennen. Der Hutschenreuther-Katalog des Porzellanikon beschreibt das von Hans Christiansen entworfene Service: Die Fertigung lag zunächst bei Gebrüder Bauscher in Weiden, während Krautheim & Adelberg in Selb den Dekor übernahm. Genannt wird eine stilisierte Rose, ausgeführt in Goldmalerei oder Blaugrau. Entwurf, Ausformung und Dekoration konnten somit auf verschiedene Beteiligte verteilt sein. (KA03, S. 107)
Für die Einordnung eines Porzellanobjekts ist diese Arbeitsteilung wesentlich. Der Name einer Malerei bezeichnet nicht zwangsläufig auch die Fabrik, in der der Porzellankörper entstand. Das Beispiel verbindet Krautheim mit den bereits erschlossenen Themen Bauscher und Hutschenreuther, ohne daraus eine gesellschaftsrechtliche Zugehörigkeit der Firmen abzuleiten.
Das Heimatbuch datiert die Ernennung der beiden Inhaber Christoph Krautheim und Richard Adelberg zu königlich bayerischen Hoflieferanten auf 1899. Diese Angabe ist ein zeitgenössisch überlieferter Bezugspunkt für das Ansehen des Dekorationsbetriebs. Die dazugehörige ursprüngliche Ernennungsurkunde wurde für diesen Artikel noch nicht ausgewertet. (KA02, S. 138)
Das Selber Adressbuch von 1925 ordnet die Errichtung der Fabrik Krautheim & Adelberg dem Zeitraum 1912/1913 zu. Die spätere Markenchronik nennt 1912 für den Beginn der eigenen Manufaktur. Beide Darstellungen grenzen diesen Ausbau deutlich vom Beginn der Porzellanmalerei 1884 ab. Die Jahresangaben werden hier nach ihrer jeweiligen Formulierung wiedergegeben; ein genauer Bau- oder Inbetriebnahmetag ist damit noch nicht belegt. (KA08, S. 9; KA04)
Mit der eigenen Herstellung verband sich eine größere technische und organisatorische Aufgabe. Neben der Dekoration mussten nun auch die Fertigung der Formen und Porzellankörper sowie die Brennprozesse bewältigt werden. Die erhaltenen Aufnahmen zeigen verschiedene Bereiche eines solchen Fabrikbetriebs. Da die Bilder keine verlässliche Datierung tragen, werden sie nicht pauschal als Aufnahmen der Gründungsphase bezeichnet. (KA06)
K02 · Fertigung in der Krautheim-Werkstatt. Beschäftigte bei der Arbeit an einer mehrteiligen Maschine. Bildnachweis.
K03 · Brennhalle der Fabrik. Blick auf Anlagen und Brennhilfsmittel. Bildnachweis.
Das Selber Adressbuch von 1925 erlaubt einen genaueren Blick auf die räumliche Ausdehnung des Unternehmens. Im Branchenverzeichnis ist unter „Porzellanfabriken“ Krautheim & Adelberg, Schönwalder Straße 17/21, Telefon 2 eingetragen. Damit ist die Fabrik zu diesem Zeitpunkt nicht nur durch eine spätere Erinnerung, sondern durch eine damals verwendete Geschäftsadresse nachgewiesen. (KA08, gedruckte S. 20 / PDF-S. 23)
Im Straßen- und Hausverzeichnis begegnet der Firmenname außerdem mehrfach in der Gartenstraße: bei den Hausnummern 24, 26, 28, 30, 32 und 34. Die Wiederholungsvermerke beziehen sich auf Krautheim & Adelberg, Porzellanfabrik. Der Eintrag dokumentiert den Gebäudebestand beziehungsweise die Zuordnung dieser Adressen zur Firma; welche Räume dort jeweils der Produktion, Verwaltung oder anderen Aufgaben dienten, sagt das Verzeichnis nicht. Für ein Straßenporträt sind diese Hausnummern dennoch konkrete Anhaltspunkte. (KA08, gedruckte S. 25 / PDF-S. 28)
Der Archiv-Buchentwurf verortet schon die erste Malerei an der Gartenstraße. Die Angaben zum Beginn im elterlichen Haus, zu einem einzigen Lehrling und zu weiteren Weißwarenlieferanten stammen ebenfalls aus diesem späteren Entwurf. Sie sind als überlieferte Gründungserzählung interessant, besitzen in der vorliegenden Zusammenstellung aber keine vollständig nachvollziehbaren Einzelbelege. Die Geschäftslage von 1925 lässt sich demgegenüber unmittelbar am Adressbuch überprüfen. (KA07, KA08)
In der Luftaufnahme K01 wird die Fabrik als zusammenhängender Komplex mit langen Baukörpern, Schornstein, Freiflächen und angrenzender Bebauung sichtbar. Solche Ansichten ergänzen das Adressbuch um die bauliche Gestalt. Die Hausnummern von 1925 werden dabei nicht ungeprüft auf heutige Adressen übertragen. Der Zusammenhang zwischen Arbeit, Verkehr und Stadtentwicklung wird im Artikel Selbs Straßen, Gebäude und Stadtviertel weitergeführt.
