Die Arzberger Bilder im Dorschner-Bestand zeigen zwei verschiedene Fabrikanlagen. Das Jubiläumsalbum bezeichnet sie ausdrücklich als Porzellanfabrik Arzberg und C. M. Arzberg. Diese Unterscheidung ist der Ausgangspunkt dieses Artikels. Ein gemeinsamer Ortsname und die spätere Zugehörigkeit zum selben Unternehmensverband bedeuten keine gemeinsame Gründungsgeschichte. (DL03, PDF-S. 1)

H08 · Porzellanfabrik Arzberg — Bildnachweis und Kommentar.
Der überlieferte historische Rückblick setzt den Beginn der Porzellanfabrik Arzberg 1887 an. Er beschreibt eine zunächst kleine Anlage, die durch steigende Beschäftigung und wachsende Produktion ausgebaut wurde. 1927 kam die Fabrik zur Kahla-Gesellschaft. Diese Entwicklung gehört zu jener Arzberger Linie, die später besonders durch ihre Geschirrformen bekannt wurde. Sie wird hier nicht auf das andere abgebildete Werk übertragen. (DL08, 175-Jahre-LHS087.pdf, PDF-S. 3; LHS088.pdf, PDF-S. 1)
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die westlichen Kahla-Betriebe unter veränderten Bedingungen weitergeführt. Der Arzberger Text berichtet von schweren Bombenschäden und einer erst bis 1949 wieder vollständig aufgebauten Produktion. Für 1961 nennt er die Ablösung der alten Rundöfen durch Tunnelöfen. Mit der Fusion von Kahla und Hutschenreuther 1972 wurde das Werk Teil des Hutschenreuther-Verbunds. Diese Angaben werden als historischer Rückblick des Unternehmensbestands kenntlich gemacht. (DL08, 175-Jahre-LHS088.pdf, PDF-S. 1)
Eine zweite Linie dieser Geschichte führt zur Gestaltung des Alltagsgeschirrs. Hermann Gretsch entwarf 1931 das Service Form 1382. Die Datierung und Zuordnung sind durch den Objektkatalog des Badischen Landesmuseums belegt. Ein dort verzeichneter Teller aus den 1930er-Jahren verbindet Entwurfsdatum, Hersteller und erhaltenen Gegenstand. Badisches Landesmuseum über LEO-BW: Teller aus Arzberg 1382.
Die historische Arzberg-Darstellung verbindet Gretschs Arbeit mit dem Anspruch auf zweckmäßige, klare Formen. Sie erzählt außerdem eine zugespitzte Begegnung zwischen dem Gestalter und einem Arzberger Direktor. Diese Episode bleibt eine Erzählung des Rückblicks; aus ihr wird kein belegtes Gesprächsprotokoll. Für das Wiki ist zunächst die am Objekt überprüfbare Entwurfsleistung entscheidend. (DL08, 175-Jahre-LHS088.pdf, PDF-S. 1–2; LHS089.pdf, PDF-S. 1)
Der Text nennt Heinrich Löffelhardt als Nachfolger Gretschs und führt weitere Entwerfer an. Damit dokumentiert er das Selbstbild einer Marke, die gestalterische Kontinuität hervorheben wollte. Die darin verwendeten Gegenwartsbezüge gelten für die Entstehungszeit des historischen Texts. Sie sind keine Angaben über eine heutige Entwurfsabteilung. (DL08, 175-Jahre-LHS088.pdf, PDF-S. 2; LHS089.pdf, PDF-S. 1)

H07 · C. M. Arzberg — Bildnachweis und Kommentar.
Die zweite Aufnahme zeigt das im Album als C. M. Arzberg bezeichnete Werk. Der Gebäudekomplex unterscheidet sich deutlich von der vorherigen Ansicht: Er besitzt andere Dachformen, Anbauten und eine andere Anordnung des Hofs. Der Vergleich erlaubt eine klare Trennung der beiden Motive. Für die genaue Vorgeschichte und die Eigentumsübergänge dieses zweiten Betriebs reichen die hier ausgewerteten Bildseiten allein noch nicht aus. (DL03, PDF-S. 1)
Deshalb werden weder das Gründungsjahr 1887 noch die Form 1382 ohne Beleg diesem zweiten Werk zugeschrieben. Die spätere Aufnahme in denselben Bildrundgang macht vielmehr sichtbar, weshalb eine Ortsgeschichte mehrere Unternehmenslinien getrennt verfolgen muss. Die zugehörigen Werkverträge, Handelsregisterangaben und Markenverzeichnisse bleiben für einen weiterführenden Artikel zu C. M. Arzberg wichtige Ergänzungen.
Beide Luftaufnahmen zeigen Fabriken im Zusammenhang mit Verkehrswegen, Wohnhäusern und Landschaft. Der Blick auf Schornsteine und langgestreckte Gebäudeteile ist für die Baugeschichte aufschlussreich. Die Aufnahmen enthalten jedoch keine verlässlichen Angaben über die Funktion jedes einzelnen Gebäudes oder ihre genaue Entstehungszeit. Das Wiki benennt deshalb nur die belegte Werkzuordnung und lässt nicht überlieferte Aufnahmedaten offen. Die Bildnachweise dokumentieren den Motivvergleich mit der gemeinsamen Albumseite.
Werkeverbund · Schönwald · Orte und Stadtgeschichte · Quellen
Die Schönwalder Unternehmensgeschichte erläutert Familienunternehmen, Kahla-Verband und die westliche Fortführung. Gretsch und Löffelhardt verbinden die Gestaltungsgeschichte beider Standorte; im Schönwalder Artikel sind die Formen 511 und 498 bebildert.