Zum erhaltenen Bildbestand gehört auch eine Aufnahme des Brandgeschehens an der Porzellanfabrik Krautheim & Adelberg. Der große Firmenschriftzug an der Fassade ist deutlich erkennbar. Die Aufnahme zeigt beschädigte beziehungsweise offene Dachbereiche, Rauch oder Dunst vor dem Gebäude und Menschen mit Schläuchen im Vordergrund. Sie dokumentiert damit einen anderen Zustand des Werks als die Gesamtansichten und die Fotografien aus der laufenden Produktion. (KA06, krautheim020.jpg)
K14 · Brand und Löscharbeiten bei Krautheim & Adelberg. Menschen mit Schläuchen vor dem Fabrikgebäude mit beschädigtem Dach. Original: krautheim020.jpg, Ordner Krautheim/Krautheim-Eschenbach-Bilder. Bildnachweis.
Aufnahmedatum, Brandursache und Schadensumfang sind im bisher ausgewerteten Bestand nicht belegt. Die Fotografie ergänzt die Bau- und Betriebsgeschichte deshalb zunächst ohne Jahreszahl.
Das Heimatbuch von 1949 beschreibt die Entwicklung unter Christoph Krautheims Söhnen und nennt einen Betrieb mit 500 Arbeitern. Der Text verbindet diese Zahl mit einer ausgesprochen positiven Würdigung der Qualität und der Absatzbeziehungen im In- und Ausland. Eine datierte Beschäftigtenstatistik enthält die Passage jedoch nicht. Die Zahl wird daher als Angabe dieser Quelle wiedergegeben und nicht einem beliebigen Jahr oder einer einzelnen Fotografie zugeordnet. (KA02, S. 138)
Neben den Produktionsräumen haben sich Aufnahmen von Ausstellungsräumen erhalten. In ihnen werden Kannen, Tassen, Teller und weitere Gefäße zu Gruppen zusammengestellt. Solche Bilder zeigen, wie das Sortiment präsentiert wurde: Das einzelne Stück erscheint als Teil eines gedeckten Tisches oder einer zusammengehörigen Geschirrserie. Modellnamen, Entwurfsautoren und Dekornummern lassen sich aus den vorhandenen Dateinamen nicht zuverlässig bestimmen. (KA06)
K04 · Krautheim-Sortiment in der Ausstellung. Mehrere Geschirrgruppen in einer gemeinsamen Präsentation. Bildnachweis.
Eine Gruppenaufnahme vor dem Fabrikgebäude ergänzt die technischen Ansichten. Über den Menschen ist der Firmenname am Gebäude sichtbar. Ohne überlieferte Namensliste bleibt offen, ob hier Beschäftigte, eine Besuchergruppe oder Teilnehmende einer bestimmten Veranstaltung zusammenkamen. Gerade solche Aufnahmen bieten Ansatzpunkte für spätere Zeitzeugenbefragungen: Namen und Anlass sollten erst ergänzt werden, wenn ein nachvollziehbarer Nachweis vorliegt. (KA06)
K05 · Gruppenaufnahme vor dem Werk. Menschen vor dem Fabrikgebäude mit Firmenbeschriftung. Bildnachweis.
Im Ordner „Krautheim-ArtDeco Service“ liegen zwanzig Fotografien von Geschirrteilen und Bodenmarken. Die Serie bietet einen anderen Zugang als die historischen Fabrikaufnahmen: Sie führt unmittelbar an die Gegenstände heran. Übersichten wechseln mit einzelnen Terrinen, Tellern, Platten, Saucieren und Detailaufnahmen von Griffen und Marken. Die Ablage bezeichnet das Ensemble als Art-déco-Service; ein zeitgenössischer Modellkatalog mit gesichertem Formnamen und Entwurfsdatum ist damit noch nicht ersetzt. (KA09)
Die Übersicht zeigt Stapel flacher und tiefer Teller, eine gedeckte Terrine, Saucieren mit Unterteilen sowie Platten unterschiedlicher Umrisse. Ein umlaufendes blaues Band aus kleinen geometrischen Motiven verbindet die einzelnen Teile. Die weißen Flächen bleiben groß und ruhig; der Dekor konzentriert sich auf Ränder, Griffe und den Deckelknauf. Gerade im Nebeneinander der runden Teller und der eckiger gefassten Platten wird deutlich, wie unterschiedlich geformte Gefäße zu einem zusammengehörigen Service verbunden werden. (KA09, DSC09911.jpg, DSC00023.jpg)
An der einzeln fotografierten Terrine lässt sich das Zusammenspiel von Gefäßform und Schmuck besonders gut verfolgen. Der bauchige Körper ruht auf einem abgesetzten Fuß. Zwei seitliche Henkel greifen das Blau des Randbandes auf; über dem Deckel erhebt sich ein fächerartig aufgegliederter Knauf. Die lineare Bemalung betont die Konturen dieser plastischen Teile. Das Geschirr erhält seinen Charakter also sowohl durch die Modellierung als auch durch den aufgetragenen Dekor. (KA09, DSC00013.jpg, DSC00014.jpg, DSC00015.jpg, DSC00018.jpg)

DSC09911.jpg. Bildnachweis.
DSC00013.jpg. Bildnachweis.Die im Fundus dokumentierte Verbindung von geometrischem Ornament, betonten Griffen und weißen Gefäßflächen lässt sich gestalterisch im Umfeld des Art déco betrachten. Eine Zuschreibung an einen bestimmten Entwerfer oder ein exaktes Herstellungsjahr ergibt sich aus den Fotos jedoch nicht. Auch die separat aufgenommenen Marken werden deshalb zunächst als eigenständige Belege behandelt. (KA09)
Die Unterseitenaufnahmen im Fundus dokumentieren zwei grüne Kennzeichnungen: eine Marke mit Bildzeichen, „Krautheim“ und „SELB BAVARIA“ sowie eine zweite mit „K & A“, ovalem Krautheim-Schriftzug und „SELB BAVARIA GERMANY“. (KA09, DSC09990.jpg, DSC09996.jpg)
Für die Geschichte des Unternehmens sind solche Marken aufschlussreich: Die Kurzform „K & A“ führt den Doppelnamen Krautheim & Adelberg weiter, während „Selb Bavaria“ den Herstellungsort als Teil des Markenauftritts hervorhebt. Auf dem historischen Ausstellungsfoto K13 erscheint ebenfalls ein ovaler Krautheim-Schriftzug mit den Initialen. Die Kennzeichnung am Gegenstand und die Selbstdarstellung des Betriebs lassen sich so nebeneinander betrachten. (KA06, KA09)
Die beiden Markenfotos bilden noch keine vollständige Markenchronologie. Ohne datierte Vergleichsstücke oder ein ausgewertetes Markenverzeichnis lassen sich daraus weder genaue Verwendungszeiträume noch ein sicherer Wechsel von einer Marke zur anderen bestimmen. Für spätere Objektartikel sollten deshalb jeweils die vollständige Gefäßansicht und die dazugehörige Unterseite gemeinsam dokumentiert werden.
Die Innenaufnahmen K04 und krautheim009.jpg zeigen umfangreiche Präsentationen des Sortiments. Geschirr steht in Regalen, auf Tischen und in nach Formen zusammengestellten Gruppen. Eine solche Schau vermittelt mehr als einzelne verkäufliche Gegenstände: Sie macht die Breite eines Programms und die Wirkung auf dem gedeckten Tisch sichtbar. Zusammen mit den erhaltenen Objektfotos lässt sich verfolgen, wie ein Service sowohl als Gebrauchsgegenstand als auch als gestaltetes Ensemble präsentiert wurde. (KA06, KA09)
Ein weiteres Bild zeigt mehrere Besucher vor einem Stand mit der Aufschrift „Krautheim & Adelberg – Porzellanfabrik GmbH – Selb“. Die Firmenbeschriftung ist hier ein unmittelbarer Bildbeleg für den Ausstellungszusammenhang und die verwendete Gesellschaftsbezeichnung. Messeort, Aufnahmejahr und Personennamen sind nicht überliefert. Der Buchentwurf erwähnt außerdem Werbung und Messebeteiligungen in den 1920er- und 1930er-Jahren, ohne die einzelnen Anzeigen vollständig nachzuweisen. (KA06, krautheim014.jpg; KA07)
K13 · Besuch am Krautheim-Ausstellungsstand. Im Hintergrund stehen Firmenname und Krautheim-Markenlogo. Original: krautheim014.jpg. Bildnachweis.
Die Unterordner „Jubilare“ enthalten eine eigenständige Serie mit 49 JPG-Dateien außerhalb der zusätzlichen JPEG-Kopien. Zu sehen sind persönliche Ehrungen, Urkundenübergaben, geschmückte Gabentische, Gruppen und einzelne Porträts. Die Bilder erweitern die Unternehmensgeschichte um die Menschen, die im Arbeitsalltag gewöhnlich hinter dem fertigen Service zurücktreten. (KA10)
Auf K11 findet die Ehrung mitten im Betrieb statt. Hinter den beiden Männern stehen große Stapel von Tellern und Schüsseln; weitere Personen verfolgen den Vorgang zwischen den Arbeitsplätzen. Der Raum wird für einen Moment zum Ort öffentlicher Anerkennung. Fabrikarbeit und Feier sind in derselben Aufnahme präsent. Namen, Datum und die genaue Beschäftigungsdauer des Geehrten sind bei dieser Datei nicht gesichert. (KA10, Jubilaeum012.jpg)
K11 · Ehrung im Betriebsraum. Beschäftigte verfolgen die Übergabe zwischen Teller- und Schüsselstapeln. Original: Jubilaeum012.jpg. Bildnachweis.
K12 zeigt eine Frau vor einem mit Blumen, Porzellan, Geschenken und einer Ehrenurkunde ausgestatteten Tisch. Hinter ihr ist eine große „25“ angebracht. Im Zusammenhang der Jubiläumsserie spricht das für eine Ehrung zu 25 Jahren; der genaue Bezug und das Aufnahmejahr bleiben ohne zusätzliche Beschriftung offen. Das Foto macht zugleich sichtbar, welchen Stellenwert die individuelle Würdigung in der betrieblichen Erinnerung einnahm. (KA10, Jubilaeum026.jpg)
K12 · Jubiläumsaufnahme mit Ehrenurkunde. Eine Frau sitzt vor dem Gabentisch mit der Zahl 25. Original: Jubilaeum026.jpg. Bildnachweis.
Die Serie enthält verschiedene Formen der Anerkennung: förmliche Übergaben, persönliche Gespräche und sorgfältig inszenierte Erinnerungsbilder. Beschäftigte erscheinen als einzelne Personen mit einer eigenen Berufsgeschichte. Die hier gezeigten Fotografien ergänzen damit die Beschäftigtenzahl des Heimatbuchs um eine anschauliche soziale Dimension, ohne aus unbeschrifteten Gesichtern vermeintlich gesicherte Biografien zu machen. (KA02, KA10)
In den Quellen begegnen mehrere Namen, die auseinandergehalten werden müssen: Christoph Krautheim gründete die Malerei; Richard Adelberg war sein Schwager und Mitinhaber. Richard Krautheim ist dagegen der Sohn des Gründers, der nach dessen Tod 1933 die Leitung weiterführte. Georg Krautheim wird im Zeitungsbericht von 1974 ausdrücklich als geschäftsführender Gesellschafter genannt. Diese Belege stammen aus unterschiedlichen Phasen und ergeben noch keine lückenlose Liste aller Geschäftsführer und Teilhaber. (KA02, KA04, KA05)
Der spätere Archiv-Buchentwurf schildert wirtschaftliche Schwierigkeiten seit den frühen 1930er-Jahren sowie Rationalisierung und Personalabbau. Auch für die Zeit nach 1950 beschreibt er wachsenden Kostendruck und eine stärkere Technisierung. Mangels durchgängiger Geschäftsberichte lässt sich daraus keine jährliche Geschäftsentwicklung rekonstruieren. Vor allem die dort pauschal behauptete Verschlechterung des Qualitätsstandards wird hier nicht als feststehendes Urteil über die Erzeugnisse übernommen. (KA07)
Für die Kriegs- und unmittelbare Nachkriegszeit bleibt die Quellenlage des bisher erschlossenen Bestands lückenhaft. Die erhaltenen Fabrikfotos und Jubiläumsserien bieten Einblicke in Räume und Arbeitsgemeinschaften, ersetzen jedoch keine datierten Produktions- oder Personalunterlagen. Den gesicherten späteren Anknüpfungspunkt liefert die dokumentierte Ordensverleihung an Georg Krautheim.
Für Georg Krautheim ist eine besondere öffentliche Ehrung durch zwei zusammengehörige Quellen belegt. In einem Schreiben vom 24. Juli 1974 teilte der bayerische Wirtschafts- und Verkehrsminister Anton Jaumann mit, der Bundespräsident habe Krautheim mit Urkunde vom 29. Mai 1974 das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Zugleich lud Jaumann zur persönlichen Überreichung am 30. August in den Sitz der Regierung von Oberfranken in Bayreuth ein. Verleihungsdatum, Mitteilung und Übergabe sind somit drei unterschiedliche Zeitpunkte. (KA05, PDF-S. 1)
Das Selber Tagblatt vom 31. August 1974 berichtet über die tatsächlich erfolgte Überreichung am vorausgegangenen Freitagnachmittag. Es bezeichnet Georg Krautheim als geschäftsführenden Gesellschafter der Krautheim & Adelberg GmbH. In der wiedergegebenen Würdigung nennt Jaumann Krautheims Verdienste um die bayerische Porzellanindustrie und deren Organisation. Außerdem hebt der Bericht seine Förderung des Selber Sports und seine zahlreichen Ehrenämter hervor. Welche Vereine, Ämter oder Einzelmaßnahmen damit im Detail gemeint sind, wird in diesem Ausschnitt nicht ausgeführt. (KA05, PDF-S. 2)
Die Quellen zeigen damit einen Fabrikanten, dessen öffentliches Wirken über die Leitung des Unternehmens hinausreichte. Der Zeitungsausschnitt enthält auch ein Foto der Ordensübergabe; als Fotograf ist Harald Müller genannt.
Mehrere Archivbilder zeigen einen geschmückten Festwagen mit übergroßen Geschirrformen. Der Firmenname stellt den Bezug zu Krautheim her. Menschen auf dem Wagen und am Straßenrand machen sichtbar, wie sich ein Porzellanunternehmen außerhalb der Werkstore präsentierte: Die Produkte wurden zum Motiv eines öffentlichen Auftritts. (KA06)
K06 · Krautheim-Festwagen. Öffentliche Präsentation des Unternehmens im Straßenraum. Bildnachweis.
Die Markenchronik von Bohemia Cristal nennt 1977 als Konkursjahr. 1978 erwarb Bohemia Cristal die ehemaligen Fabrikgebäude; im Februar 1979 folgte der Umzug von Hannover nach Selb. Für 2023 nennt das Unternehmen die Registrierung der Marke Krautheim & Adelberg. Der Fortbestand des Standorts und die spätere Markennutzung sind deshalb von einer durchgehenden Porzellanproduktion des ursprünglichen Betriebs zu unterscheiden. (KA04)
Das Gelände blieb damit Teil der Selber Industrie- und Handelsgeschichte. Für die Einordnung der späteren Produkte ist zwischen dem historischen Porzellanbetrieb und der neu aufgegriffenen Marke zu unterscheiden. Die heutige Darstellung Bohemia Cristals belegt den Bezug auf die Tradition; sie ersetzt keine Fortführung sämtlicher früherer Produktionsverhältnisse.
| Zeit | Ereignis und Nachweis |
|---|---|
| 1884 | Gründung der Porzellanmalerei Christoph Krautheim. KA01, KA02 |
| 1888 / 1889 | Abweichende Angaben zum Eintritt Richard Adelbergs; Registerprüfung bleibt offen. KA04, KA07 |
| 1899 | Hoflieferantentitel nach dem Heimatbuch. KA02 |
| 1912 / 1913 | Eigene Fertigung beziehungsweise Fabrikerrichtung nach den unterschiedlich formulierten Quellen. KA04, KA08 |
| 1925 | Geschäftsadresse Schönwalder Straße 17/21; weitere Firmenadressen Gartenstraße 24–34 mit Unterbrechungen. KA08, S. 20, 25. |
| 1933 | Tod des Gründers; Weiterführung durch Sohn Richard nach der Markenchronik. KA04 |
| 1949 | Heimatbuch würdigt das Unternehmen und nennt 500 Arbeiter, ohne statistischen Stichtag. KA02 |
| 29. Mai / 30. August 1974 | Verleihungsurkunde beziehungsweise Überreichung des Verdienstkreuzes 1. Klasse an Georg Krautheim. KA05 |
| 1977–1979 | Konkurs, Erwerb der Gebäude und anschließender Standortwechsel Bohemia Cristals. KA04 |
| 2023 | Erneute Markenregistrierung laut Bohemia Cristal. KA04 |
Bohrer-Chronik, Archivbestand „Selb Chronik Bohrer1930“, 16_bis_Seite_239 (Bohrer Chronik Selb).pdf, PDF-S. 13, gedruckte S. 232. Die Passage zu den Porzellanmalereien nennt 1884 und die anfängliche Belieferung mit Weißgeschirr durch Hutschenreuther. Originalseite visuell geprüft; fehlerhafte Fraktur-Texterkennung nicht wörtlich übernommen. Weitere Selber Chroniken.
Dr. Ludwig Riess: Selber Heimatbuch, 2. Ausgabe, Selb 1949, Druck und Verlag F. & A. Münch. Selber Heimatbuch 02.pdf, PDF-S. 5, gedruckte S. 138. Gründung 1884, Hoflieferantentitel 1899 und Entwicklung unter den Söhnen des Gründers; die Beschäftigtenzahl steht ohne statistischen Stichtag. Originalseite visuell geprüft.
Porzellanikon: Hutschenreuther. Geschirrporzellan aus zwei Jahrhunderten, Onlinekatalog, S. 107, Absatz zum Service Hans Christiansens und Abb. 6. Nachweis der Arbeitsteilung zwischen Entwurf, Porzellanherstellung und Krautheim-Dekor. Onlinekatalog.
Bohemia Cristal: Historische Meilensteine – Krautheim & Adelberg. Unternehmensdarstellung des späteren Grundstückseigentümers und Markenanbieters. Verwendet für den Eintritt Adelbergs, die eigene Fertigung, 1933, den Konkurs und die spätere Standort- und Markengeschichte. Originalquelle. Erneuter Abruf: 18. Oktober 2026. Eine eigenständige Prüfung der Konkurs- und Markenregisterakten erfolgte nicht.
Archivmappe „Krautheim-Bundesverdienstkreuz“, Krautheim-Bundesverdienstkreuz.pdf, zwei Seiten: PDF-S. 1: Schreiben Anton Jaumanns an Georg Krautheim vom 24. Juli 1974, mit Verleihungsdatum 29. Mai 1974 und Einladung zur Überreichung am 30. August. PDF-S. 2: Selber Tagblatt, 31. August 1974, „Verdienstkreuz Erster Klasse an Georg Krautheim verliehen“, Unterzeile „Minister Jaumann überreichte Orden in Bayreuth“. Foto: Harald Müller. Beide Seiten visuell vollständig geprüft; die Datei besitzt keine auswertbare Textschicht.
Bildbestand „Krautheim-Eschenbach-Bilder“, im Archiv unter Porzellanstadt Selb/Krautheim. Die oberste Bildebene enthält 28 JPG-Dateien einschließlich weiterer Kopien/Varianten. Für diesen Artikel ausgewählt: Fabrikansicht, Werkstatt, Brennhalle, Ausstellung, Gruppenbild, Festwagen, Ausstellungsstand und Brandaufnahme. Fundstelle: Downloads/Porzellanstadt Selb/Krautheim/Krautheim-Eschenbach-Bilder. Fotografen und Aufnahmedaten sind bei den ausgewählten Dateien nicht dokumentiert.
Buchentwurf „Porzellanindustrie-Nordbayern“, Arbeitsarchiv „Geschichte Hutschenreuther Version 2024“, Scrivener-Text zur Selber Gründungschronik. Nennt 1889 für Adelbergs Eintritt; enthält weitere zusammengetragene Angaben ohne hier vollständig nachvollziehbare Einzelbelege. Als Recherchehinweis und abweichender Bearbeitungsstand verwendet, nicht als unabhängige Bestätigung sämtlicher Firmendaten. Weitere Kopien liegen im Projekt „Porzellangeschichte“.
Selber Adressbuch 1925, Selb_Adressbuch_1925_030.pdf, S. 9 / PDF-S. 12: Errichtung der Fabriken 1912/13; S. 20 / PDF-S. 23: Branchenverzeichnis, Krautheim & Adelberg, Schönwalder Straße 17/21, Telefon 2; S. 25 / PDF-S. 28: Firmenzuordnung der Gartenstraße 24, 26, 28, 30, 32 und 34. Die beiden zusätzlichen Adressseiten wurden am 18. Oktober 2026 am Originalscan visuell geprüft. Fundstelle: Downloads/Ahnenforscher/Gemeinden O - S/Selb/Selb Adressbuch 1925/.
Objektfotografien „Krautheim-ArtDeco Service“, zwanzig JPG-Dateien unter Downloads/Porzellanstadt Selb/Krautheim/Krautheim-ArtDeco Service/. Vollständige Serie als Kontaktübersicht geprüft; die veröffentlichten Service-, Terrinen- und Markenaufnahmen zusätzlich einzeln angesehen. Verwendet als Bildquelle für Form- und Dekorbeschreibungen sowie die lesbaren Marken. Der Ordnername ist keine unabhängige Datierung oder gesicherte Entwerferzuweisung. Namen von Fotografen und Aufnahmedaten sind nicht beigefügt.
Bildserie „Jubilare“, Downloads/Porzellanstadt Selb/Krautheim/Krautheim-Eschenbach-Bilder/Jubilare/: 49 JPG-Dateien außerhalb zusätzlicher JPEG-Kopien. Für den Artikel verwendet: Jubilare/Jubilaeum012.jpg und Jubilare/Jubilaeum026.jpg. Beide Einzelbilder vollständig visuell geprüft. Die Serie enthält auch weitere, hier nicht veröffentlichte Motive; aus der Ablage wird kein einheitlicher Aufnahmezeitpunkt abgeleitet. Die gespeicherte frühere Webseite Webseite porzellan-selb/Webseite Juli 2020/httpdocs/wp-content/cache/all/project/jubilare-krautheim/index.html bestätigt den Zusammenhang der Sammlung mit dem Thema „Jubilare Krautheim“, enthält jedoch keine ergänzende Namensliste.
Die 12 Abbildungen stammen aus den Beständen KA06, KA09 und KA10. K01–K06 sowie K13–K14 liegen im Ordner „Krautheim-Eschenbach-Bilder“, K07–K08 im Ordner „Krautheim-ArtDeco Service“, K11–K12 im Unterordner „Jubilare/Jubilare“. Ausgangspunkt ist jeweils Downloads/Porzellanstadt Selb/Krautheim/. Die Originaldateien bleiben erhalten; die Website verwendet WebP. Fotografen und Aufnahmejahre der hier eingebundenen Motive sind im ausgewerteten Bestand nicht dokumentiert.
| Kennung | Originaldatei | Inhalt |
|---|---|---|
| K01 | krautheim004.jpg |
Beschriftete Luftaufnahme der Fabrik im Stadtgebiet. |
| K02 | krautheim003.jpg |
Beschäftigte an einer Fertigungsmaschine. |
| K03 | krautheim006.jpg |
Brennhalle mit Anlagen und Brennhilfsmitteln. |
| K04 | krautheim010.jpg |
Ausstellungsraum mit Geschirrgruppen. |
| K05 | krautheim018.jpg |
Gruppe vor dem Gebäude mit Firmenbeschriftung. |
| K06 | krautheim023.jpg |
Festwagen mit übergroßen Geschirrformen. |
| K07 | DSC09911.jpg |
Übersicht des weiß-blauen Speiseservices. |
| K08 | DSC00013.jpg |
Terrine mit plastischem Deckelknauf. |
| K11 | Jubilaeum012.jpg |
Ehrung im Betriebsraum. |
| K12 | Jubilaeum026.jpg |
Frau vor Gabentisch mit Ehrenurkunde und Zahl 25. |
| K13 | krautheim014.jpg |
Besucher vor dem Ausstellungsstand. |
| K14 | krautheim020.jpg |
Brandaufnahme mit beschädigtem Dach und Löscharbeiten. |
Die Krautheim-Galerie mit Ludwig Erhard zeigt 27 zusätzliche historische Fotografien: acht Aufnahmen des Erhard-Besuchs, weitere Fabrik- und Innenansichten, Menschen und Ausstellungsbesuche sowie Festwagen. Die Bilder stehen mit kurzen Motivbeschreibungen und Originalfundstellen in einer eigenen Übersicht. Direkt zur Erhard-Bildserie.
Für einen weiteren Ausbau sind insbesondere Gesellschafts- und Bauakten, datierte Sortimentskataloge sowie Angaben zu den Personen und Anlässen auf den Fotografien hilfreich. Auch Krautheims Sportförderung und Ehrenämter lassen sich mit Vereinsarchiven genauer erschließen. Unbeschriftete Porträts und der Name „Eschenbach“ im Sammelordner bleiben vorerst offene Zuordnungen.
Unternehmen und Fabriken · Porzellan und Regionalgeschichte · Bilder und Archive · Chroniken und Quellen
Der ausführliche Familienartikel behandelt die Ehe von Christoph Krautheim und Henriette Adelberg, die Schwägerschaft mit Richard Adelberg und die Verbindung von Richard Krautheim mit Ernestine Schumann. Zwei Stammtafeln erschließen die weiteren Beziehungen nach Arzberg sowie zu Seltmann und Netzsch. Familienbeziehung, Firmenbeteiligung und spätere Nachfolge werden jeweils gesondert belegt.